Rheinmetall, SMA Solar, Commerzbank: Wo der Markt am Montag differenziert

Der Dax erholt sich, doch die Einzeltitel entwickeln sich sehr unterschiedlich. Rheinmetall legt zu, Autowerte leiden unter China-Daten, und die Commerzbank wehrt sich gegen UniCredit.

Eduard Altmann ·
Rheinmetall, SMA Solar, Commerzbank: Wo der Markt am Montag differenziert

Kurz zusammengefasst

  • Rheinmetall mit Citigroup-Kaufempfehlung im Plus
  • Autowerte belastet durch schwache China-Daten
  • SMA Solar übertrifft Analysten-Konsens deutlich
  • Commerzbank lehnt UniCredit-Übernahmeangebot ab

Liebe Leserinnen und Leser,

am Wochenende habe ich die Frage aufgeworfen, wie belastbar die Strategie deutscher Konzerne ist, Gewinne durch Auslandsstärke statt durch Heimatwachstum zu verteidigen. Der erste Handelstag der Woche liefert eine vorläufige Antwort — und sie fällt differenzierter aus, als der Blick auf den Indexstand vermuten lässt.

Der Dax rutschte am Montagmorgen zunächst unter 23.800 Punkte, drehte dann aber klar nach oben und notierte am Nachmittag bei rund 24.335 bis 24.350 Punkten — ein Plus von etwa 1,7 bis 1,8 Prozent. Spekulationen über neue US-Iran-Verhandlungsvorschläge und mögliche Lockerungen bei Ölsanktionen gaben den Anstoß. Doch die eigentliche Botschaft des Tages steckt nicht im Index, sondern in der Streuung darunter: Aktien mit konkreten operativen Impulsen wurden gekauft, China-sensitive Zykliker abgestraft, und in der zweiten Reihe bewegten Sondersituationen die Kurse stärker als jede Makroschlagzeile.

Rheinmetall führt, Autowerte bremsen

Stärkster Dax-Wert am Montagnachmittag war Rheinmetall mit einem Plus von rund 4,5 Prozent. Auslöser war eine neue Kaufempfehlung der Citigroup. Der Kurs hatte zuvor vom Rekordhoch rund 45 Prozent verloren und war zeitweise bis auf die Marke von 1.100 Euro gefallen. Infineon legte rund 3 Prozent zu, Siemens Energy bis zu 3,5 Prozent — beide weiterhin getragen vom KI-Investitionsthema, das ich an dieser Stelle nicht erneut vertiefen muss.

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Ganz anders die Lage bei den Autoherstellern. Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen gaben zwischen 0,8 und rund 2 Prozent nach. Der Grund liegt nicht in Wolfsburg oder Stuttgart, sondern in Peking: Chinas April-Daten enttäuschten auf breiter Front. Die Industrieproduktion wuchs nur um 4,1 Prozent zum Vorjahr, nach 5,7 Prozent im März. Die Einzelhandelsumsätze legten um magere 0,2 Prozent zu — der schwächste Zuwachs seit Ende 2022. Die Anlageinvestitionen sanken im Zeitraum Januar bis April um 1,6 Prozent. Für deutsche Autobauer, die einen erheblichen Teil ihrer Marge in China verdienen, bleibt das ein ungelöstes Problem.

SMA Solar: 99 Prozent Plus seit Januar — und eine wachsende Bewertungslücke

Im SDax stach SMA Solar heraus. Die Aktie kletterte am Montag zeitweise auf 69,75 Euro, je nach Meldungszeitpunkt ein Plus von knapp 8 bis fast 10 Prozent. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursgewinn auf rund 99 Prozent; über die Hälfte des Einbruchs zwischen Sommer 2023 und Spätherbst 2024 ist damit aufgeholt.

Die operative Entwicklung stützt den Trend, erklärt ihn aber nicht vollständig. Im ersten Quartal 2026 lag der Verlust je Aktie bei 0,05 Euro nach minus 0,16 Euro im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 4,03 Prozent auf 340,92 Millionen Euro. Jefferies-Analyst Constantin Hesse hob das Kursziel auf 71 Euro an und verwies auf anziehende Auftragsdynamik bei Eigenheimen, Gewerbe und PV-Kraftwerken. Analysten erwarten für das Gesamtjahr einen Gewinn von 1,95 Euro je Aktie.

Hier lohnt ein genauer Blick auf die Bewertungslücke: Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt laut wallstreet-online bei 54,63 Euro, die Spanne reicht von 41 bis 71 Euro. Der Kurs hat die Konsensbewertung also bereits deutlich überholt. Der Branchenhintergrund bleibt solide — die Bundesnetzagentur erwartet für April einen PV-Zubau von knapp 1.160 Megawatt —, aber die Neuinstallationen lagen unter dem März-Wert. Wer hier investiert ist, sollte wissen, dass er auf die optimistischsten Schätzungen setzt.

