Rheinmetall Aktie: Rekord-Auftragsbestand von 125 Milliarden

Rheinmetall baut das Marinegeschäft trotz gestopptem F126-Projekt aus. Der Auftragsbestand wächst, während die Aktie binnen sieben Tagen nachgibt.

Andreas Sommer ·

Kurz zusammengefasst

  • Marine-Auftragsbestand über 125 Milliarden Euro
  • F126-Projekt nach Milliardenaufwand gestoppt
  • Weitere Werftkäufe bei Rheinmetall geplant
  • Aktie verliert binnen sieben Tagen 7,1 Prozent

Rheinmetall treibt sein Marinegeschäft trotz eines gestoppten Großprojekts weiter voran. Der Konzern erwartet zusammen mit der Tochter TKMS einen kombinierten Auftragsbestand von mehr als 125 Milliarden Euro – über 100 Milliarden Euro allein bei Rheinmetall, mehr als 25 Milliarden Euro bei TKMS. Darin enthalten ist ein Fregattenauftrag über 6,3 Milliarden Euro für vier Schiffe des Typs MEKO A-200 für die deutsche Marine.

Der Rekordbestand steht in auffälligem Kontrast zu einem Rückschlag, der die Belegschaft an der Peene-Werft in Wolgast derzeit beschäftigt. Das ursprünglich vorgesehene F126-Fregattenprogramm wurde im Juni gestoppt, nachdem der Partner Damen Schelde an Zeit- und Finanzierungsproblemen gescheitert war.

Bereits 2,4 Milliarden Euro sind in das Projekt geflossen, ohne dass ein Schiff entstanden ist. Als Ersatz soll nun die MEKO-A-200-Plattform von TKMS dienen – zu Kosten von rund 1,6 Milliarden Euro pro Schiff, deutlich mehr als die ursprünglich veranschlagte 1 Milliarde Euro.

An der Peene-Werft, die als Rheinmetall-Eigentum zum Konzern gehört, bangen rund 400 Beschäftigte – zeitweise bis zu 800 im Tagesbetrieb – um Anschlussaufträge. Der Konzern signalisiert, die dortigen Kapazitäten für andere Marineprogramme nutzen zu wollen.

Expansionskurs im Marinesegment

Der Rückschlag bei der einen Werft hält Rheinmetall nicht von weiteren Zukäufen im Marinebereich ab. Nach der jüngst abgeschlossenen Übernahme des Werftunternehmens Lürssen plant der Konzern nach eigenen Angaben zusätzliche Akquisitionen in diesem Segment.

Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einem möglichen Auftragseingang von bis zu 80 Milliarden Euro, unter anderem getrieben vom Boxer-Schützenpanzerprogramm mit einem Volumen von 37,7 Milliarden Euro sowie den Fregattenprogrammen F126 und F127 mit zusammen 12 bis 13 Milliarden Euro.

Auch im nordamerikanischen Geschäft liefert die Tochter American Rheinmetall Nachschub für laufende Programme: Ein Auftrag von Kongsberg Defence & Aerospace über rund 710.000 Dollar betrifft bearbeitete Komponenten für den MCT-30-Turm, der im ACV-30-Fahrzeug des US Marine Corps zum Einsatz kommt.

Die Fertigung erfolgt in Michigan, die Lieferung ist für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen. Parallel liefert Rheinmetall Canada Ersatzteile für Luftstartgeräte des Typs MSU-200NAV an die US Navy, ein Auftrag im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich mit Lieferzeitraum bis 2028.

Kurs bleibt unter Druck

Für Anleger bleibt die Diskrepanz zwischen operativer Auftragsdynamik und Kursverlauf bemerkenswert. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.036,00 Euro und büßte damit binnen sieben Handelstagen 7,1 Prozent ein.

Seit der Prognosesenkung vor rund einem Monat hat das Papier fast zehn Prozent verloren – ein Umstand, der angesichts der milliardenschweren neuen Auftragslage im Marinesegment zunehmend als Bewertungsfrage erscheint, nicht als Zweifel an der grundsätzlichen Geschäftsentwicklung.

Der Widerspruch zwischen Rekordauftragsbestand und schwächelndem Kurs dürfte die Debatte unter Investoren in den kommenden Wochen prägen. Während die operativen Zahlen für ungebrochene Nachfrage nach Rüstungsgütern sprechen, belasten Verzögerungen wie beim F126-Projekt das Vertrauen in die termingerechte Umsetzung der prallen Auftragsbücher.

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KUV 4,38
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,07 %
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ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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