Rocket Lab Aktie: 234-Millionen-Rekordumsatz trotz Neutron-Verzögerung

Rocket Lab meldet Rekordumsatz und -auftragsbestand, doch die verschobene Neutron-Erststart-Planung belastet die Aktie. Das Electron-Geschäft wächst weiter rasant.

Eduard Altmann ·
Abstrakte Darstellung der Luft- und Raumfahrtindustrie mit moderner Technik und professioneller Beleuchtung (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Rekordumsatz von 234 Millionen Dollar
  • Auftragsbestand erreicht 2,36 Milliarden Dollar
  • Neutron-Erststart auf Q4 2026 verschoben
  • 93. Electron-Mission erfolgreich abgeschlossen

Wer Rocket Lab in dieser Woche im Depot hat, muss zwei Geschichten gleichzeitig aushalten. Da ist ein Unternehmen, das operativ so schnell wächst wie kaum ein anderer New-Space-Anbieter – und da ist eine Aktie, die genau davon derzeit wenig zu spüren bekommt. Diese Kluft ist der eigentliche Stoff, aus dem sich verstehen lässt, wohin die Reise bei Rocket Lab gerade geht.

Am Freitag schloss das Papier bei 62,40 Euro, nahezu unverändert zum Vortag, aber auf Wochensicht mit einem Minus von 12 Prozent im Rücken. Der Blick auf zwölf Monate zeigt trotzdem ein Plus von 53 Prozent – ein Beleg dafür, wie sehr die kurzfristige Nervosität die langfristige Substanzgeschichte überlagert.

Zum 50-Tage-Durchschnitt liegt die Aktie 13 Prozent im Minus, zum 200-Tage-Durchschnitt 9,3 Prozent darunter. Wer nur auf Charts starrt, sieht derzeit vor allem Schwäche.

Das operative Tagesgeschäft läuft im Rekordtempo

Und doch: Am Wochenende meldete Rocket Lab bereits seine 93. Electron-Mission, die 14. des Jahres 2026 und die neunte Auslieferung im Rahmen der QPS-SAR-Serie – wieder mit hundertprozentigem Missionserfolg.

Wenige Tage zuvor, am 15. August, brachte das Unternehmen von Cape Canaveral aus acht Satellitenplattformen für MDA Space ins All, die erste Tranche eines 143-Millionen-Dollar-Auftrags über insgesamt 17 Plattformen.

Parallel präsentierte Rocket Lab sein GHOST-System, eine mobile Startinfrastruktur für Electron und HASTE, die mehr Flexibilität für Mehrfachkampagnen und Missionen im Sicherheitsbereich schaffen soll.

Diese Taktzahl ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines Geschäftsmodells, das inzwischen zuverlässig Kadenz liefert. Genau diese Verlässlichkeit im bestehenden Electron-Geschäft ist es, die den zweiten, größeren Baustein der Rocket-Lab-Story trägt: die Zahlen zum zweiten Quartal, vorgelegt am 10. August.

Das Unternehmen meldete einen Rekordumsatz von 234,07 Millionen Dollar, einen Rekord-Auftragsbestand von 2,36 Milliarden Dollar und stellte für das dritte Quartal erneut ein Umsatzrekordniveau in Aussicht.

Auf der Telefonkonferenz zu diesen Zahlen am 17. August bekräftigte das Management zudem, mehr als eine Milliarde Dollar an neuen Verträgen während und nach dem Quartal eingesammelt zu haben – ein Tempo, das man sonst eher von etablierten Rüstungskonzernen kennt als von einem Raketenbauer, der erst seit wenigen Jahren börsennotiert ist.

Neutron bleibt der Prüfstein

Warum also die Kursschwäche? Die Antwort liegt in einem einzigen Satz, den Rocket Lab am 10. August formulierte: Die neue Trägerrakete Neutron soll nun im vierten Quartal 2026 den Startplatz erreichen, statt sich klar auf einen Erststart in diesem Jahr festzulegen. Reuters berichtete im Anschluss von einem Kurseinbruch um 7 Prozent im nachbörslichen Handel.

Bloomberg ordnete die Formulierung als frisches Risiko für den Neutron-Erstflug ein, der bei ausbleibendem Start in diesem Jahr auf 2027 rutschen könnte. Auch das Wall Street Journal notierte, dass Rocket-Lab-Aktien nach dieser Ankündigung nachgaben. Der exakte Starttermin, so das Unternehmen selbst, hänge von Qualifikationstests ab, die erst im weiteren Jahresverlauf 2026 anstehen.

Diese Verschiebung wiegt schwer, weil Neutron der Baustein ist, mit dem Rocket Lab endgültig in die Liga größerer Trägerraketen aufsteigen will. Dass das Unternehmen dennoch weiter Kunden für das neue System gewinnt – etwa mit einer eigenen Neutron-Mission für Kepler Communications, geplant frühestens 2028 von Wallops Island aus – zeigt, dass die Nachfrageseite dem Zeitplan keineswegs misstraut. Der Markt aber reagiert kurzfristiger als Kunden, die Jahre im Voraus buchen.

Für die Anleger bleibt damit eine Aktie, die zwei Geschwindigkeiten kennt: das schnelle, verlässliche Electron-Geschäft mit seinen Rekordzahlen, und das langsamere, riskantere Neutron-Projekt, das über die nächste Wachstumsstufe entscheidet.

Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 78 Prozent und einem RSI von 42,1 signalisiert der Markt selbst, wie unentschieden diese Gemengelage derzeit gehandelt wird – ein Gradmesser für die Nervosität, nicht für die Substanz des Geschäfts.

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Rocket Lab Aktie

76,00 EUR

Kurs vom 20. Januar 2026
KGV
KUV 53,05
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 42,32 Mrd. USD
Ø Kursziel 111,00 USD
ISIN: US7731211089 WKN: A419CG

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