Rocket Lab: 2 Milliarden Dollar im Auftragsbestand
Rocket Lab integriert Motiv Space Systems und peilt den Erstflug der Neutron-Rakete für Ende 2026 an.

Kurz zusammengefasst
- Übernahme von Motiv Space Systems abgeschlossen
- Neutron-Jungfernflug für viertes Quartal geplant
- Umsatzwachstum von über 60 Prozent erzielt
- SpaceX-Börsengang beeinflusst Aktienbewertung
Rocket Lab USA startet in den Juni mit einer frisch abgeschlossenen Übernahme, einem Milliarden-Backlog und einer Marktkapitalisierung jenseits der 83 Milliarden Dollar. Parallel rückt der SpaceX-Börsengang näher — ein Ereignis, das die Bewertung des Unternehmens auf die Probe stellen dürfte.
Motiv wird zu Rocket Lab Robotics
Im Mai 2026 schloss Rocket Lab die Übernahme von Motiv Space Systems ab. Das kalifornische Unternehmen ist spezialisiert auf Weltraumrobotik, Bewegungssteuerung und Präzisionsmechanismen für Raumsonden. Motiv steuerte unter anderem Roboterarme und Antriebe für den Mars-Rover Perseverance und die CADRE-Mondfahrzeuge bei.
Die nun als Rocket Lab Robotics firmierende Einheit macht das Unternehmen zu einem der wenigen Anbieter weltweit, die komplette Mars-Missionen aus einer Hand liefern können — von der Rakete über die Raumsonde bis zur marserprobten Robotik für Oberflächen- und Orbitaloperationen.
Hinzu kommt die Fähigkeit, Solararray-Antriebe in Eigenregie zu produzieren. Diese Komponenten richten Solarpaneele auf Satelliten zur Sonne aus. Rocket Lab beliefert bereits zivile, militärische und kommerzielle Raumfahrtkunden mit Solarzellen und -arrays. Die Übernahme vertieft die Integration und verschafft dem Konzern einen Vorteil bei energieintensiven Raumfahrtplattformen.
Neutron-Erstflug: Q4 2026 im Visier
Der nächste entscheidende Meilenstein ist der Jungfernflug der Neutron-Rakete. Das wiederverwendbare Mittelklasse-Trägersystem soll Ende 2026 abheben. Ein Tankversagen im Januar verschob das ursprüngliche Startfenster in das vierte Quartal.
Gelingt der Erstflug, wird Rocket Lab zur einzigen westlichen Alternative zu SpaceX im Mittelklasse-Segment. Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Ein Fehlstart würde das Bewertungsmultiple komprimieren.
Rekordzahlen stützen die Rally
Im ersten Quartal 2026 erzielte Rocket Lab einen Umsatz von 200 Millionen Dollar — ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettoverlust betrug 45 Millionen Dollar, die Margen verbessern sich.
Der Auftragsbestand hat sich mehr als verdoppelt und liegt nun bei über zwei Milliarden Dollar. Rund 36 Prozent davon sollen innerhalb der kommenden zwölf Monate in Umsatz umgewandelt werden. Für das zweite Quartal peilt das Management 232,5 Millionen Dollar Erlöse an. Noch in diesem Jahr soll erstmals ein positives EBITDA erreicht werden.
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SpaceX-IPO: Katalysator oder Kapitalflucht?
SpaceX bereitet Berichten zufolge ab dem 4. Juni die formelle IPO-Vermarktung vor, die Preisfestsetzung könnte bereits am 11. Juni erfolgen. Das Emissionsvolumen soll bis zu 75 Milliarden Dollar betragen — potenziell der größte Börsengang der Wall-Street-Geschichte.
Die Bewertungserwartungen für SpaceX sorgen bereits für Turbulenzen. Bloomberg meldete, SpaceX strebe mindestens 1,8 Billionen Dollar an, nachdem zuvor über zwei Billionen spekuliert worden war. Rocket Lab und Intuitive Machines verloren daraufhin jeweils rund zwei Prozent.
Rocket Lab gilt als Wall-Street-Ersatz für SpaceX. Privatanleger, die auf das Weltraum-Thema setzen, haben die Aktie in diesem Jahr um rund 95 Prozent nach oben getrieben — der S&P 500 legte im gleichen Zeitraum nur im hohen einstelligen Bereich zu. Diese Outperformance wird weithin dem SpaceX-IPO-Trade zugeschrieben. Sobald SpaceX gepreist ist, könnte sich die Lücke schließen.
Bewertungsdruck nimmt zu
Die Aktie notiert bei rund 142 Dollar, die Marktkapitalisierung liegt bei 83 Milliarden Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist tief negativ. Rocket Lab verfügt über 1,21 Milliarden Dollar Cash bei Verbindlichkeiten von 138,67 Millionen Dollar.
Cathie Wood verkaufte im Mai 365.680 Aktien über ihre ETFs ARKX und ARKQ — ein Muster, das ARK Invest regelmäßig bei Kursgewinnen zeigt. Ein Analyst verwies darauf, dass Rocket Lab mit einem EV/Sales-Multiple von 78 für 2026 bewertet wird, während der Branchendurchschnitt im mittleren bis hohen Zehnerprozentbereich liegt. „Rocket Lab sollte über dem Durchschnitt handeln, aber auf diesen Niveaus bleiben wir vorsichtig.“
18 Analysten bewerten die Aktie im Schnitt mit „Kaufen“. Das durchschnittliche Kursziel von 103,91 Dollar impliziert einen Rückgang von rund 27 Prozent.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der SpaceX-Börsengang und die Neutron-Entwicklung die Bewertung stützen oder eine Neubewertung erzwingen.
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