Rheinmetall Aktie: 8,5 Milliarden für 155er-Munition

Rheinmetall stellt die Lenkwaffenfregatte GMF140 vor, die den nordamerikanischen Markt erobern soll. Die Aktie legt deutlich zu, während Analysten vor den Quartalszahlen optimistisch bleiben.

Redaktion Stock-World ·
Abstraktes Bild einer hochmodernen industriellen Fertigungsanlage für Verteidigungstechnologie. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aktie steigt um 3,46 Prozent
  • Neue Fregatte für Nordamerika
  • Umsatzziel: 5 Milliarden Euro bis 2030
  • Quartalszahlen am Donnerstag erwartet

Rheinmetall hat heute die neue Lenkwaffenfregatte GMF140 vorgestellt und wirbt damit gezielt um Aufträge in Nordamerika. Die Aktie reagierte deutlich: Der Kurs legte am Vormittag um 3,46 Prozent zu und erreichte 1.184,60 Euro, nachdem das Papier am Freitag noch bei 1.145,00 Euro geschlossen hatte. Damit setzt der Titel seine Erholung der vergangenen Wochen fort – über die letzten sieben Handelstage summiert sich das Plus auf fast zwölf Prozent. Trotz der Rallye bleibt die Aktie seit Jahresbeginn mit minus 23,70 Prozent deutlich im Minus.

Neue Fregatte als Antwort auf gescheiterte Programme

Die GMF140 ist eine Mehrzweckfregatte mit 140 Metern Länge und mehr als 6.000 Tonnen Verdrängung. Sie verfügt über 64 Startzellen für Lenkwaffen (VLS), das Aegis-Kampfsystem sowie US-Radartechnik und kann optional mit dem Gefechtsführungssystem CMS330 von Lockheed Martin ausgerüstet werden. Zu den Fähigkeiten zählen Luftverteidigung, Abwehr ballistischer Raketen, U-Boot-Jagd und Landangriffe – bewaffnet unter anderem mit einem 5-Zoll-Geschütz, Seezielflugkörpern, Torpedos und einer Laserwaffe. Rheinmetall bietet das Schiff zunächst für den nordamerikanischen Markt an, etwa für laufende Beschaffungsprogramme in den USA und Kanada, will damit langfristig aber auch NATO-Partner und verbündete Marinen ansprechen.

Der Vorstoß folgt auf zwei gescheiterte Programme: Das deutsche F-126-Projekt für sechs Fregatten wurde von Verteidigungsminister Pistorius Ende Juni gestoppt, weil die Kosten laut Handelsblatt auf 18 Milliarden Euro statt der ursprünglich veranschlagten 10 Milliarden Euro gestiegen wären und die Lieferung sich bis 2032 statt 2028 verschoben hätte. Parallel hatte die US Navy im November 2025 ihr Constellation-Programm eingestellt, von dem letztlich nur zwei Schiffe realisiert wurden. Rheinmetall sieht in dieser Lücke laut WELT eine Chance, konkurriert dabei aber direkt mit TKMS, das für die Bundeswehr bereits den Zuschlag für die Nachfolgeklasse F128 erhalten hat – vier von möglichen acht Schiffen für rund 12 Milliarden Euro.

Marinesparte soll fünffachen Umsatz erreichen

Mit der im März abgeschlossenen Übernahme von NVL, der ehemaligen Marinesparte von Lürssen, hat Rheinmetall seine Werftkapazitäten deutlich ausgebaut. Der Konzern strebt an, den Umsatz der Marinesparte von derzeit rund 1 Milliarde Euro bis 2030 auf 5 Milliarden Euro zu steigern, bei einer angepeilten Marge von 15 Prozent. Die GMF140 soll dabei zum zentralen Exportprodukt werden, nachdem der Verlust des heimischen F-126-Auftrags das Marinegeschäft zunächst geschwächt hatte.

Neben dem Fregatten-Vorstoß meldete Rheinmetall zuletzt weitere Geschäftsimpulse. Für die Modernisierung der Fregatte BAYERN erhielt der Konzern einen Auftrag der Deutschen Marine im mittleren dreistelligen Millionenbereich, abgewickelt über die Jade Werft. Zudem stockte die Bundeswehr einen bestehenden Rahmenvertrag für Artilleriemunition im Kaliber 155 Millimeter auf ein Volumen von 8,5 Milliarden Euro auf – ein Signal für die anhaltend hohe Nachfrage im Munitionsgeschäft. Als weiteres Vertrauenssignal wertet der Markt den Aktienkauf der ATP Holding, die für 3,04 Millionen Euro Anteile zu einem Kurs von 954,60 Euro erworben hat.

Analysten optimistisch vor den Quartalszahlen

Am Kapitalmarkt trifft die Nachrichtenlage auf ohnehin positive Erwartungen. Bernstein bestätigt die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.900 Euro, das durchschnittliche Kursziel der von Marktbeobachtern erfassten Analysten liegt bei 1.705,56 Euro. Damit sähen die Analysten noch deutliches Potenzial gegenüber dem aktuellen Niveau. Charttechnisch hat die Aktie zuletzt die 50-Tage-Linie klar hinter sich gelassen und notiert nun gut sieben Prozent über diesem Durchschnitt – ein Zeichen, dass sich der kurzfristige Trend gedreht hat, auch wenn der Titel vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007 Euro noch weit entfernt bleibt.

Im Fokus der Anleger steht nun der kommende Donnerstag: Rheinmetall veröffentlicht dann seine Quartalszahlen, laut Unternehmenskalender eingebettet in eine Woche mit Berichten von Siemens, Bayer, Allianz und Deutsche Telekom. Morningstar rechnet nach eigenen Angaben mit einem starken Rebound im zweiten Quartal. Die heutige Fregatten-Präsentation dürfte als strategisches Signal in diese Erwartungshaltung hineinwirken – sie zeigt, dass Rheinmetall trotz des Rückschlags im deutschen Marineprogramm aktiv neue Wachstumsfelder erschließt.

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Rheinmetall Aktie

969,60 EUR

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KGV 37,15
KUV 4,05
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,17 %
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ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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