Rheinmetall vor dem Expert Day: Wird die Guidance zum Kurstreiber?

Rheinmetall präsentiert 80,5 Milliarden Euro Aufträge, muss aber den Weg von 15 auf rund 19 Prozent operative Marge erklären.

Dieter Jaworski ·
Abstraktes Bild einer hochmodernen Industrieanlage mit Fokus auf Präzisionstechnik und industrielle Stabilität. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • 250-Millionen-Euro-Auftrag aus Litauen
  • Halbjahresumsatz steigt um 39 Prozent
  • Führungswechsel bei Rheinmetall Air Defence
  • Drittes Quartal am 5. November

Ausgangslage

Rheinmetall steht heute im Fokus institutioneller Anleger: Der Konzern tritt beim „Expert Day“ der DZ Bank in Bremen auf und muss dort erklären, warum der Auftragsbestand von 80,5 Milliarden Euro sich noch nicht stärker im Kurs widerspiegelt.

Der Auftritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem mehrere Fäden zusammenlaufen: Erst am Dienstag hatte das Unternehmen den ersten Abruf aus dem Rahmenvertrag G-CAP II SU bestätigt – ein 250-Millionen-Euro-Auftrag für ein modulares Feldlager für 2.000 Soldaten in Litauen, ergänzt um rund 40 Millionen Euro jährliches Betriebsgeschäft.

Die Aktie reagiert am heutigen Donnerstag mit einem Plus von 2,3 Prozent auf 1.172,40 Euro – nach einem bereits soliden Anstieg von 7,6 Prozent auf Monatssicht.

Der eigentliche Anlass für die Aufmerksamkeit der Investoren ist aber nicht allein der Litauen-Auftrag, sondern die Frage, ob das Management den Expert Day nutzt, um die am Montag aktualisierte Jahresprognose zu untermauern.

Rheinmetall hatte die Guidance für 2026 auf einen Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von rund 19 Prozent präzisiert – deutlich über der im August vorgelegten Halbjahresmarge von 15,0 Prozent.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Punkt für Anleger ist, ob Rheinmetall die Lücke zwischen der Halbjahresmarge von 15,0 Prozent und dem für das Gesamtjahr avisierten Margenziel von rund 19 Prozent im zweiten Halbjahr tatsächlich schließen kann. Genau diese Beschleunigung dürfte im Zentrum der Präsentation in Bremen stehen.

Gelingt der Sprung, wäre das ein Beleg dafür, dass die milliardenschweren Aufträge – vom Litauen-Camp über die im August bestellten mobilen Rettungsstationen der Bundeswehr für über 500 Millionen Euro bis zum wachsenden Servicegeschäft – tatsächlich margenstärker durchschlagen als das bisherige Kerngeschäft. Verfehlt der Konzern diese Beschleunigung, dürfte die Guidance als zu ambitioniert gelten und die zuletzt gewonnene Kursdynamik ausbremsen.

Bullisches Szenario

Sollte Rheinmetall beim Expert Day glaubhaft darlegen, dass die Margenausweitung bereits im Gange ist, könnte das die jüngste Erholung festigen. Der Umsatz war im ersten Halbjahr bereits um 39 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro gestiegen, das operative Ergebnis sogar um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro.

Zusätzliche Rückenwind-Faktoren liegen im wachsenden Servicegeschäft rund um das Litauen-Camp und in der im August demonstrierten Integration von Hensoldt-Sensortechnologie in Rheinmetalls Flugabwehrsysteme – ein Signal für technologische Differenzierung im margenstarken Verteidigungssegment.

Auch die Eröffnung eines „Autonomous Systems Centre of Excellence“ in Großbritannien Mitte August, das die Kooperation mit Kanada bei unbemannten Landsystemen vertiefen soll, unterstreicht die Diversifikation der Wachstumstreiber über klassische Panzerprogramme hinaus.

Bärisches Szenario und Risiken

Die Risiken liegen jedoch nicht nur in der Margenfrage. Zum einen bleibt die Volatilität rund um das gescheiterte F126-Fregattenprogramm ein Belastungsfaktor, den das Management beim Expert Day adressieren dürfte, ohne dass bislang eine Ersatzlösung feststeht.

Zum anderen sorgt ein Führungswechsel bei der Schweizer Division Rheinmetall Air Defence für Unruhe: Die Konzernzentrale entließ am Mittwoch den Divisions-Chef Oliver Dürr; ein Nachfolger aus Düsseldorf soll zum 1. Oktober übernehmen, um den Standort Oerlikon nach internen Spannungen und Personalabgängen zu stabilisieren.

Solche Führungswechsel bergen operative Risiken, gerade in einer Division, die für die Flugabwehr-Sparte strategisch wichtig ist. Hinzu kommt: Die Aktie notiert trotz der jüngsten Erholung noch immer rund 42 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober – ein Hinweis darauf, dass der Markt frühere Wachstumsannahmen bereits deutlich zurückgeschraubt hat und neue Enttäuschungen entsprechend hart bestraft werden könnten.

Ausblick

Solange Rheinmetall die avisierte Margenausweitung im zweiten Halbjahr untermauern kann und der Auftragsbestand weiter wächst, dürfte die Aktie ihren jüngsten Erholungspfad fortsetzen können.

Kippt dagegen die Zuversicht in die 19-Prozent-Marge – etwa weil sich Integrationskosten neuer Aufträge wie des Litauen-Camps oder Führungsprobleme in einzelnen Divisionen stärker als erwartet niederschlagen – dürfte die Skepsis der Anleger zurückkehren.

Der nächste harte Prüfstein folgt mit der Quartalsmitteilung zum dritten Quartal am 5. November; bereits am 1. September gibt der Auftritt beim Berenberg Stockholm Seminar eine erste Zwischenbilanz, wie das Management die eigene Prognose zwischen den beiden Terminen kommuniziert.

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Rheinmetall Aktie

1.012,40 EUR

– 39,40 EUR -3,75 %
KGV 39,24
KUV 4,38
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,11 %
Marktkapitalisierung 47,19 Mrd. EUR
Ø Kursziel 1.669,86 EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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