Rheinmetall Aktie: Putin-Einladung schickt Kurs unter 1.000 Euro
Der Kurs gab am Donnerstag nach, während ein neuer Munitionsauftrag und ein Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro die operative Stärke zeigen.

Kurz zusammengefasst
- Aktie zeitweise unter 990 Euro
- Rückgang um rund 3,8 Prozent
- Munitionsauftrag im niedrigen dreistelligen Millionenbereich
- Auftragsbestand über 80 Milliarden Euro
Ein Satz aus New York reicht, um die Rüstungsbranche wieder zu verunsichern. US-Außenminister Marco Rubio verkündete am Mittwoch, Wladimir Putin sei zum G20-Gipfel im Dezember nach Miami eingeladen worden. Für Rheinmetall bedeutete das am Donnerstag einen Rutsch unter die psychologisch wichtige 1.000-Euro-Marke.
Die Aktie verlor im Handelsverlauf rund 3,8 Prozent und fiel zeitweise auf unter 990 Euro. Ein direkter Kausalzusammenhang zwischen der Putin-Einladung und den Kursverlusten lässt sich nicht belegen — die Branche reagiert aber seit Monaten empfindlich auf jedes Signal einer möglichen US-Russland-Annäherung.
Auch Renk und Hensoldt gaben im MDax jeweils mehr als vier Prozent ab, europäische Werte wie BAE Systems, Thales und Leonardo zogen der Bewegung nach.
Alte Wunden, neue Zweifel
Der Rückschlag trifft Rheinmetall in einer ohnehin angespannten Phase. Im August hatte der Konzern seine Jahresprognose gesenkt, nachdem das Fregattenprogramm F126 gestoppt wurde — ein Vorhaben mit einem Volumen von 12,80 Milliarden Euro, bei dem bereits rund 2,30 Milliarden Euro investiert waren. Deutschland wechselte stattdessen zu Fregatten von thyssenkrupp Marine Systems.
JPMorgan hatte die Aktie im September zusätzlich auf eine sogenannte Negative Catalyst Watch gesetzt und Bedenken zur künftigen Umsatzstruktur geäußert: Neue Geschäftsfelder wie Drohnen oder Raumfahrt laufen teils über Gemeinschaftsunternehmen mit geringeren Margen als das klassische Kerngeschäft.
MWB-Analyst Jens-Peter Rieck bestätigte sein „Hold“-Votum und verwies darauf, dass die hohen Auftragseingänge bereits eingepreist seien — nun zähle, wie schnell sie sich in Umsatz übersetzen.
Positiv wertete Jefferies-Analystin Chloe Lemarie dagegen Aussagen von Verteidigungsminister Boris Pistorius, der Kritik an zu hohen Ausgaben für klassische Rüstungstechnologie zurückgewiesen hatte. Für sie ein ermutigendes Signal, dass die Portfolios der deutschen Konzerne weiter gefragt bleiben.
Auftragslage bleibt robust
Operativ liefert Rheinmetall weiter Substanz. Erst am Mittwoch meldete der Konzern einen weiteren Großauftrag über Artilleriemunition — eine fünfstellige Anzahl an 155-mm-Geschossen für einen internationalen Kunden, Volumen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Das rekordhohe Orderbuch von über 80 Milliarden Euro wächst damit weiter. Bis 2030 will Rheinmetall seine Jahreskapazität auf rund 1,5 Millionen Artilleriegeschosse steigern.
Der Auftrag hatte die Aktie am Mittwoch noch um 3,4 Prozent auf über 1.000 Euro getrieben — der Rücksetzer vom Donnerstag zeigt aber, wie schnell operative Erfolge von geopolitischen Schlagzeilen überlagert werden.
Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die UN-Generalversammlung in New York und ein mögliches Treffen zwischen Trump und Xi Jinping, bei dem auch der Ukraine-Krieg Thema sein dürfte. Konkrete neue Impulse für die Aktie erwarten Marktbeobachter frühestens vom Kapitalmarkttag im November.
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