Rheinmetall Aktie: Boxer-Vertrag verschiebt sich auf Jahresende

Rheinmetall verliert 9,9 Prozent in einer Woche. Projektverzögerungen und Qualitätsprobleme treffen auf eine bereits gekürzte Umsatzprognose für 2026.

Dr. Robert Sasse ·
Silhouette eines modernen gepanzerten Fahrzeugs in einer industriellen Fertigungshalle bei atmosphärischem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aktie verliert 9,9 Prozent
  • Umsatzprognose für 2026 reduziert
  • Boxer-Bestellung auf Jahresende verschoben
  • Analysten bewerten Rheinmetall unterschiedlich

Kritische Berichte von Bundeswehr und Beschaffungsamt haben Rheinmetall in dieser Woche schwer zugesetzt. Verzögerungen bei wichtigen Rüstungsprojekten und Qualitätsmängel bei Schutzplatten aus dem Konzernumfeld erschütterten das Anlegervertrauen. Die Aktie fiel im Wochenverlauf um 9,9 Prozent und notierte am Freitag bei 1.036,00 Euro, ein Tagesminus von 3,2 Prozent.

Der Kurs bewegt sich damit deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.096,57 Euro, was den kurzfristigen Abwärtstrend unterstreicht. Seit dem 52-Wochen-Hoch vom 3. Oktober hat das Papier fast die Hälfte seines Werts eingebüßt, was zeigt, wie stark die Euphorie um den Rüstungssektor mittlerweile abgekühlt ist.

Guidance-Kürzung als tieferliegende Ursache

Die aktuellen Negativschlagzeilen treffen einen Konzern, der bereits Anfang August mit einer gesenkten Prognose für Verunsicherung gesorgt hatte. Rheinmetall hatte im Rahmen der Zahlen zum zweiten Quartal die Umsatzguidance für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro zurückgenommen, nachdem das F126-Fregattenprogramm gestoppt wurde.

Der Umsatz war im zweiten Quartal zwar um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro gestiegen und das operative Ergebnis hatte sich mit 562 Millionen Euro mehr als verdoppelt, doch der freie Cashflow blieb negativ. Der Auftragsbestand lag zu diesem Zeitpunkt bei 80 bis 80,5 Milliarden Euro, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Konzernchef Armin Papperger hatte Ende August noch angekündigt, der Auftragsbestand solle im laufenden Jahr die Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten. Dieser Optimismus steht nun im Kontrast zu den jüngsten Berichten über Qualitätsprobleme und Terminverzug bei zentralen Bundeswehr-Projekten. Ariva berichtete zudem, dass Papperger wegen der gestoppten Großprojekte und einer stark auf ihn zentrierten Führungsstruktur unter Druck gerate.

Boxer-Vertrag verzögert sich

Besonders im Fokus steht das Projekt Arminius, die geplante Beschaffung von Boxer-Radfahrzeugen für die Bundeswehr. Ursprünglich sollte das erste Kontingent im Volumen von 12,4 Milliarden Euro früher bestellt werden, nun verschiebt sich die Order Berichten zufolge auf das Jahresende.

Die finalen Verhandlungen sind für die zweite Septemberwoche angesetzt, die parlamentarische Behandlung ist für den 9. Dezember terminiert. Insgesamt umfasst das Paket aus Fahrzeugen und Servicevertrag ein Volumen von rund 14,4 bis 14,5 Milliarden Euro, samt Optionen könnte der Gesamtrahmen auf etwa 26 Milliarden Euro anwachsen.

Kleinere Aufträge können Stimmung nicht drehen

Parallel dazu meldeten US-Tochtergesellschaften kleinere Geschäfte. Rheinmetall Canada erhielt über die Canadian Commercial Corporation einen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums für Ersatzkomponenten mobiler Startgeräte des Typs MSU-200NAV für die US-Navy, mit Auslieferungen zwischen 2026 und 2028. American Rheinmetall wiederum fungiert als Subunternehmer für Kongsberg Defence & Aerospace beim Mittelkaliberturm MCT-30 für ein US-Marine-Fahrzeug, das Volumen liegt jedoch nur bei rund 0,71 Millionen US-Dollar. Solche Einzelaufträge liefern operative Substanz, können die grundsätzliche Verunsicherung über die großen Beschaffungsprogramme aber nicht auflösen.

Die Analysten bleiben gespalten: Während Goldman Sachs Anfang August ein Kursziel von 2.300 Euro mit Kaufempfehlung bestätigte, stufte mwb research kurz darauf von Hold auf Sell herunter und senkte das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro.

Begründet wurde dies mit einem ungünstigeren Chance-Risiko-Verhältnis, einer halbierten Investitionsquote sowie dem gesenkten Backlog-Ziel. Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die Verzögerungen bei Boxer und anderen Großprojekten temporärer Natur sind oder strukturelle Probleme in der Auftragsabwicklung offenlegen.

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Rheinmetall Aktie

1.036,00 EUR

– 34,60 EUR -3,23 %
KGV 39,65
KUV 4,38
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,07 %
Marktkapitalisierung 48,29 Mrd. EUR
Ø Kursziel 1.669,86 EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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