Rheinmetall Aktie: Unter 1.000 Euro nach 36% Jahresverlust

Rheinmetall meldet ein starkes zweites Quartal, doch negativer Free Cashflow und das F126-Aus belasten die Bewertung der Aktie weiter.

Felix Baarz ·
Abstrakte Darstellung einer industriellen Szenerie in düsterem Licht zur Symbolisierung wirtschaftlicher Volatilität. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aktie sinkt erstmals unter 1.000 Euro
  • Umsatz wächst im zweiten Quartal
  • Auftragsbestand übersteigt 80 Milliarden Euro
  • Arminius-Entscheidung steht im Dezember an

Rheinmetall kommt nicht zur Ruhe. Die Aktie des Rüstungskonzerns fällt am heutigen Freitag um 2,1 Prozent auf 992,00 Euro und rutscht damit erstmals seit Monaten wieder unter die runde Marke von 1.000 Euro. Ein konkretes Ereignis, das den Rückgang auslöst, ist nicht erkennbar – die Bewegung reiht sich in einen seit Wochen anhaltenden Abwärtstrend ein, der seit Jahresbeginn ein Minus von 36 Prozent bedeutet.

Der fehlende Nachrichtenanlass für den heutigen Tag lässt Anleger auf die fundamentale Lage zurückblicken. Und die zeigt ein zwiespältiges Bild: Operativ liefert Rheinmetall, doch die Reaktion der Börse fällt zunehmend nüchtern aus.

Rekordquartal, aber Cashflow-Sorgen bremsen die Euphorie

Anfang August hatte Rheinmetall seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt. Der Umsatz kletterte um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro und übertraf damit die eigene Prognose von mehr als 60 Prozent Wachstum deutlich. Das operative Ergebnis erreichte 562 Millionen Euro und lag damit rund 20 Prozent über dem Konsens von 469,9 Millionen Euro. Der Auftragsbestand stieg auf mehr als 80 Milliarden Euro.

Am Tag der Ad-hoc-Meldung Ende Juli hatte die Aktie noch mit einem Kurssprung von 7,42 Prozent reagiert. Doch am Tag der eigentlichen Zahlenveröffentlichung Anfang August folgte die Ernüchterung: Der Kurs brach um 8,5 Prozent ein, weil das Unternehmen die Jahresprognose senkte und einen deutlich negativen operativen Free Cashflow in Aussicht stellte. Dieser Bruch zwischen Rekordumsatz und schwacher Cashflow-Entwicklung prägt seither die Wahrnehmung der Aktie an der Börse.

Auftragslage bleibt robust, Programme geraten dennoch unter Druck

Operativ kann sich Rheinmetall auf eine breite Auftragsbasis stützen. Anfang Juni sicherte sich der Konzern in Rumänien ein Paket im Volumen von 5,7 Milliarden Euro für Gefechtsfahrzeuge, Flugabwehrsysteme, Munition und Marineschiffe – nach eigenen Angaben das größte internationale Auftragspaket der jüngeren Unternehmensgeschichte. Hinzu kommen kleinere, aber strategisch relevante Aufträge wie eine Bestellung der US-Marine über Rheinmetall Canada für Ersatzkomponenten mobiler Flugzeugstartgeräte sowie ein Turret-Auftrag von Kongsberg Defence and Aerospace für American Rheinmetall.

Auf der anderen Seite steht ein herber Rückschlag: Am 24. Juni hatte Deutschland das F126-Fregatten-Programm im Volumen von 12,8 Milliarden Euro abgebrochen, von dem bereits rund 2,3 Milliarden Euro ausgegeben worden waren.

Die Bundeswehr wechselt stattdessen zu acht kleineren MEKO-A-200-Fregatten von ThyssenKrupp Marine Systems. Rheinmetall war für das ursprüngliche Programm als federführender Auftragnehmer vorgesehen, entsprechend belastete der Abbruch die Auftragserwartungen für das zweite Quartal.

Der Dezember-Termin als nächster Prüfstein

Für Anleger rückt nun ein Termin Anfang Dezember in den Fokus: die parlamentarische Behandlung des Arminius-Projekts, einer Großbestellung von Boxer-Radfahrzeugen für die Bundeswehr.

Der Fixvertrag umfasst nach bisherigem Stand rund 14,4 bis 14,5 Milliarden Euro für Fahrzeuge und einen Servicevertrag, zwei Optionen könnten den Rahmen auf bis zu 26 Milliarden Euro heben. Eine Vertragsunterzeichnung wird 5 bis 10 Tage nach dem Parlamentsbeschluss erwartet.

Bereits zuvor, Anfang November, veröffentlicht Rheinmetall die Zahlen zum dritten Quartal. Diese dürften zeigen, ob sich der negative Free Cashflow aus dem zweiten Quartal fortsetzt oder ob sich das Bild stabilisiert. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen starker operativer Auftragslage und Sorgen um die Kapitalallokation gefangen – ein Spannungsfeld, das die Kursschwankungen der vergangenen Wochen erklärt.

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Rheinmetall Aktie

1.024,60 EUR

+ 8,20 EUR +0,81 %
KGV 38,87
KUV 4,38
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,10 %
Marktkapitalisierung 47,76 Mrd. EUR
Ø Kursziel 1.669,86 EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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