Rheinmetall Aktie: Unter 1.000 Euro nach JPMorgan-Warnung
JPMorgan sieht Risiken durch einen veränderten Umsatzmix bei Rheinmetall, während ein neuer US-Auftrag und offene Plattform-Schnittstellen stützen.

Kurz zusammengefasst
- JPMorgan setzt Rheinmetall auf Warnliste
- Aktie rutscht zeitweise auf 989 Euro
- US-Tochter erhält Auftrag über 7,28 Millionen Dollar
- Battlesuite-Schnittstellen erstmals als Open Source
Rheinmetall ist am Donnerstag erstmals seit Juli unter die Marke von 1.000 Euro gerutscht. Auslöser war eine Einstufung von JPMorgan, die den Rüstungskonzern auf die sogenannte „Negative Catalyst Watch“ setzte.
Die fundamentale Bewertung bleibt zwar „Neutral“, doch die Warnung schickte die Aktie zeitweise auf rund 989 Euro. Im Handelsverlauf konnte sich das Papier wieder erholen und notiert aktuell bei 1.017,20 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 1.010,00 Euro.
Was JPMorgan konkret befürchtet
Analyst David Perry sieht die Ursache für mögliche Ergebnisrisiken in einer Verschiebung des Umsatzmixes. Rheinmetall dürfte demnach künftig einen größeren Teil seiner Erlöse mit „neuen“ Produkten wie Raketen, digitalen Systemen und Drohnen erzielen – auf Kosten der etablierten Sparten Munition und bemannte Landfahrzeuge.
Das Problem aus Sicht von JPMorgan: Die traditionellen Geschäftsfelder erwirtschaften hohe Margen, während die neuen Wachstumsfelder häufig über Gemeinschaftsunternehmen abgewickelt werden. Solche Joint Ventures tauchen in der Konzernbilanz nur anteilig auf, was die ausgewiesenen Ergebnisse belasten könnte.
JPMorgan verweist zudem auf politische Unsicherheiten rund um die Rüstungswende sowie Zweifel an der operativen Umsetzung der zuletzt vermeldeten Rekordaufträge. Die Bank knüpft ihre endgültige Einschätzung an den Kapitalmarktag im November, auf dem Rheinmetall mehr Klarheit zum künftigen Umsatzmix liefern soll.
Die Reaktion der Anleger fällt deutlich aus: Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 34 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 44 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober vergangenen Jahres, trennen das Papier inzwischen 49 Prozent. Der Titel notiert zudem 27 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, wie stark sich der mittelfristige Trend eingetrübt hat.
Auftragslage bleibt robust, Wettbewerber ziehen mit
Operativ liefert Rheinmetall unterdessen weiter ab. Die US-Tochter American Rheinmetall erhielt am Donnerstag einen Auftrag über 7,28 Millionen Dollar für zwölf autonome Fahrzeuge vom Typ Mission Master SP sowie fünf amphibische Marine-Kits.
Auftraggeber ist letztlich das Marine Corps Warfighting Laboratory, abgewickelt über die Defense Logistics Agency mit ADS Inc. als Hauptauftragnehmer. Die Systeme basieren auf der PATH-Autonomietechnologie und sind für Einsätze in Küstenregionen ausgelegt.
Parallel dazu veröffentlichte Rheinmetall erstmals zentrale Schnittstellen seiner Battlesuite-Plattform – die sogenannten Onboard- und Tactical-APIs – als Open Source über GitHub. Der Schritt soll die Integration von Partnersystemen erleichtern, geriet an diesem Handelstag aber in den Schatten der Analystenwarnung.
Auch die Branchenkollegen gerieten unter Druck: RENK, HENSOLDT und TKMS verzeichneten im Tagesverlauf ebenfalls Verluste, nachdem Exane BNP das Rating für RENK von „Kaufen“ auf „Neutral“ zurückgenommen hatte.
Für die weitere Kursentwicklung dürfte entscheidend sein, ob Rheinmetall beim Kapitalmarktag im November Zweifel an der Margenqualität seines Wachstums ausräumen kann. Bis dahin bleibt die Aktie nach Einschätzung von Marktteilnehmern anfällig für weitere Rückschläge, sollte die charttechnische Unterstützung zwischen 950 und 1.000 Euro nachhaltig unterschritten werden.
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