Rheinmetall Aktie: Dänemark-Auftrag für MASS-System

Trotz Qualitätsmängeln und Verzögerungsvorwürfen bei zwei Rüstungsprojekten meldet Rheinmetall neue Großaufträge und technologische Erfolge. Die Aktie verliert dennoch.

Andreas Sommer ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Bundeswehr bemängelt Qualität und Verzögerungen
  • Rheinmetall weist Vorwürfe zurück
  • Neue Aufträge über 500 Millionen Euro
  • Aktie fällt um 1,5 Prozent

Rheinmetall steht am heutigen Freitag im Fokus einer internen Beschaffungskritik der Bundeswehr, während das Unternehmen zeitgleich neue militärtechnische Erfolge und Aufträge vermeldet.

Interne Berichte des Beschaffungsamtes BAAINBw bemängeln „unzureichende Reife und Qualität“ sowie Verzögerungen bei zwei zentralen Rüstungsprogrammen: dem Flugabwehrsystem „Skyranger 30“ und dem Schweren Waffenträger Infanterie auf Basis des Boxer-Fahrzeugs. Rheinmetall weist die Vorwürfe eines elfmonatigen Verzugs zurück und hält an der geplanten Auslieferung von 24 Fahrzeugen bis Ende 2026 fest.

Kritik trifft auf laufende Großprojekte

Die Berichte des Beschaffungsamtes werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, denen Rheinmetall bei der Umsetzung hochkomplexer Rüstungsprogramme gegenübersteht. Gerade der Schwere Waffenträger Infanterie gilt als strategisch wichtiges Programm für die Ausstattung der Bundeswehr.

Dass Rheinmetall dem Vorwurf der Verspätung widerspricht, deutet auf unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe zwischen Auftraggeber und Hersteller hin – ein Spannungsfeld, das bei komplexen Rüstungsgütern nicht ungewöhnlich ist.

Parallel dazu meldet Rheinmetall technologische Fortschritte: Im Rahmen der Luftwaffen-Übung „Timber Express 2026“ demonstrierte der Konzern gestern erfolgreich die Integration des Passivradars „Twinvis“ von Hensoldt in das eigene Führungssystem „Skymaster“. Solche Systemintegrationen sind für die künftige Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Luftverteidigung von Bedeutung.

Auftragslage bleibt robust

Trotz der Beschaffungskritik reißt der Auftragsfluss bei Rheinmetall nicht ab. Das Beschaffungsamt rief in der vergangenen Woche aus einem bestehenden Rahmenvertrag weitere 149 mobile Rettungsstationen bei der Tochtergesellschaft Rheinmetall Project Solutions ab. Der Auftragswert liegt bei über 500 Millionen Euro brutto, der Produktionsstart ist für das erste Quartal 2027 geplant.

Auch international sichert sich Rheinmetall neue Geschäfte: Dänemark erteilte dem Konzern einen Auftrag im zweistelligen Millionenbereich für die Lieferung des Schiffsschutzsystems „MASS“ inklusive einer Versorgungsvereinbarung über 21 Jahre. Solche langfristigen Servicekomponenten sichern wiederkehrende Umsätze über die reine Anfangsinvestition hinaus.

Kursreaktion und Bewertung

Die Aktie notiert aktuell bei 1.144,80 Euro und gibt am heutigen Handelstag um 1,5 Prozent nach. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 5,0 Prozent. Seit dem Jahresbeginn steht Rheinmetall mit 26 Prozent im Minus – ein deutliches Zeichen dafür, dass die anfängliche Euphorie um Verteidigungswerte einer nüchterneren Bewertung gewichen ist.

JPMorgan bestätigte am Donnerstag seine Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro und verwies auf mittelfristige Unsicherheiten beim erwarteten Auftragsbestand bis Jahresende.

Die Kombination aus Beschaffungskritik, soliden Neuaufträgen und verhaltener Analystensicht zeichnet ein Bild eines Unternehmens im Übergang: operativ auf Wachstumskurs, doch mit Reibungsflächen bei der Umsetzung komplexer Rüstungsprojekte, die Anleger im Blick behalten dürften.

Die nächste Quartalsmitteilung zum dritten Quartal ist für den 5. November angesetzt und dürfte weitere Aufschlüsse über die Entwicklung der kritisierten Programme liefern.

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Rheinmetall Aktie

1.152,00 EUR

– 10,00 EUR -0,86 %
KGV 44,28
KUV 4,76
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,97 %
Marktkapitalisierung 53,94 Mrd. EUR
Ø Kursziel 1.675,85 EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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