Rocket Lab Aktie: 143-Millionen-Deal mit MDA Space

Rocket Lab baut Aufträge und Raumfahrtgeschäft aus, während Neutron-Verzögerung, Verluste und die geplante Iridium-Übernahme den Kurs belasten.

Dr. Robert Sasse ·
Abstrakte Darstellung der Raumfahrtindustrie mit einer metallischen Satellitenkomponente in professioneller Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • 93. Electron-Mission erfolgreich absolviert
  • 143-Millionen-Dollar-Auftrag für MDA Space
  • Aktie 18,2 Prozent gefallen
  • Iridium-Übernahme bleibt strategischer Schwerpunkt

Rocket Lab liefert derzeit fast im Wochenrhythmus operative Nachweise – und die Aktie bewegt sich trotzdem seit Wochen abwärts. Für mich ist genau diese Diskrepanz die eigentliche Geschichte, nicht der einzelne Auftrag oder Launch. Wer nur auf den Kurs schaut, verpasst, dass sich das Geschäft in diesen Wochen sichtbar verbreitert.

Operative Dichte statt eines einzelnen Katalysators

Am 15. August startete Rocket Lab acht Satellitenplattformen für MDA Space, den ersten Teil einer 143-Millionen-Dollar-Vereinbarung über insgesamt 17 Plattformen zur Erneuerung der Globalstar-Konstellation.

Nur wenige Tage später, zwischen dem 20. und 21. August, folgte die 93. Electron-Mission und damit der 14. Start des Jahres 2026 – ein iQPS-Erdbeobachtungssatellit, der neunte für diesen Kunden bei einer Erfolgsquote von 100 Prozent. Neun weitere dedizierte iQPS-Starts sind laut Unternehmensangaben bis 2030 bereits gebucht.

Dazu kommt die Aufnahme in ein von den US-Streitkräften initiiertes Multi-Vendor-Programm für ein Space Data Network, gemeinsam mit Amazon LEO for Government, Lockheed Martin, Northrop Grumman und York Space Systems. Das ist kein singulärer Erfolg, sondern ein Muster aus wiederholter Zuverlässigkeit über verschiedene Kundengruppen hinweg – Regierung, kommerzielle Erdbeobachtung, Satellitenkommunikation.

Genau dieses Muster überzeugt mich mehr als jede einzelne Meldung für sich. Ein Unternehmen, das in einem Zeitraum von rund zehn Tagen einen kommerziellen Großauftrag ausliefert, eine hundertprozentige Erfolgsquote bei einem wiederkehrenden Kunden fortschreibt und von der US-Regierung in ein strategisches Netzwerkprogramm aufgenommen wird, demonstriert operative Reife jenseits einzelner Ereignisse.

Die Kehrseite: Neutron und ein nervöser Kurs

Dem steht die bekannte Neutron-Verzögerung entgegen, die den Kurs seit rund zwei Wochen belastet – seither hat die Aktie rund 18,2 Prozent verloren. Firmenchef Peter Beck hat kürzlich versucht, die Debatte umzulenken: Anleger sollten sich weniger auf das Debütdatum der Neutron-Rakete konzentrieren als darauf, wie schnell Rocket Lab den zehnten Electron-Start des Jahres erreicht. Das ist eine nachvollziehbare Priorisierung, wirkt aber auch wie ein Versuch, von einer schmerzhaften Realität abzulenken.

Der Fortschritt an der wiederverwendbaren Neutron-Verkleidung „Hungry Hippo“ – zusätzlicher Hitzeschutz, Steuerflächen, Avionik, Fluidsysteme – zeigt zwar, dass gearbeitet wird. Aber Fortschritt bei Komponenten ist nicht dasselbe wie ein gehaltener Zeitplan.

Der Kursverlauf spiegelt diese Unsicherheit deutlich: Mit 56,90 Euro notiert die Aktie 17 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 18 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Papier, das sich unterhalb praktisch aller mittelfristigen Trendlinien bewegt.

Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Stand vor rund zwölf Monaten, was mir zeigt: Der langfristige Trend bleibt intakt, auch wenn die kurzfristige Stimmung gekippt ist.

Iridium als eigentlicher struktureller Hebel

Für mich liegt der wichtigere strategische Punkt ohnehin nicht bei Neutron, sondern bei der geplanten Übernahme von Iridium Communications. Die US-Wartefrist nach dem Hart-Scott-Rodino-Verfahren ist abgelaufen, die Form S-4 wurde bei der SEC eingereicht, beide Unternehmen haben FCC-Anträge gestellt.

Parallel hat Rocket Lab ein neues Aktienprogramm aufgesetzt, das das Programm von Mai 2026 ersetzt – ein klares Signal, dass Kapitalbedarf für die Transaktion mitgedacht wird.

Zusammen mit der Europa-Expansion über die Mynaric-Übernahme und die Gründung von Rocket Lab Germany entsteht ein Bild eines Unternehmens, das sich vom reinen Launch-Anbieter zu einem vertikal integrierten Raumfahrt- und Kommunikationskonzern wandeln will.

Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 – 234 Millionen Dollar Umsatz, ein Auftragsbestand von 2,36 Milliarden Dollar, ein GAAP-Nettoverlust von 49,3 Millionen Dollar sowie mehr als eine Milliarde Dollar an neuen Verträgen während und nach dem Quartal – untermauern, dass Wachstum und Verlust derzeit Hand in Hand gehen. Das ist für ein Unternehmen in dieser Ausbaustufe wenig überraschend, dürfte aber so lange Belastung für den Kurs bleiben, wie Neutron nicht liefert.

Fazit

Unterm Strich sehe ich ein Unternehmen, dessen operative Substanz aktuell stärker wächst als der Kurs es abbildet. Die Risiken – verzögerte Neutron, laufende Integration von Iridium, anhaltende Verluste – sind real und rechtfertigen einen Teil der Vorsicht. Doch wer die Diskrepanz zwischen Nachrichtenlage und Kursverlauf ignoriert, übersieht meines Erachtens, dass hier gerade mehrere strategische Linien gleichzeitig Fahrt aufnehmen.

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Rocket Lab Aktie

50,84 USD

– 4,41 USD -7,98 %
KGV —
KUV 56,86
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung —
Ø Kursziel 106,57 USD
ISIN: US7731211089 WKN: A419CG

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