Rheinmetall, Stahl, Kupfer: Warum Sachwerte jetzt vor Gold liegen

Rüstungswerte und Industriemetalle zeigen Stärke, während Gold unter Zinssorgen leidet und Nvidia durch politische Aussagen belastet wird.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Rheinmetall erhält Auftrag über Artilleriegeschosse
  • Aktie bleibt deutlich unter Jahreshoch
  • Salzgitter profitiert vom Rüstungszyklus
  • Kupferangebot bleibt langfristig begrenzt

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

drei Zahlen zeigen, wohin das Geld an diesem Dienstag fließt: 1.017 Euro für eine Rheinmetall-Aktie, plus 5,2 Prozent für Salzgitter, und ein Nvidia-Kurs, der noch immer gut fünf Prozent unter seinem Niveau vor einem Monat notiert. Munition, Stahl und Kupfer rücken in den Fokus, während an der Nasdaq die Nervosität um die nächste Phase der KI-Rally wächst. Der Auslöser sitzt in Washington, die Reaktion zeigt sich in Düsseldorf, Salzgitter und London. Für Anleger stellt sich die Frage, ob physische Vermögenswerte gerade zum Gegengewicht im Depot werden – und ob das für alle „Hard Assets“ gleichermaßen gilt.

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Rheinmetall: Der Auftrag ist da, die Bewertungslücke bleibt größer

Rheinmetall meldete am Montag einen neuen Großauftrag eines internationalen Kunden über 155-mm-Artilleriegeschosse in fünfstelliger Stückzahl, Volumen im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, verbucht im dritten Quartal 2026, Lieferung bis 2027. Die Aktie kletterte daraufhin über die runde 1.000-Euro-Marke und notiert im Verlauf des Dienstags bei rund 1.017 Euro. Das klingt nach Trendwende, ist aber vor allem eines: ein Beleg dafür, wie tief der Kurs zuvor gefallen war. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007 Euro, erreicht Anfang Oktober 2025, trennen die Aktie noch immer weit mehr als vierzig Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund einem Drittel zu Buche. Dabei lieferte Rheinmetall im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatzsprung von 39,4 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 15,0 Prozent – Zahlen, die zum Kursverfall in eklatantem Widerspruch stehen. Der Haken: Der Konzern kappte seine Umsatzprognose für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, was die Skepsis der vergangenen Monate erklärt. Wer an die strukturelle Aufrüstungswelle in Europa glaubt, findet hier trotz der Guidance-Kürzung eine der größten Bewertungslücken im DAX. Hensoldt und TKMS bewegten sich am Dienstag im Sog der Nachricht, allerdings spürbar verhaltener als Rheinmetall selbst.

Dass diese Verschiebung längst die Realwirtschaft erreicht hat, zeigen Zahlen aus Bayern: Die Industrieproduktion im Freistaat schrumpfte von Januar bis Juli 2026 preisbereinigt um 2,6 Prozent, Auto- und Maschinenbau verloren jeweils acht Prozent – während der „sonstige Fahrzeugbau“, im Wesentlichen die Rüstungsindustrie, um 7,8 Prozent zulegte. Das ist ein Strukturbruch, der sich auch an der Börse zeigt: Salzgitter sprang am Dienstag um 5,2 Prozent, Thyssenkrupp kletterte in die Nähe seines erst eine Woche zuvor erreichten 52-Wochen-Hochs. Stahl, lange ein Sorgenkind der Anleger, profitiert sichtbar vom Rüstungs- und Infrastrukturzyklus.

Kupfer: Der stille Rohstoff-Wettlauf hinter der KI-Angst

Der Kupferpreis steht aktuell unter Druck, ausgerechnet wegen Sorgen um eine Abkühlung der KI-Investitionen und der damit verbundenen Rechenzentren-Nachfrage. Steigende Lagerbestände und weichere Terminkurven an der Londoner Metallbörse moderieren die Marktanspannung kurzfristig. Der langfristige Angebotsengpass aber bleibt, gestützt durch begrenzte neue Minenkapazitäten. Wie umkämpft die Reserven künftig sein werden, zeigt ein Datenpunkt von S&P Global: Die Demokratische Republik Kongo allein hält rund 65 Prozent aller weltweit neu angekündigten Kupferreserven. Auch auf Regierungsebene wird reagiert: Die Asiatische Entwicklungsbank und Südkorea vereinbarten am Dienstag eine Kooperation über eine Milliarde US-Dollar für die Verarbeitung kritischer Mineralien, flankiert von 20 Millionen Dollar für KI-Initiativen der ADB. Für Anleger, die über Rohstoff-ETCs oder Minenwerte am Kupferzyklus teilhaben, ist die kurzfristige Schwäche womöglich eher Einstiegschance als Warnsignal – vorausgesetzt, man denkt in Jahren, nicht in Wochen.

