Rheinmetall Aktie: 400 F-35-Sektionen über 20 Jahre
Rheinmetall erhält US-Logistikauftrag und startet F-35-Produktion, während Analysten die Aktienrally trotz negativem Cashflow kritisch beobachten.

Kurz zusammengefasst
- US-Armee vergibt Logistikauftrag
- F-35-Produktion in Weeze gestartet
- Papperger kritisiert Merkel scharf
- Cashflow bleibt negativ, Rally fragil
Die US-Armee vergibt einen weiteren Großauftrag an Rheinmetall: Das Unternehmen soll seine autonomen Logistikfähigkeiten für das amerikanische Militär weiterentwickeln. Die Nachricht befeuerte die ohnehin schon laufende Erholung der Aktie, die am Freitag mit 1.145,00 Euro aus dem Handel ging – ein Wochenplus von 10,74 Prozent. Parallel bleibt jedoch eine kritische Frage im Raum stehen: Wie tragfähig ist diese Rally, wenn der operative Cashflow negativ bleibt und die Investitionen in neue Fertigungslinien hoch sind?
Auftragsflut auf mehreren Kontinenten
Der Logistikauftrag der US-Armee reiht sich in eine Serie weiterer Großprojekte ein. Neben dem US-Geschäft laufen für Rheinmetall auch das britische RCH155-Programm sowie ein Fregatten-Modernisierungsauftrag. Zusätzlich hat der Konzern in Weeze in Nordrhein-Westfalen die Produktion als Zulieferer für den Stealth-Kampfjet F-35 gestartet. Rund 200 Millionen Euro investiert Rheinmetall in den Standort, der laut The Munich Eye künftig jährlich 30 Rumpfsektionen fertigen soll. Die erste Lieferung an die USA ist für den Herbst geplant, ein Rahmenvertrag sichert die Produktion von 400 Sektionen über eine Laufzeit von 17 bis 20 Jahren. Aktuell arbeiten rund 200 Mitarbeiter am Standort, bis 2026 soll die Belegschaft auf 400 wachsen. Die Partnerschaft läuft über Northrop Grumman und Lockheed Martin, während Deutschland selbst 35 F-35 bestellt hat.
Zusätzlichen Rückenwind für die Rüstungsbranche liefert der deutsche Haushaltsausschuss: Er bewilligte 16 Beschaffungsvorhaben, darunter vier U-Boot-Jagd-Fregatten vom Typ MEKO A-200 DEU mit einer Option auf vier weitere, wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilte. Das Paket umfasst außerdem ein Hochenergie-Laserwaffensystem, Mehrzweckkampfboote sowie diverse Munitions- und IT-Beschaffungen – ein Signal für anhaltend hohe Verteidigungsausgaben, von denen die gesamte Branche profitieren dürfte.
Papperger attackiert Merkel
Für zusätzliche Schlagzeilen sorgte Rheinmetall-Chef Armin Papperger mit scharfer Kritik an der früheren Bundeskanzlerin. Auf einem Weltsicherheitsgipfel warf er Angela Merkel vor, die deutsche Rüstungsindustrie jahrelang „in die Schmuddelecke“ gestellt zu haben. Laut Weltwoche zitierte Papperger eine Aussage Merkels ihm gegenüber: „Wir brauchen euch eigentlich nicht – wenn es ein Problem gibt, rufen wir die Amerikaner an.“ Papperger forderte mehr Tempo und Planungssicherheit von der Politik. Als Beleg für die inzwischen erreichte Kapazität verwies er darauf, dass Rheinmetall ein Artilleriewerk für 500 Millionen Euro errichtet und die jährliche Fertigungskapazität bei Artilleriemunition von 70.000 auf eine Million Schuss gesteigert habe – damit habe man die USA bei konventioneller Munition überholt.
Cashflow bleibt der wunde Punkt
Trotz der Auftragsflut bleibt an den Märkten eine Debatte über die Nachhaltigkeit der jüngsten Erholung bestehen, da der Cashflow negativ ist und die Investitionen in neue Fertigungslinien hoch bleiben. Charttechnisch hat die Aktie zuletzt die 50-Tage-Linie nach oben überschritten, notiert aber weiterhin 22,32 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.473,94 Euro. Seit dem Jahrestief im Juni hat sich das Papier bereits deutlich erholt, bleibt aber auf Jahressicht klar im Minus. Für Anleger bedeutet das: Die operative Auftragslage wirkt vielversprechend, doch solange der freie Cashflow nicht ins Positive dreht, dürfte die Diskussion über die Belastbarkeit der Bewertung weitergehen.
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