Rheinmetalls Abschied vom Zivilen, Kones 29-Milliarden-Wette und Brent bei 98 Dollar

Rheinmetall trennt sich von seiner zivilen Sparte, Inditex trotzt dem schwierigen Umfeld und der Ölpreis steigt auf 98 Dollar.

Eduard Altmann ·
Rheinmetalls Abschied vom Zivilen, Kones 29-Milliarden-Wette und Brent bei 98 Dollar

Kurz zusammengefasst

  • Rheinmetall verkauft Power Systems für 350 Millionen
  • Inditex überzeugt mit Umsatz- und Gewinnwachstum
  • Brent-Ölpreis steigt auf fast 98 Dollar
  • Kone-Aktionäre stimmen Milliarden-Übernahme zu

Liebe Leserinnen und Leser,

350 Millionen Euro für eine Sparte mit 2 Milliarden Umsatz. Das ist der Preis, den Rheinmetall für seinen endgültigen Abschied vom zivilen Geschäft akzeptiert. Bescheiden? Sicher. Aber der Düsseldorfer Konzern kauft sich damit etwas, das kein Bieter beziffern kann: vollständige Konzentration auf das Geschäft, das gerade so schnell wächst wie kaum ein anderes in Europa. Drei Unternehmensgeschichten bestimmen diesen Mittwoch — und jede einzelne erzählt mehr über den Zustand der Märkte als die Indexstände.

Rheinmetall wird reiner Rüstungskonzern

Rheinmetall verkauft seine Division Power Systems — Autozulieferung und Energiewirtschaft — an die Münchener Industriegruppe Aequita. Vorläufiger Kaufpreis: 350 Millionen Euro, Abschluss im vierten Quartal 2026. Die Sparte erzielte zuletzt rund 2 Milliarden Euro Umsatz, war aber seit Jahren ein Fremdkörper im Portfolio eines Konzerns, der konsequent auf Wehrtechnik setzt.

Der Preis unterliegt noch marktüblichen Anpassungsmechanismen und wirkt gemessen am Umsatz niedrig. Doch für Anleger zählt etwas anderes: Rheinmetall muss ab sofort keine Managementkapazität mehr in zivile Restrukturierung investieren. Jede Stunde Vorstandszeit, jeder Euro Investitionsbudget fließt in das Rüstungsgeschäft — und damit in einen Markt, den die europäische Aufrüstungsdebatte und der Iran-Konflikt strukturell antreiben. Am Montag hatte ich beschrieben, wie selektiv der Rüstungsboom in der Breite ankommt. Rheinmetall gehört zu jenen, die nicht auf den Boom warten, sondern ihn aktiv gestalten.

Anzeige

Europas Sicherheitsausgaben erreichen historische Dimensionen — und clevere Anleger positionieren sich längst in den Sektoren, die davon am stärksten profitieren. Welche Technologien und Unternehmen Experten dabei besonders im Blick haben, zeigt dieser kostenlose Report. Gratis-Report „Verteidigung neu gedacht“ jetzt herunterladen

Am Rande: JPMorgan-Analyst Pankaj Gupta sieht Hochtief kurz vor dem DAX-Aufstieg. Der Baukonzern untermauert das mit konkreten Aufträgen — Sachsenenergie hat Hochtief als Generalübernehmer für ein 300-Millionen-Euro-Flusswasserwerk an der Elbe in Dresden beauftragt.

Inditex trotzt dem Gegenwind — mit Zahlen, nicht mit Versprechen

Während Europas Börsen unter Zolldruck und Nahost-Spannungen leiden, liefert der Zara-Mutterkonzern einen Quartalsbericht, der das Umfeld schlicht ignoriert. Im ersten Quartal 2026 (Februar bis April) stieg der Umsatz um 5,8 Prozent auf 8,75 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 8,8 Prozent. Der Nettogewinn legte um 5,4 Prozent auf 1,375 Milliarden Euro zu. Die Bruttomarge verbesserte sich um 67 Basispunkte auf 61,2 Prozent.

Noch bemerkenswerter ist der Ausblick: Der Start ins zweite Quartal (1. Mai bis 1. Juni) zeigt ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 11,5 Prozent. Die Netto-Cash-Position liegt bei 10,8 Milliarden Euro, die geplanten Investitionen für 2026 bei 2,3 Milliarden Euro. Die DZ Bank bestätigte ihr Kaufrating.

Was Inditex zeigt, ist keine Magie, sondern Disziplin: 5.456 Filialen weltweit, straffe Lagerhaltung, kurze Reaktionszeiten. In einem Konsumumfeld, das von Zollängsten geprägt ist, hält das Unternehmen seine Margen — und baut sie sogar aus. Die Aktie legte am Mittwoch rund 3,6 Prozent zu.

