Rheinmetall Aktie: Bernstein und Oddo kippen die Kaufempfehlung
Trotz kräftigen Umsatz- und Gewinnwachstums belasten eine Prognosesenkung und niedrigere Analystenziele den Kurs von Rheinmetall.

Kurz zusammengefasst
- Neunmonatsumsatz steigt um 38 Prozent
- Operativer Gewinn wächst um 69 Prozent
- Bernstein und Oddo stufen Rheinmetall herab
- Papperger kauft 585 Aktien
Fünf Warnungen in elf Monaten, eine Aktie, die sich seit Jahresbeginn nahezu halbiert hat: Bei Rheinmetall geht es derzeit weniger um Zahlen als um Vertrauen. Dabei fielen die Neunmonatszahlen stark aus. Der Umsatz wuchs um 38 Prozent, der operative Gewinn legte um 69 Prozent zu. Trotzdem brach die Aktie nach der Prognosesenkung vom Mittwochabend ein.
Kursrutsch geht am Freitag weiter
Am Donnerstag verlor das Papier rund 16 Prozent. Am Freitag folgte ein weiteres Minus von zuletzt knapp 5 Prozent auf etwa 800 Euro. Seit der Gewinnwarnung summiert sich der Verlust auf fast 20 Prozent. Vom Rekordhoch über 2.000 Euro vor 13 Monaten ist die Aktie weit entfernt.
Als Belastung gelten verzögerte Großaufträge, vor allem aus dem Bundeswehr-Umfeld. Marktteilnehmer verweisen zudem auf die Schwierigkeit, potenzielle Aufträge in gesicherte Umsätze umzuwandeln. Hinzu kommen Sorgen vor einem möglichen Kriegsende in der Ukraine.
Analysten korrigieren nach unten
Mehrere Häuser reagierten mit niedrigeren Kurszielen, zwei gaben ihre Kaufempfehlung auf:
- Bernstein: Kursziel von 1.200 auf 1.000 Euro, Abstufung auf „Market-Perform“
- Oddo BHF: Kursziel von 1.670 auf 1.200 Euro, Abstufung auf „Neutral“
- UBS: Kursziel von 1.360 auf 1.100 Euro
- DZ Bank: Kursziel von 1.705 auf 1.205 Euro
Bernstein-Analyst Adrien Rabier räumt ein, seine Kaufempfehlung vom Dezember 2025 sei aus Bewertungsgründen ein Fehler gewesen. Es fehlten schlicht die Kurstreiber. Oddo-Analyst Yan Derocles erwartet, dass es Zeit brauchen wird, den Vertrauensverlust auszuräumen.
Die Einschätzungen gehen auseinander. Kepler kappte ebenfalls das Ziel, rät aber, in die Schwäche hinein nachzukaufen, weil das dritte Quartal weiter profitables Wachstum gezeigt habe. UBS-Experte Sven Weier sieht in der Warnung eher einen konservativeren Prognoseansatz. Morningstar senkte den fairen Wert um 21 Prozent, hält die Aktie aber weiterhin für klar unterbewertet.
Papperger kauft, der Kurs gibt trotzdem nach
Konzernchef Armin Papperger erwarb am Tag des Einbruchs 585 Aktien, ein Volumen von rund einer halben Million Euro. Das Signal verpuffte jedoch. Die Notierung liegt inzwischen klar unter seinem Kaufpreis.
Nächster Fixpunkt ist der Kapitalmarkttag am 27. November. Oddo erwartet dort zunächst nur eine Kalibrierung der Erwartungen. UBS sieht die Chance auf realistischere Ziele, bis dahin dürften Anleger laut Weier in Wartestellung bleiben.
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