Rheinmetall Aktie: KNDS wartet auf uns
KNDS stellt den Börsengang wegen der schwachen Rüstungswerte infrage, während Rheinmetall seine internationale Präsenz weiter ausbaut.

Kurz zusammengefasst
- KNDS erwägt späteren Börsenstart
- Mindestbewertung von 12,5 Milliarden Euro
- Rheinmetall als möglicher KNDS-Käufer
- Neue Fahrzeugmodelle für Großbritannien
Ein Konkurrent nimmt Rheinmetall jetzt offiziell zum Maßstab – und das nicht schmeichelhaft. Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS erwägt, seinen Börsengang über 2026 hinaus zu verschieben. Der Grund laut beratenden Banken: die schleppende Kursentwicklung von Rüstungswerten wie Rheinmetall mache den Zeitpunkt gerade unattraktiv.
Bewertungsstreit blockiert den KNDS-Börsengang
Die Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens wollen den Leopard-Hersteller nicht unter einer Bewertung von 12,5 Milliarden Euro an die Börse bringen. Institutionelle Investoren sind derzeit aber nicht bereit, diesen Preis zu zahlen. Noch im Juni war sogar eine Bewertung von 15 bis 18 Milliarden Euro im Gespräch gewesen – die Ambitionen sind seither deutlich gesunken.
Der deutsche Staat, der im Zuge eines möglichen IPO 40 Prozent der Anteile übernehmen sollte, könnte diese auch ohne Börsengang erwerben – für 6 Milliarden Euro. Das würde eine Gesamtbewertung von KNDS von 15 Milliarden Euro implizieren, rund ein Viertel mehr, als am Markt derzeit erzielbar wäre.
Die Eigentümerfamilien zeigen sich gelassen und sprechen von „aller Zeit der Welt“ für einen Börsengang. Sollte der Bund kein Interesse zeigen, werden auch andere Käufer genannt – darunter ausdrücklich Rheinmetall selbst, neben Leonardo, der Czechoslovak Group und Finanzinvestoren wie KKR oder Carlyle.
Rheinmetall baut derweil im Hintergrund aus
Während KNDS mit der eigenen Bewertung hadert, treibt Rheinmetall sein internationales Geschäft voran. In Großbritannien vertieft die Tochter Rheinmetall UK mit Mercedes-Benz UK die Fahrzeugkooperation „Team Wolf“ für das britische „Land Mobility Programme“ – inklusive zwei neuer Fahrzeugmodelle und einem angepeilten britischen Wertschöpfungsanteil von bis zu 50 Prozent. In Kanada erfolgte parallel der Spatenstich für den Ausbau des Werks in Québec, das künftig autonome Bodensysteme fertigen soll.
Beide Ankündigungen enthalten keinen konkreten neuen Großauftrag mit bezifferten Vertragswerten. Sie zeigen aber, in welche Richtung sich das Geschäftsmodell entwickelt: weg vom reinen Produktverkauf, hin zur lokalen Verankerung in den Verteidigungsbudgets wichtiger Partnerländer.
Die aktuelle Situation wirft ein interessantes Licht auf die Marktstellung des Düsseldorfer Konzerns. Ausgerechnet die eigene, von Analysten als schleppend beschriebene Kursentwicklung dient nun als Referenzpunkt dafür, warum ein Wettbewerber seinen Börsengang aufschiebt.
Ob aus der Team-Wolf-Kooperation ein konkreter Auftrag im Rahmen des britischen Land Mobility Programme wird, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen – dann würden Stückzahlen und Vertragswert Klarheit über den tatsächlichen finanziellen Hebel schaffen.
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