Rheinmetall Aktie: Halbjahr +74 Prozent trotz F126-Aus

Rheinmetall übertrifft operative Erwartungen, senkt aber wegen des F126-Stopps die Jahresprognose. Analysten reagieren gespalten auf die neuen Ziele.

Dr. Robert Sasse ·
Abstrakte Darstellung moderner Verteidigungstechnologie in einer industriellen Umgebung mit kühler, dramatischer Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzplus von 39 Prozent im Halbjahr
  • F126-Stopp führt zu Prognosesenkung
  • Goldman Sachs bestätigt Kaufempfehlung
  • Neue Fregatte für NATO-Partner vorgestellt

Rheinmetall hat gestern ein Halbjahr vorgelegt, das operativ deutlich über den eigenen Erwartungen liegt – und musste dennoch die Jahresprognose kappen. Der Grund liegt im Marinegeschäft: Die Bundesregierung hat das milliardenschwere F126-Fregattenprogramm gestoppt, und der Konzern rechnet dadurch mit einer Umsatzminderung von bis zu 300 Millionen Euro allein in diesem Jahr.

Halbjahreszahlen übertreffen Erwartungen

Der Konzernumsatz kletterte im ersten Halbjahr um 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, nach 3,7 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das operative Konzernergebnis legte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro zu, die operative Marge verbesserte sich auf 15,0 Prozent. Bereits die vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal hatten am 29. Juli für Aufsehen gesorgt: Der Umsatz stieg um 69 Prozent auf rund 3,29 Milliarden Euro, das operative Ergebnis erreichte 562 Millionen Euro und übertraf die Markterwartung von rund 470 Millionen Euro deutlich.

Trotz dieser Dynamik senkte der Konzern gestern seine Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, nachdem zuvor 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Zugleich passte das Management laut Reuters seine mittelfristigen Ziele an: Der Auftragsbestand soll künftig „über 100 Milliarden Euro“ erreichen, eine Konkretisierung der bisherigen Zielmarke von rund 135 Milliarden Euro. Die Investitionsquote soll von 16 Prozent auf 8 bis 9 Prozent des Umsatzes sinken.

Ein Wert sorgt für zusätzliche Diskussion: Der operative Free Cashflow rutschte im ersten Halbjahr auf minus 1,616 Milliarden Euro. Rheinmetall begründet das mit einem massiven Vorratsaufbau für anstehende Auslieferungen sowie hoher Investitionstätigkeit.

Analysten zwischen Kaufempfehlung und Skepsis

Die Reaktionen der Analysten fallen gespalten aus. Goldman Sachs bestätigte heute die Kaufempfehlung für die Aktie und beließ das Kursziel bei 2.300 Euro. Die operativen Halbjahreszahlen seien trotz der Prognoseanpassung stark, so die Einschätzung des Hauses.

JPMorgan sieht das deutlich zurückhaltender. Analyst David Perry beließ die Einstufung gestern auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro, wie Bloomberg berichtet. Er sieht Klärungsbedarf hinsichtlich der Wachstumsdynamik in den Jahren 2027 und 2028, nachdem der milliardenschwere Fregatten-Großauftrag weggefallen ist. Am 29. Juli hatte bereits ein weiteres Analysehaus das Kursziel nach Auswertung der vorläufigen Quartalszahlen von 1.700 auf 1.900 Euro angehoben und die Einstufung „Outperform“ bestätigt.

Marinegeschäft unter Druck, neue Perspektiven im Ausland

Das Aus für das F126-Programm hat Folgen über die reine Umsatzzahl hinaus. Die geplante Übernahme der Werft German Naval Yards Kiel steht laut Unternehmensangaben nun unter Vorbehalt und wird intern neu bewertet, wie Table.Briefings berichtet.

Zugleich sucht Rheinmetall im Marinesegment nach neuen Absatzmärkten. Am Montag stellte der Konzern das neue Fregatten-Design „GMF 140″ vor, ein Kampfschiff mit über 6.000 Tonnen Verdrängung, das laut Fachmedium Janes primär für Beschaffungsprogramme in Nordamerika und bei NATO-Partnern angeboten werden soll. Auf der anderen Seite wächst das US-Geschäft: Die Tochtergesellschaft American Rheinmetall erhielt am 31. Juli im Rahmen des „Project Sustainment“ einen Auftrag der US-Armee zur Lieferung und Erprobung unbemannter Bodenfahrzeuge der nächsten Generation.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse fiel die Reaktion auf die Nachrichtenlage bislang moderat aus. Die Aktie notiert aktuell bei 1.147,20 Euro und gibt damit 0,24 Prozent nach. Zum 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober 2025 klafft weiterhin eine Lücke von 42,84 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Wachstumsdynamik des Konzerns trotz starker Halbjahreszahlen vorsichtig einpreist. Anleger dürften den Blick nun auf den DZ Bank Expert Day am 27. August richten, wenn Rheinmetall weitere Einblicke in die Geschäftsentwicklung geben will.

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