Rocket Lab Aktie: 234 Millionen Q2-Umsatz, Kurs 59% unter Hoch
Rocket Lab steigert den Quartalsumsatz deutlich, doch die geplante Iridium-Übernahme und ein schwacher Chart belasten weiterhin die Aktie.

Kurz zusammengefasst
- Quartalsumsatz erreicht 234 Millionen Dollar
- Iridium-Abstimmung für 24. September vorgesehen
- Verteidigungsaufträge stärken das zweite Standbein
- Drittes Quartal mit EBITDA-Verlust erwartet
Es gibt Aktien, die erzählen zwei Geschichten gleichzeitig — eine im Konzernbericht, eine im Chart. Bei Rocket Lab könnten die beiden derzeit kaum weiter auseinanderdriften.
Auf der einen Seite ein Unternehmen, das im zweiten Quartal einen Rekordumsatz von 234 Millionen Dollar einfuhr, 62 Prozent mehr als im Vorjahr, und einen Auftragsbestand von 2,36 Milliarden Dollar vor sich herträgt. Auf der anderen Seite ein Kurs, der seit Jahresanfang elf Prozent verloren hat und satte 59 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch notiert.
Diese Diskrepanz ist kein Zufall, sondern das strukturelle Grundproblem junger Raumfahrtkonzerne: Sie wachsen mit den Aufträgen, aber sie finanzieren dieses Wachstum mit frischem Kapital — und genau das drückt aktuell auf die Aktie.
Die Iridium-Übernahme als Kapitalfresser
Der wohl größte Faktor hinter der Kursschwäche ist die geplante Übernahme von Iridium. Die kartellrechtliche Wartefrist ist inzwischen abgelaufen, die Registrierungsunterlagen liegen bei der US-Börsenaufsicht, die FCC-Anträge zur Übertragung der Iridium-Lizenzen sind eingereicht.
Die Iridium-Aktionäre sollen am 24. September über den Deal abstimmen. Strukturell sieht die Transaktion 27 Dollar in bar je Iridium-Aktie vor, ergänzt um eine variable Aktienkomponente von Rocket Lab.
Um diese Barkomponente zu stemmen, hat Rocket Lab eine neue Vereinbarung mit Deutsche Bank und Wells Fargo geschlossen, die Aktienausgaben von bis zu 1,94 Milliarden Dollar über den Markt ermöglicht. Für Anleger bedeutet das: potenzielle Verwässerung, solange die Übernahme läuft.
Der Markt preist dieses Risiko offenbar schon jetzt ein, lange bevor die Aktionäre überhaupt abgestimmt haben. Das erklärt einen Teil der Kursschwäche, aber eben nicht alles — schließlich notiert das Papier auch 18 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und 21 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen, dass der Abwärtstrend breiter angelegt ist als eine einzelne Transaktion.
Ein Rüstungs- und Raumfahrtkonzern im Aufbau
Was in der Kursdiskussion leicht untergeht: Rocket Lab baut sich parallel zur Iridium-Übernahme ein zweites Standbein im Verteidigungsgeschäft auf. Innerhalb weniger Wochen kamen die Aufnahme in das Space Data Network Consortium der US-Space-Force mit einem Auftragsvolumen von 12 Millionen Dollar, die Anbindung an das mit 981 Millionen Dollar dotierte NITE-STAR-Programm sowie ein Auftrag von Viasat zum Bau eines geostationären Satellitenbusses für das Programm Protected Tactical SATCOM-Global hinzu, das unter einem Gesamtrahmen von vier Milliarden Dollar läuft.
Dazu passt der bereits im August vermeldete 397-Millionen-Dollar-Auftrag der Space Force für Flatellite-Satelliten, die auf der Neutron-Rakete starten sollen — jenem Trägersystem, dessen Archimedes-Triebwerk vor gut einem Monat einen Langzeittest bestand und dessen Aktienkurs seither um 18,6 Prozent nachgab.
Auch Kepler Communications hat sich für eine komplette Neutron-Mission entschieden, das erste Mal, dass Rocket Lab einen ganzen Flug statt einer Mitfluggelegenheit verkauft hat.
Dazu unternahm das Unternehmen im August seine 92. und 93. erfolgreiche Electron-Mission und stellte mit GHOST ein containerisiertes Startsystem vor, das Orbital- und suborbitale Starts von praktisch jedem Ort der Welt aus ermöglichen soll.
Was die Insider-Verkäufe wirklich bedeuten
Wer die jüngsten Aktienverkäufe von Führungskräften wie COO Frank Klein, Präsident Marvin Clevenger oder CFO Adam Spice als Alarmsignal liest, sollte genauer hinschauen. Zusammen veräußerten fünf Top-Manager Ende August Aktien im Wert von 5,49 Millionen Dollar — nach eigenen Angaben ausschließlich zur Deckung von Steuerverbindlichkeiten aus vestenden Restricted Stock Units.
Die Manager behielten dabei rund 97,5 Prozent ihrer bisherigen Bestände. Kleins zusätzlich angekündigter Verkauf von 35.558 Aktien über Morgan Stanley folgt demselben Muster wie seine früheren, ebenfalls dokumentierten Transaktionen im Mai und August.
Damit bleibt die eigentliche Anlegerfrage bestehen: Wiegt das operative Momentum — Rekordumsatz, Rekordbacklog, ein diversifiziertes Verteidigungsportfolio — schwerer als das Verwässerungsrisiko einer milliardenschweren Übernahme und die technische Schwäche des Charts?
Die Antwort liegt nicht in einer einzelnen Kennzahl, sondern darin, wie geduldig ein Anleger ist, während Rocket Lab zwei parallele Großprojekte — Iridium-Integration und Neutron-Hochlauf — gleichzeitig stemmt.
Die Guidance für das dritte Quartal, ein Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen Dollar bei einem operativen EBITDA-Verlust von 17 bis 23 Millionen Dollar, zeigt: Profitabilität ist noch nicht erreicht, das Wachstumstempo aber ungebrochen.
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