Rheinmetall Aktie: F126-Stornierung wirkt nach

Trotz mehrerer Kaufempfehlungen setzt sich der Abwärtstrend bei Rheinmetall fort. Analysten sehen Potenzial, der Markt reagiert verhalten.

Dr. Robert Sasse ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Jefferies bestätigt Kaufempfehlung trotz Kursrutsch
  • MWB Research senkt Einstufung auf Halten
  • F126-Stornierung belastet Aktie weiterhin
  • Operative Kennzahlen zeigen gegenläufige Entwicklung

Drei Rüstungswerte, drei Kaufempfehlungen an einem Tag – und trotzdem ging es weiter bergab. Bei Rheinmetall klafft die Lücke zwischen Analystenmeinung und Kursrealität inzwischen so weit auseinander wie selten zuvor.

Jefferies bleibt optimistisch, der Kurs bricht weiter ein

Am Freitag bestätigte Jefferies-Analystin Chloe Lemarie in einer Sektorstudie die Kaufempfehlungen für Rheinmetall, RENK und Hensoldt. Der Markt reagierte trotzdem mit Verkäufen. Rheinmetall schloss bei 993,00 Euro, ein Minus von 1,90 Prozent zum Vortag.

Jefferies selbst sieht weiter deutliches Potenzial. Das Kursziel liegt bei 1.300 Euro, spürbar unter dem Marktkonsens von 1.721 Euro, den 20 Analysten mit „Strong Buy“ stützen. Zwischen beiden Werten klafft eine auffällige Lücke.

Der Ausverkauf zieht sich trotz der positiven Analystenstimmen über Wochen hin.

Auf Sicht von sieben Tagen summiert sich der Rückgang auf 9,48 Prozent. Auf Monatssicht sind es knapp 17 Prozent. Damit fiel die Aktie erstmals seit Monaten unter die psychologisch wichtige 1.000-Euro-Marke.

Die Verluste ziehen sich über sämtliche Zeiträume.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie 38 Prozent verloren. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995 Euro fehlt inzwischen mehr als die Hälfte des Werts. Der RSI von 37 deutet auf eine überverkaufte Lage hin.

MWB Research kippt seine Kaufempfehlung

Noch vor Jefferies hatte das Analysehaus MWB Research seine Einstufung geändert. Die Analysten senkten Rheinmetall auf „Halten“ und strichen das Kursziel von 1.400 Euro deutlich zusammen.

Der Grund liegt im Portfolio. Der Bereich Landsysteme verliert an Bedeutung, seit der Nato-Gipfel den Fokus auf Marine, Luftverteidigung und Deep-Strike-Fähigkeiten gelegt hat. Bis 2030 soll der Panzerbereich nur noch rund 20 Prozent der operativen Ergebnis-Prognose ausmachen.

Die F126-Stornierung wirkt nach

Der eigentliche Auslöser des Kursrutsches liegt einige Wochen zurück. Ende Juni 2026 stornierte die Bundesregierung überraschend das Fregatten-Programm F126. Den Auftrag erhielt stattdessen Wettbewerber TKMS, acht Meko-A-200-Fregatten für rund 11,6 Milliarden Euro.

Goldman Sachs bringt seither eine zentrale Frage ins Spiel: Wie schnell kann Rheinmetall die verlorene Marine-Auftragslücke durch neue Bestellungen ausgleichen? Eine klare Antwort darauf hat der Markt noch nicht gefunden.

Operative Zahlen sprechen eine andere Sprache

Während der Kurs schwächelt, meldet Rheinmetall weiter neue Aufträge. Am 10. Juli bestellte Kuwait das Schiffsschutzsystem MASS für acht Marineschiffe. Anfang Juli sicherte sich der Konzern zudem einen Auftrag aus Marokko für mobile Feldkrankenhäuser.

Auch die Bilanz zeigt Stärke. Der Auftragsbestand erreichte im ersten Quartal 2026 einen Rekordwert von 73 Milliarden Euro. Erstmals ist darin die Sparte Naval Systems enthalten, mit einem Backlog von 5,5 Milliarden Euro.

Das operative Ergebnis wuchs im gleichen Zeitraum um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro.

Die operative Marge kletterte auf 11,6 Prozent, nach 10,6 Prozent im Vorjahr.

Für das laufende Jahr bestätigt der Vorstand seine Prognose: Umsatz zwischen 14 und 14,5 Milliarden Euro, bei einer operativen Marge von rund 19 Prozent.

Ausblick: Q2-Zahlen als nächster Test

Am 6. August 2026 legt Rheinmetall die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Marktkonsens liegt bei 7,10 Euro Gewinn je Aktie und 3,04 Milliarden Euro Umsatz.

Der Bericht dürfte zeigen, ob der Konzern nach dem Verlust des F126-Auftrags neue Auftragsklarheit liefert. Bestätigt oder erhöht das Management die Jahresprognose, könnte das die Lücke zwischen Kursziel und Handelsniveau zu schließen beginnen.

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Rheinmetall Aktie

993,00 EUR

– 17,40 EUR -1,72 %
KGV 43,76
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,13 %
Marktkapitalisierung 46,23 Mrd. EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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