Rheinmetall Aktie: TKMS erhält F126-Auftrag

Rheinmetall weist Kritik an Verzögerungen bei Rüstungsprojekten zurück. Der Aktienkurs leidet unter Prognosesenkung und Fregatten-Auftragsverlust.

Andreas Sommer ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Bundeswehr kritisiert Lieferverzögerungen
  • Rheinmetall widerspricht Vorwürfen
  • Umsatzprognose nach Fregatten-Verlust gesenkt
  • Neue Aufträge und Übernahme gemeldet

Rheinmetall gerät erneut wegen seiner Rüstungsprojekte für die Bundeswehr in die Schlagzeilen. Medienberichten zufolge sollen beim Flugabwehrsystem „Skyranger 30“ und beim „Schweren Waffenträger Infanterie“ (Boxer) Verzögerungen von mindestens elf Monaten sowie Qualitätsmängel aufgetreten sein – das Beschaffungsamt BAAINBw soll deutliche Kritik geäußert haben.

Rheinmetall widerspricht dieser Darstellung ausdrücklich und hält an seinem Plan fest, bis Ende 2026 insgesamt 24 Fahrzeuge des Schweren Waffenträgers Infanterie auszuliefern.

Der Konflikt um Termintreue trifft den Konzern zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie ohnehin unter Druck steht. Am Freitag schloss das Papier bei 1.156,40 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent auf Tagesbasis.

Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Rückgang von 4,0 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus auf 26 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober 2025, trennen den Titel inzwischen 42 Prozent.

Prognosesenkung durch verlorenen Fregattenauftrag

Der Kursverfall der vergangenen Monate hat einen konkreten Auslöser: Anfang August strich Rheinmetall die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 um 300 Millionen Euro auf rund 13,7 Milliarden Euro zusammen.

Grund war die Entscheidung des Verteidigungsministeriums, das milliardenschwere Fregattenprojekt F126 an den Wettbewerber TKMS zu vergeben statt an Rheinmetall. Das operative Margenziel von rund 19 Prozent bleibt trotz der Kürzung bestehen – ein Signal, dass der Konzern die Profitabilität des laufenden Geschäfts nicht gefährdet sieht.

Diese Prognosesenkung passt zu einem Muster: Rheinmetall wächst operativ weiter kräftig, wird aber wiederholt von Auftragsentscheidungen und Lieferkritik der öffentlichen Hand ausgebremst.

Die Quartalszahlen von Anfang August zeigten das Wachstumstempo deutlich – der Umsatz legte um 69,8 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis kletterte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro. Der Auftragsbestand wuchs auf 80,4 Milliarden Euro, ein Polster, das die langfristige Visibilität stützt, kurzfristige Terminstreitigkeiten aber nicht ausräumt.

Neue Aufträge und Übernahme als Gegengewicht

Operativ liefert Rheinmetall weiterhin Nachrichten, die die Wachstumsstory untermauern. Am Montag meldete der Konzern den Abruf von 149 weiteren mobilen Rettungsstationen aus einem bestehenden Rahmenvertrag mit der Bundeswehr, das Auftragsvolumen liegt bei über 500 Millionen Euro brutto.

Dänemark orderte zudem MASS-Täuschkörperwerfer und Omnitrap-ER-Systeme im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, die Auslieferung ist ab dem vierten Quartal 2027 geplant.

Parallel treibt Rheinmetall die Expansion in der militärischen Robotik voran: Die Mehrheitsübernahme des kroatischen Spezialisten DOK-ING wurde abgeschlossen, mit ihm formiert der Konzern die neue Einheit „Rheinmetall Unmanned Vehicles“.

Im Rahmen der Luftwaffen-Übung „Timber Express 2026“ demonstrierte Rheinmetall zudem gemeinsam mit Hensoldt erfolgreich die Integration des Passivradars „Twinvis“ in das eigene Flugabwehr-Führungssystem „Skymaster“ – ein technologischer Baustein, der die Position im Bereich Luftverteidigung stärken soll.

Analysten uneins über weiteren Kursverlauf

Die Einschätzungen der Analysten fallen derzeit gegensätzlich aus. RBC nahm die Coverage am 11. August mit „Outperform“ und einem Kursziel von 1.600 Euro auf und begründete dies mit der starken Positionierung bei der europäischen Aufrüstung sowie hohem Cashflow-Potenzial. Deutlich skeptischer positionierte sich mwb research, das die Aktie am 8. August von „Halten“ auf „Verkaufen“ herabstufte und das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro senkte.

Diese Spannbreite spiegelt die aktuelle Unsicherheit wider: Auf der einen Seite stehen Rekordauftragsbestand und zweistelliges Wachstum, auf der anderen wiederkehrende Lieferkritik und der Verlust politisch vergebener Großaufträge.

Mit dem 50-Tage-Durchschnitt bei 1.094,74 Euro notiert die Aktie zwar über ihrem kurzfristigen Trend, der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.429,58 Euro liegt jedoch weiterhin deutlich im negativen Bereich. Am 27. August tritt der Konzern beim DZ Bank Expert Day auf, am 1. September folgt das Berenberg Stockholm Seminar – beide Termine dürften weitere Signale zur Auftragslage liefern.

Anzeige

Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 22. August liefert die Antwort:

Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Rheinmetall Aktie

1.155,40 EUR

– 6,80 EUR -0,59 %
KGV 44,28
KUV 4,76
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,97 %
Marktkapitalisierung 53,94 Mrd. EUR
Ø Kursziel 1.675,85 EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

Community Forum zu Rheinmetall

Ähnliche Artikel

Infineon Aktie: Berenberg sieht 100 Euro

Infineon Aktie: Berenberg sieht 100 Euro

Halbleiter ·
Nebius Aktie: 5-Milliarden-Dollar-Wandelanleihe aufgestockt

Nebius Aktie: 5-Milliarden-Dollar-Wandelanleihe aufgestockt

KI & Quantencomputing ·
Micron: 10 Milliarden für Forschungslabor in Boise

Micron: 10 Milliarden für Forschungslabor in Boise

KI & Quantencomputing ·
Fresenius: 7,8 Millionen FMC-Aktien verkauft

Fresenius: 7,8 Millionen FMC-Aktien verkauft

Pharma & Biotech ·
ASML: Iran-Krise verzögert US-Exportverbot

ASML: Iran-Krise verzögert US-Exportverbot

Halbleiter ·

Weitere Artikel zu Rheinmetall

Alle Artikel anzeigen
Rheinmetall zwischen Auftragsflut und Prognoserisiko: Wie geht es 2027 weiter?

Rheinmetall zwischen Auftragsflut und Prognoserisiko: Wie geht es 2027 weiter?

Rüstung & Luftfahrt ·
Lieferverzug bei Rheinmetall, Übernahmefieber bei Kraken Robotics

Lieferverzug bei Rheinmetall, Übernahmefieber bei Kraken Robotics

Rüstung & Luftfahrt ·
Rheinmetall Aktie: Dänemark-Auftrag für MASS-System

Rheinmetall Aktie: Dänemark-Auftrag für MASS-System

Industrie ·
Wie Rüstung und Öl der deutschen Industrieflaute trotzen

Wie Rüstung und Öl der deutschen Industrieflaute trotzen

Industrie ·
Rheinmetall Aktie: Twinvis vollständig in Skymaster integriert

Rheinmetall Aktie: Twinvis vollständig in Skymaster integriert

Rüstung & Luftfahrt ·