Elliott bei Bio-Rad, Commerzbank gegen UniCredit: Strategische Weichenstellungen

Im MDax gewann Sartorius je nach Quelle zwischen 3 und 6 Prozent und stand zeitweise an der Indexspitze. Der Auslöser lag nicht im eigenen Geschäft, sondern eine Etage höher: Der US-Aktivist Elliott Management ist bei Bio-Rad Laboratories eingestiegen. Bio-Rad hält rund 28 Prozent der Vorzugsaktien und 38 Prozent der Stammaktien von Sartorius — eine Beteiligung im Wert von mehr als 4,1 Milliarden Euro. Bio-Rads Marktkapitalisierung liegt bei 6,7 Milliarden Dollar. Elliott will die Börsenentwicklung von Bio-Rad verbessern. Für Sartorius-Aktionäre bedeutet das: Nicht operative Zahlen bewegen den Kurs, sondern die Frage, ob ein Großaktionär indirekt Wert freisetzen kann.

Strategisch gewichtiger ist die Entwicklung bei der Commerzbank. Vorstand und Aufsichtsrat haben das Übernahmeangebot von UniCredit offiziell zurückgewiesen und empfehlen den Aktionären die Ablehnung. Die Begründung: Das Angebot — 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie — spiegele den fundamentalen Wert nicht wider, biete keine angemessene Prämie und bleibe strategisch vage. Die Frist läuft bis 16. Juni, mit möglicher Verlängerung bis 3. Juli.

Die Zahlenlage verdeutlicht die Komplexität. UniCredit hält direkt 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien, hat Zugriff auf weitere 3,22 Prozent und kommt bei den Stimmrechten auf 38,87 Prozent. Der Bund hält 12 Prozent. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kritisiert überschätzte Synergien und unterschätzte Ertragsverluste — Finanzbusiness beziffert letztere auf mehr als 500 Millionen Euro und hält UniCredits Kostenannahme von 3,4 Milliarden Euro für unrealistisch; realistisch seien 4,2 Milliarden Euro. Die DSW wiederum bezweifelt die langfristige Eigenständigkeit der Commerzbank, sollte UniCredit den Anteil weiter ausbauen. Eine Pattsituation, die sich in den kommenden Wochen zuspitzen dürfte.

Baugenehmigungen steigen, Stimmung fällt

Auf der Konjunkturseite liefert der Wohnungsbau ein widersprüchliches Bild. Im ersten Quartal 2026 stieg die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland um 14,6 Prozent auf 63.500 Wohnungen. Einfamilienhäuser legten um 13,7 Prozent auf 12.100 zu, Zweifamilienhäuser um 23,2 Prozent auf 3.600, Mehrfamilienhäuser um 14,9 Prozent auf 33.100.

Die Zahlen klingen ermutigend — bis man die Gegenseite betrachtet. Das Baugewerbe rechnet vor, dass monatlich rund 10.000 zusätzliche Genehmigungen nötig wären, um den Bedarf zu decken. Das Ifo-Geschäftsklima im Wohnungsbau fiel im April von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte, der stärkste Rückgang seit vier Jahren. Und zehnjährige Bauzinsen stiegen laut Interhyp seit Anfang März von 3,55 auf 3,88 Prozent. Mehr Genehmigungen bei schlechterem Klima und steigenden Finanzierungskosten — das passt nicht zusammen, und die Auflösung wird nicht zugunsten der Bauwirtschaft ausfallen.

Was jetzt zählt

Der Montag hat gezeigt, was in den kommenden Wochen den Unterschied machen wird: nicht die Frage, ob der Dax über oder unter 24.000 Punkten schließt, sondern welche Einzelwerte operative Substanz liefern und welche nur vom Indexsog profitieren. SMA Solar handelt fast doppelt so hoch wie zum Jahresanfang, liegt aber bereits über dem Analystenkonsens. Rheinmetall wird nach 45 Prozent Kursverlust wieder empfohlen. Sartorius steigt, weil ein Aktivist bei einem Großaktionär einsteigt. Die Commerzbank wehrt sich gegen eine Übernahme, deren Konditionen beide Seiten unterschiedlich bewerten.

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Für Dienstag stehen das japanische BIP für das erste Quartal, britische Arbeitsmarktdaten, deutsche Erwerbstätigenzahlen und die EU-Handelsbilanz März auf der Agenda. Dazu Hauptversammlungen bei Jungheinrich, Ionos, Puma und PNE. Am Mittwoch folgt dann Nvidias Quartalsbericht — der Termin, auf den die gesamte Technologiebranche wartet.

Die Woche hat gerade erst begonnen. Aber die Richtung ist erkennbar: Wer differenziert, hat einen Vorteil.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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