Rheinmetall Aktie: GMF140 für US-Navy-Programm
Rheinmetall strebt nach dem F126-Verlust ein US-Marineprojekt an. Der Konzern senkt die Jahresprognose, meldet aber starke Quartalszahlen und einen vollen Auftragsbestand.

Kurz zusammengefasst
- Bewerbung um US-Fregattenprogramm
- Umsatzprognose für 2026 gesenkt
- Boxer-Panzer: 69 weitere bestellt
- Aktie erholt sich nach Kurssturz
Rheinmetall sucht nach dem Verlust eines deutschen Großauftrags einen neuen Absatzmarkt jenseits des Atlantiks. Der Konzern bewirbt sich laut Medienberichten mit der Fregatte GMF140 um ein Milliardenprogramm der US Navy, die ihr eigenes Fregatten-Vorhaben der Constellation-Klasse eingestellt hat.
Der Vorstoß folgt auf den Rückschlag beim deutschen F126-Projekt, das das Bundesverteidigungsministerium bereits Ende Juni gestoppt und stattdessen an den Wettbewerber TKMS mit dem Modell MEKO A-200 vergeben hatte.
Neues Standbein statt gestrichenem Auftrag
Die Bewerbung um den US-Auftrag zeigt, wie Rheinmetall auf den Wegfall des F126-Programms reagiert. Der Vorstand hatte die Streichung Anfang August in den Ausblick eingepreist und die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt, nach zuvor 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro.
Ein Engagement bei der US Navy würde diese Lücke perspektivisch schließen und Rheinmetall zusätzlichen Zugang zum amerikanischen Verteidigungsmarkt verschaffen.
Parallel dazu bleibt das operative Geschäft in Europa robust. Die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR erweiterte am Freitag vergangener Woche im Auftrag der Bundeswehr und der niederländischen Armee eine bestehende Bestellung um 69 zusätzliche Boxer-Radschützenpanzer, davon 35 für Deutschland und 34 für die Niederlande.
Die Fahrzeuge werden gemeinschaftlich von Rheinmetall und dem Partner KNDS gefertigt. Ergänzend lieferte der Konzern zuvor Waffenanlagen für die Radhaubitze RCH 155 an die britischen Streitkräfte im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, und die Bundeswehr rief über einen Rahmenvertrag weitere 56 schwere Sattelzugmaschinen des Typs Elefant 2 im Wert von rund 60,5 Millionen Euro brutto ab.
Kurs erholt sich nach Rückschlag
An der Börse hat sich die Aktie nach dem Kurssturz infolge der F126-Stornierung stabilisiert. Am Mittwoch schloss das Papier bei 1.175,00 Euro, ein Plus von 2,9 Prozent gegenüber dem Vortag.
Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Anstieg von 21 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt die Aktie jedoch weiterhin 24 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober, trennen das Papier noch 41 Prozent.
Die zugrundeliegenden Geschäftszahlen liefern den Gegenpol zum verlorenen Fregattenauftrag: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 69 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verdoppelte sich auf 562 Millionen Euro bei einer operativen Marge von 17,1 Prozent.
Der Auftragsbestand kletterte auf 80,5 Milliarden Euro. Diese Dynamik hatte auch die kanadische Bank RBC bewogen, die Coverage für Rheinmetall Anfang der Woche mit einer Einstufung als „Outperform“ und einem Kursziel von 1.600 Euro aufzunehmen; begründet wurde dies mit einer erwarteten EBITA-Wachstumsrate von 35 Prozent bis 2030.
Ausblick
Ob sich die US-Bewerbung materialisiert, dürfte sich erst über Monate zeigen – die Constellation-Nachfolge der US Navy ist ein Verfahren mit mehreren Bewerbern. Für Anleger bleibt der 5. November als nächster konkreter Termin im Blick: Dann veröffentlicht Rheinmetall die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026, die zeigen dürfte, ob der Boxer-Nachschub und weitere Landsysteme-Aufträge den Ausfall des Fregattengeschäfts kompensieren können.
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