Rheinmetall Aktie: F126-Aus kostet 300 Millionen

Rheinmetall verliert Milliarden-Fregattenauftrag, kompensiert mit Aufträgen aus Marokko und der Ukraine. CEO Papperger steht unter Druck.

Dr. Robert Sasse ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Fregatten-Projekt F126 gestrichen
  • 300 Millionen Euro Einmalbelastung
  • Neue Aufträge aus Marokko und Ukraine
  • Skynex-System in der Kritik

Ein geplatztes Milliardenprojekt auf der einen Seite, neue Aufträge aus Marokko und der Ukraine auf der anderen. Rheinmetall beendet die Handelswoche mit einer gespaltenen Bilanz. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.097,00 Euro, ein Minus von 0,51 Prozent zum Vortag.

Fregattenprojekt F126: Teure Absage

Die Bundesregierung hat das Fregattenprogramm F126 im vergangenen Monat endgültig gestrichen. Ursprünglich sollte das Projekt 2020 vier Schiffe für 5,27 Milliarden Euro liefern. Später wuchs der Umfang auf sechs Einheiten für rund 10 Milliarden Euro an.

Rheinmetall-Chef Armin Papperger äußerte sich in einem am Samstag veröffentlichten Interview enttäuscht über das Aus. Seit Juni 2020 sind bereits rund 2 Milliarden Euro in das Vorhaben geflossen. Die Stornierung kostet den Konzern nun eine Einmalbelastung von bis zu 300 Millionen Euro.

Das Verteidigungsministerium setzt stattdessen auf acht Meko-200-Fregatten des Konkurrenten ThyssenKrupp Marine Systems. Für Rheinmetall bedeutet das: ein zentraler Baustein der Marinestrategie fällt komplett weg.

Neue Aufträge gleichen den Verlust teilweise aus

Während der Fregatten-Deal scheitert, füllt Rheinmetall die Auftragsbücher an anderer Stelle. Marokko bestellte im Juni sieben mobile Feldhospitäler im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Sechs Kliniken gehen an das Innenministerium, eine an die Streitkräfte. Die Auslieferung läuft 2027 und 2028.

Aus der Ukraine kam im zweiten Quartal ein Auftrag über 155-mm-Artilleriemunition und Treibladungen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die spanische Tochter Rheinmetall Expal Munitions produziert die Munition. Die Lieferungen sollen bis zum ersten Quartal 2027 abgeschlossen sein. Bis 2030 will der Konzern seine Kapazität auf jährlich 1,5 Millionen Artilleriegranaten ausbauen.

Skynex unter Beschuss, Papperger unter Druck

Medienberichte vom 2. bis 5. Juli thematisieren technische Probleme des Flugabwehrsystems Skynex in der Ukraine. Ein interner ukrainischer Militärbericht beschreibt einen Vorfall vom 1. April. Demnach zeigte das System eine geringere Trefferquote gegen Drohnen, mehrere Kampfmodule fielen mechanisch aus. Rheinmetall weist die Vorwürfe zurück und betont die Zuverlässigkeit des Systems.

Die Kombination aus geplatztem Fregatten-Deal, Skynex-Kritik und schwankendem Aktienkurs bringt CEO Papperger zunehmend in die Kritik von Analysten. Die Reputation des Managements steht auf dem Prüfstand.

Kursverlauf zeigt hohe Schwankungen

Der Kurs spiegelt die Unsicherheit deutlich wider. Binnen sieben Tagen legte die Aktie um 16,63 Prozent zu, auf Monatssicht steht dagegen ein Minus von 8,02 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf 31,50 Prozent, auf Zwölf-Monats-Sicht sind es sogar 35,47 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.995,00 Euro aus dem September 2025 trennen das Papier aktuell 45,01 Prozent. Vom Tief bei 902,50 Euro, erreicht Ende Juni 2026, hat sich die Aktie um 21,55 Prozent erholt. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.538,88 Euro, aktuell notiert die Aktie 28,71 Prozent darunter. Die annualisierte Volatilität von 69,10 Prozent zeigt: Ruhe kehrt an der Rheinmetall-Aktie derzeit nicht ein.

In der kommenden Woche dürfte sich zeigen, ob die Aufträge aus Marokko und der Ukraine den Ausfall des Fregatten-Geschäfts kompensieren können. Zusätzliches Potenzial bietet die Schweiz: Nach Drohnenüberflügen über kritische Infrastruktur plant die Schweizer Armee die Beschaffung von Flugabwehrsystemen im Volumen von 700 Millionen bis 1,3 Milliarden Franken. Rheinmetalls Skyranger-System gilt dabei als Option, eine Beschaffung wäre frühestens ab 2030 realistisch.

Anzeige

Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 5. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 5. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Rheinmetall Aktie

1.097,00 EUR

– 8,60 EUR -0,78 %
KGV 48,10
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,04 %
Marktkapitalisierung 50,89 Mrd. EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

Community Forum zu Rheinmetall

Ähnliche Artikel

Contitech, zweimal verkauft – und die eigentliche Rechnung kommt von den Kassen

Contitech, zweimal verkauft – und die eigentliche Rechnung kommt von den Kassen

Industrie ·
CrowdStrike Aktie: 1,94 Millionen Dollar Insider-Verkauf

CrowdStrike Aktie: 1,94 Millionen Dollar Insider-Verkauf

Cyber Security ·
Deutsche Telekom Aktie: Vorstand kauft 3.000 Aktien

Deutsche Telekom Aktie: Vorstand kauft 3.000 Aktien

Telekommunikation ·
Ocugen Aktie: OCU400 vor Zulassungseinreichung

Ocugen Aktie: OCU400 vor Zulassungseinreichung

Pharma & Biotech ·
Rheinmetall Aktie: F126-Aus kostet 300 Millionen

Rheinmetall Aktie: F126-Aus kostet 300 Millionen

Industrie ·

Weitere Artikel zu Rheinmetall

Alle Artikel anzeigen
Rheinmetall Aktie: PATH-System steuert Mondrover

Rheinmetall Aktie: PATH-System steuert Mondrover

Raumfahrt ·
Rheinmetall Aktie: Von 1.995 auf 902 Euro – dramatischer Absturz

Rheinmetall Aktie: Von 1.995 auf 902 Euro – dramatischer Absturz

Industrie ·
Rheinmetall Aktie: 60 Prozent Wachstum trotz F126-Aus

Rheinmetall Aktie: 60 Prozent Wachstum trotz F126-Aus

Industrie ·
Rheinmetall Aktie: Analysten werden vorsichtiger

Rheinmetall Aktie: Analysten werden vorsichtiger

Rüstung & Luftfahrt ·
Rheinmetall Aktie: 17,54 Prozent in sieben Tagen

Rheinmetall Aktie: 17,54 Prozent in sieben Tagen

IPOs ·