98 Dollar Brent — was der Ölpreis für Portfolios bedeutet

Der Brent-Rohölpreis notiert zuletzt bei rund 97 bis 98 Dollar je Barrel, ein Plus von knapp 2 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Eskalation im Nahen Osten treibt: Irans Revolutionsgarden feuerten ballistische Raketen und Drohnen auf Kuwait und Bahrain, das US-Militär griff eine iranische Militäreinrichtung auf der Insel Qeschm an. Die Straße von Hormus steht unter Druck, die USA haben eine Seeblockade verhängt. Präsident Trump bestätigte laufende Verhandlungen mit Teheran — doch das Vertrauen in eine baldige Deeskalation schwindet.

Für Anleger hat das zwei konkrete Konsequenzen. Erstens: Energiewerte profitieren — RWE und Eon gehörten am Mittwoch zu den wenigen DAX-Gewinnern. Zweitens: Der Inflationsdruck steigt weiter. Der Sachverständigenrat erwartet für 2026 eine Verbraucherpreisinflation von 3,0 Prozent in Deutschland. Die OECD warnt, dass ein längerer Konflikt das Weltwirtschaftswachstum 2026 auf 2,1 Prozent drücken könnte. Wer Energiewerte im Portfolio hat, besitzt einen natürlichen Hedge gegen genau dieses Szenario. Wer keine hat, sollte zumindest prüfen, ob die eigene Gewichtung noch zur Lage passt.

Kone schluckt TK Elevator — für 29,4 Milliarden Euro

Die Kone-Aktionäre haben auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Übernahme von TK Elevator zugestimmt. Die Transaktion ist gewaltig: 5 Milliarden Euro in bar, 270 Millionen neue B-Aktien und die Übernahme von 9 Milliarden Euro Nettofinanzverbindlichkeiten. Gesamttransaktionswert inklusive Schulden: 29,4 Milliarden Euro. Die bisherigen Eigentümer Advent und Cinven erhalten rund ein Drittel des Kone-Kapitals, 18 Prozent der Stimmrechte und zwei Verwaltungsratssitze. Der Abschluss wird in 12 bis 18 Monaten erwartet, vorbehaltlich der Wettbewerbsbehörden.

Was entsteht, ist der weltgrößte Aufzugskonzern. Skaleneffekte sollen die Margen verbessern — aber die Schuldenlast ist erheblich, und die Kartellbehörden werden genau hinschauen. Für Kone-Aktionäre bedeutet der Deal mehr Hebel in beide Richtungen: mehr Ertragspotenzial bei gelungener Integration, aber auch deutlich höheres Risiko durch das Leverage.

Was in den nächsten Tagen zählt

Am Donnerstag spricht EZB-Präsidentin Christine Lagarde in Aix-en-Provence — Anleger werden auf Hinweise zur Zinspolitik achten, auch wenn der Iran-Konflikt den geldpolitischen Spielraum zunehmend einengt. Am Freitag folgen die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten; die ADP-Erhebung für Mai zeigte mit 122.000 neu geschaffenen Stellen im Privatsektor eine solide, aber nicht überhitzte Dynamik.

Anzeige

Rüstung, Resilienz und Rendite stehen in diesem Marktumfeld selten so klar im Mittelpunkt wie jetzt. Welche konkreten Investments von Europas neuer Sicherheitsstrategie profitieren — und warum Wasserstoff dabei eine Schlüsselrolle spielt — zeigt dieser kostenlose Gratis-Report. Jetzt Report sichern — kostenlos

Der rote Faden dieser Woche ist klar: Solange die Straße von Hormus unter Druck bleibt, dominieren Energiepreise und Risikoaversion das Marktbild. Unternehmen, die in diesem Umfeld bestehen, haben drei Dinge gemeinsam — starken Cashflow, geringe Importabhängigkeit und die Fähigkeit, sich auf das zu konzentrieren, was sie wirklich können. Rheinmetall hat das am Mittwoch vorgemacht. Inditex beweist es seit Jahren. Und Kone wettet darauf, dass Größe in einem reifen Markt genau diese Stärke bringt.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

Ähnliche Artikel

Oatly: 52-Wochen-Tief bei 6,92 Euro

Oatly: 52-Wochen-Tief bei 6,92 Euro

Konsum & Luxus ·
AMD Aktie: Server-CPU wächst um 70 Prozent

AMD Aktie: Server-CPU wächst um 70 Prozent

Nasdaq ·
Rheinmetalls Abschied vom Zivilen, Kones 29-Milliarden-Wette und Brent bei 98 Dollar

Rheinmetalls Abschied vom Zivilen, Kones 29-Milliarden-Wette und Brent bei 98 Dollar

Industrie ·
KNDS Aktie: 1,89-Milliarden-Katar-Deal bremst IPO

KNDS Aktie: 1,89-Milliarden-Katar-Deal bremst IPO

IPOs ·
Jeld-Wen: Curator Collection gegen Delaminierung

Jeld-Wen: Curator Collection gegen Delaminierung

Industrie ·