Nvidia: Ein „Hoax“-Vorwurf und die neue Nervosität in der KI-Kette

Der eigentliche Auslöser der Unruhe sitzt in Washington. Präsident Trump bezeichnete Bedenken zu KI-Sicherheitsrisiken am Montag öffentlich als „Hoax“ – geäußert während des Auftritts von Nvidia-Chef Jensen Huang auf dem All-In Summit. Die Nvidia-Aktie reagierte prompt mit spürbaren Kursverlusten. Im Tagesverlauf am Dienstag notiert der Titel wieder leicht im Plus, bleibt aber gut fünf Prozent unter dem Niveau vor einem Monat. Bemerkenswerter als die Kursbewegung ist eine Diskussion um die Risikoverteilung innerhalb der KI-Kette: Der Analystenkonsens lautet für Nvidia wie für den Speicherhersteller Micron jeweils auf Strong Buy, doch einzelne Investoren sehen Micron derzeit im Vorteil – gestützt auf eine bis 2028 ausgebuchte HBM-Speicherkapazität, die dem Unternehmen laut Analystenschätzung ein Aufwärtspotenzial von rund 69 Prozent zutraut, während Nvidia stärker unter möglicherweise langsameren Upgrade-Zyklen bei KI-Beschleunigern leiden könnte. Selbst optimistische Marktteilnehmer differenzieren also längst zwischen Gewinnern und Verlierern einer möglichen Abkühlung. Bank of America warnt zudem, dass die Hälfte ihrer eigenen Bärenmarkt-Warnsignale bereits ausgelöst sei. Das Jahresend-Ziel für den S&P 500 liegt bei 7.400 Punkten, nur moderat über dem aktuellen Niveau, während das 12-Monats-Ziel von 7.800 Punkten weiterhin Optimismus signalisiert.

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Trotz aller Nervosität um Nvidia und Co. bleibt das 12-Monats-Ziel für den S&P 500 von 7.800 Punkten ein Signal für weiteres Potenzial am US-Markt. Ein kostenloser Report benennt drei konkrete US-Aktien samt Einstiegszeitpunkten und Kaufsignalen für Anleger, die dieses Umfeld nutzen möchten. Report zu den Top-3-US-Aktien anfordern

Gold, der Sachwert, der gerade nicht mitzieht

Wer erwartet hätte, dass Unsicherheit an den Aktienmärkten automatisch Gold beflügelt, wird enttäuscht. Steigende Ölpreise schüren Inflationssorgen und zementieren die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank am Mittwoch weiter – ausgerechnet das setzt den Goldpreis unter Druck, statt ihn zu beflügeln. Das ist die eigentliche Pointe dieses Handelstages: Nicht jedes „harte“ Asset profitiert gleichermaßen von der Gemengelage aus Zinssorgen und KI-Skepsis. Gold leidet unter der Zinserwartung, während Kupfer und Rüstungswerte von strukturellen, geldpolitisch unabhängigen Trends getragen werden.

Unterm Strich

Was an diesem Dienstag zählt, ist keine einheitliche Flucht in Sachwerte, sondern eine Differenzierung innerhalb der Sachwert-Klasse selbst: Rüstung und Industriemetalle mit struktureller Nachfrage schlagen sich robuster als das zinssensible Gold. Gleichzeitig zeigt die Nvidia-Episode, wie schnell politische Rhetorik die Stimmung in der bislang unangefochtenen KI-Rally kippen kann – und wie unterschiedlich selbst optimistische Analysten inzwischen zwischen Nvidia und Micron gewichten. Wer sein Depot diversifizieren will, findet in der Kombination aus Rüstungswerten mit Bewertungslücke und Industriemetallen mit langfristigem Angebotsdefizit derzeit mehr Substanz als in der Frage, ob die Fed am Mittwoch um 25 Basispunkte anhebt.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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