Rheinmetall Aktie: Jetzt auch Kriegsschiffe

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat die Werftengruppe Naval Vessels Lürssen übernommen und wird damit zum Komplettanbieter für Kriegsschiffe. Das Unternehmen peilt bis 2030 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro in der neuen Sparte an.

Felix Baarz ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Strategische Übernahme der Marinefirma NVL abgeschlossen
  • Ausbau zum Komplettanbieter für Kriegsschiffe geplant
  • Umsatz von fünf Milliarden Euro bis 2030 angestrebt
  • Expansion in internationale Märkte wie die USA geplant

Während am Montag die Kurse europäischer Rüstungstitel nach den militärischen Spannungen im Nahen Osten zulegen konnten, verlief der Handelsstart bei Rheinmetall durchwachsen. Die Aktie startete zwar mit deutlichen Gewinnen, drehte dann aber ins Minus. Der Grund: Die Iran-Eskalation befeuert vor allem Titel mit Schwerpunkt auf Raketenabwehr – und genau da ist Rheinmetall nur Zulieferer. Das könnte sich nun ändern.

Der DAX-Konzern hat am Montag den Vollzug der Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL) gemeldet. Alle kartellrechtlichen Freigaben sind erteilt, der Firmenübergang erfolgte bereits zum 1. März. Damit erweitert der Panzer- und Munitionshersteller sein Portfolio um ein komplettes Marinegeschäft mit vier Werften und 2.100 Beschäftigten.

Vom Zulieferer zum Komplettanbieter

Mit dem Kauf der Bremer Marinefirma von der Werftengruppe Lürssen vollzieht Rheinmetall einen strategischen Schwenk. Bislang lieferte der Konzern nur Waffensysteme und Elektronik für Kriegsschiffe – künftig kann er Fregatten, Korvetten, Patrouillenboote und Minenräumer komplett ausstatten und verkaufen. NVL bringt Standorte in Bremen, Wilhelmshaven, Hamburg und Wolgast sowie einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro mit rund zehn Prozent operativer Marge mit.

Konzernchef Armin Papperger will die neue Marinesparte aggressiv ausbauen. Bis 2030 peilt er einen jährlichen Umsatz von fünf Milliarden Euro an – das entspricht einem Wachstum von etwa 30 Prozent pro Jahr. Drei Milliarden sollen aus Deutschland kommen, zwei Milliarden aus dem Ausland, vor allem aus Italien, Griechenland und der Türkei.

Neue Märkte im Visier

Rheinmetall wittert besonders in den USA gute Geschäfte, da dort die Werftkapazitäten knapp sind. Auch Indonesien, Singapur und Neuseeland stehen auf der Kundenliste. Die Strategie passt perfekt in die Zeit: Die NATO-Staaten erhöhen ihre Verteidigungsbudgets massiv, und in Deutschland sind die Ausgaben weitgehend von der Schuldenbremse ausgenommen.

Ein Branchenkenner sieht die thyssenkrupp-Tochter TKMS als Verlierer der Transaktion. Mehrfach wurde in der Vergangenheit versucht, eine Zusammenarbeit zwischen Lürssen und TKMS herbeizuführen. Nun hat ausgerechnet Rheinmetall zugegriffen – ein Konzern, der bisher gar keine eigene Werft besaß. Papperger selbst betonte, dass Konkurrenten wie TKMS, BAE Maritime oder die französische Naval Group weniger profitabel wirtschaften.

Mit dem Schritt positioniert sich Rheinmetall als „Domäne-übergreifendes Systemhaus“ zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum. Die eigene Schiffskompetenz erleichtert zudem die Entwicklung von Waffen für die hohe See – ein Vorteil, den die Konkurrenz nicht hat.

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Rheinmetall Aktie

946,60 EUR

– 0,20 EUR -0,02 %
KGV 41,62
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,21 %
Marktkapitalisierung 44,03 Mrd. EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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