Rheinmetall Aktie: 500 Millionen für Aschau
Rheinmetall investiert 500 Millionen Euro in Pulverwerk, während Analysten Kursziele senken. Aktie erholt sich leicht, bleibt aber im Minus.

Kurz zusammengefasst
- Grundstein für 500-Millionen-Pulverwerk gelegt
- Jefferies senkt Kursziel drastisch
- Kaufempfehlung von mwb-Research gestrichen
- Aktie erholt sich auf 1.032 Euro
Rheinmetall setzt seine Expansionsstrategie fort, während zwei Analysehäuser ihre Einschätzung zum Konzern spürbar zurückschrauben. Am Donnerstag legte der Düsseldorfer Rüstungskonzern in Aschau in Bayern den Grundstein für den Ausbau seines Pulverwerks – ein Projekt im Volumen von 500 Millionen Euro. Fast zeitgleich senkte die Analystin Chloe Lemarie von Jefferies ihr Kursziel drastisch, und ein Analyst von mwb-Research strich seine Kaufempfehlung komplett.
Neue Kapazitäten für über eine Million Treibladungsmodule
Mit dem Ausbau in Aschau will Rheinmetall nach eigenen Angaben nationale Produktionskapazitäten für mehr als eine Million Treibladungsmodule pro Jahr schaffen. Das Werk soll damit zu einem zentralen Baustein der Munitionsversorgung werden, die der Konzern seit Beginn des Ukraine-Kriegs kontinuierlich hochfährt. Erst Anfang des Monats hatte Rheinmetall aus einem neuen Werk im niedersächsischen Unterlüß erstmals 155-mm-Artilleriemunition an die Ukraine ausgeliefert. Wenige Tage zuvor war zudem ein Auftrag über Artilleriemunition für die Ukraine hinzugekommen, den ein NATO-Staat in Auftrag gegeben hatte – der Wert liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Auch aus dem laufenden Rahmenvertrag zur Digitalisierung landbasierter Operationen rief die Bundeswehr zuletzt Hardware und Unterstützungsleistungen im Umfang von 100 Millionen Euro ab.
Jefferies kappt Kursziel um mehr als ein Drittel
Der Ausbaukurs steht im Kontrast zu einer deutlich kritischeren Analystensicht. Jefferies-Analystin Chloe Lemarie senkte ihr Kursziel für Rheinmetall am Mittwoch von 1.890 Euro auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Begründung nannte sie eine um 20 Prozent gesenkte Umsatzprognose für 2030, die damit unter dem eigenen Konzernziel liegt. Ein Analyst von mwb-Research ging noch einen Schritt weiter und strich seine Kaufempfehlung für die Aktie vollständig – als Reaktion auf den verlorenen Zuschlag beim Fregattenprogramm F126, das die Bundeswehr überraschend an Thyssenkrupp Marine Systems vergeben hatte.
Dieser Auftragsverlust hatte den Kurs bereits Ende Juni erheblich belastet. Vorstandschef Armin Papperger und Aufsichtsratsmitglied Andreas Georgi kauften damals über ihre jeweiligen Holdinggesellschaften Aktien zu Kursen zwischen 953 und 955 Euro – ein Signal, das Anleger als Vertrauensbeweis in die eigene Aktie werteten. Kurz darauf hatte Rheinmetall über die spanische Tochtergesellschaft Rheinmetall Expal Munitions einen Großauftrag über weitreichende 155-mm-Artilleriemunition für die Ukraine im hohen zweistelligen Millionenbereich gemeldet, der die Stimmung wieder etwas aufhellte.
Kurs bleibt unter Druck, Erholung setzt ein
Am Kapitalmarkt zeigt sich das Ergebnis dieser widersprüchlichen Nachrichtenlage deutlich. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.032,60 Euro und legte damit um 1,29 Prozent zu. Trotz dieser jüngsten Erholung notiert das Papier seit Jahresbeginn noch immer 33,49 Prozent im Minus. Der Auftragsverlust beim F126-Programm und die Kurszielsenkungen der Analysten wirken damit nach, auch wenn die operative Auftragslage aus dem Munitions- und Digitalisierungsgeschäft zuletzt Stabilität signalisierte.
Anleger richten den Blick nun auf den 6. August, wenn Rheinmetall den Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 vorlegt. Dort dürfte sich zeigen, ob die milliardenschweren Investitionsprojekte wie jenes in Aschau die durch den F126-Verlust gedämpften Wachstumserwartungen kompensieren können. Ende August folgt zudem ein Auftritt des Konzerns beim DZ Bank Expert Day, der weitere Einblicke in die mittelfristige Strategie liefern dürfte.
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