Rheinmetall Aktie: Boxer-Vertrag vor Bundestagstermin

Rheinmetall integriert Passiv-Sensoren in Luftabwehr und verzeichnet Milliardenaufträge. Boxer-Vertrag könnte noch 2026 unterzeichnet werden.

Dr. Robert Sasse ·
Abstrakte Darstellung der Verteidigungsindustrie in einem professionellen, industriellen Umfeld mit kühler Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Passiv-Sensoren erfolgreich in Luftabwehr integriert
  • Bundeswehr bestellt Rettungsstationen für 500 Millionen Euro
  • Auftragsbestand übersteigt 80 Milliarden Euro
  • Boxer-Vertrag vor Bundestagsentscheidung im Dezember

Rheinmetall Air Defence hat gemeinsam mit Hensoldt heute einen technologischen Meilenstein präsentiert. Bei der Luftwaffenübung „Timber Express 2026″ im bayerischen Manching demonstrierten beide Unternehmen die erfolgreiche Integration von Passiv-Sensortechnologie in die Luftabwehr-Systemarchitektur. Der Test markiert einen weiteren Schritt in der engeren Verzahnung deutscher Rüstungskonzerne bei der Drohnen- und Flugkörperabwehr.

Neue Aufträge stützen Wachstumskurs

Die Nachricht aus Manching reiht sich in eine Serie operativer Fortschritte der vergangenen Tage ein. Erst am Montag hatte die Bundeswehr einen Auftrag über mehr als 500 Millionen Euro für 149 mobile Rettungsstationen erteilt – der größte Einzelauftrag, den die Tochter Rheinmetall Project Solutions je erhalten hat. Damit wächst das Gesamtvolumen aller bislang bestellten Rettungsstationen auf über 165 Systeme im Wert von mehr als 600 Millionen Euro. Die Produktion soll im ersten Quartal 2027 anlaufen.

Der Auftragsbestand des Konzerns überschritt bereits vor wenigen Tagen die Marke von 80 Milliarden Euro, getrieben von neuen Milliardenaufträgen im Bereich Artillerie und Munition.

Diese Auftragsdynamik trifft auf ein Unternehmen, das im zweiten Quartal einen Umsatz von 3.289 Millionen Euro auswies – ein Plus von 69 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer auf 17,1 Prozent gestiegenen operativen Marge. Trotz der Rekordzahlen war die Aktie damals zeitweise um bis zu 8,5 Prozent eingebrochen, ein Kontrast, der die Nervosität der Anleger angesichts hoher Bewertungen zeigt.

Blick auf Boxer, Iveco und die Rüstungspipeline

Neben der Luftabwehr treibt Rheinmetall mehrere strategische Projekte parallel voran. Konzernchef Papperger rechnet damit, dass der milliardenschwere Boxer-Vertrag im Rahmen des Projekts „Arminius“ noch in diesem Jahr unterschrieben wird – nach seinen Worten stehe „absolut nichts“ mehr im Weg.

Die entscheidende Bundestagsbehandlung ist für den 9. Dezember angesetzt und gilt als zentraler Kurstreiber: Käme der Vertrag wie geplant, würde er die Lücke aus der gestrichenen F126-Fregatte mehr als ausgleichen.

Parallel bleibt Papperger an einer Übernahme des Militärfahrzeuggeschäfts von Iveco interessiert, das derzeit zum italienischen Konzern Leonardo gehört. Weitere Gespräche hängen vom neuen Leonardo-Chef Lorenzo Mariani ab; Papperger hofft laut Aussagen auf ein Treffen nach der Sommerpause.

Zudem arbeitet Rheinmetall mit Lockheed Martin an einer gemeinsamen Fertigung von ATACMS-Flugkörpern am Standort Unterlüss, wobei erste Umsätze aus dem Joint Venture erst 2028 erwartet werden.

Aktie bleibt volatil

An der Börse zeigt sich das Papier weiterhin schwankungsanfällig. Der Kurs notiert aktuell bei 1.196,80 Euro und damit rund 40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro aus dem Oktober.

Seit dem 52-Wochen-Tief im Juni hat sich die Aktie dagegen um 33 Prozent erholt, getragen von der Serie operativer Erfolgsmeldungen der vergangenen Wochen. Für Anleger bleibt der Dezember-Termin im Bundestag der entscheidende Fixpunkt, an dem sich zeigen wird, ob die operative Dynamik in einen nachhaltigen Kursaufschlag übersetzt wird.

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