Rocket Lab Aktie: 37 Prozent unter 50-Tage-Linie

Rocket Lab verliert binnen eines Monats fast ein Viertel seines Börsenwerts, während das Unternehmen die Iridium-Übernahme stemmt und die Neutron-Rakete entwickelt.

Dieter Jaworski ·
Rocket Lab Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie verliert 25 Prozent in einem Monat
  • Iridium-Übernahme im Wert von acht Milliarden Dollar
  • Neutron-Rakete soll noch 2026 erstmals fliegen
  • Analysten sehen trotz Kursrutsch hohes Potenzial

Drei große Wetten auf einmal, ein Aktienkurs im freien Fall – bei Rocket Lab passt gerade nichts zusammen. Während das Unternehmen seine bislang größte Übernahme stemmt, einen neuen Raketentyp entwickelt und frische Verteidigungsaufträge einsammelt, bricht der Kurs weg. Am Freitag ging die Aktie mit einem Minus von 8,29 Prozent aus dem Handel, binnen eines Monats hat sie fast ein Viertel ihres Werts verloren.

Das wirft eine Frage auf, die sich nicht einfach wegwischen lässt: Ist das die überfällige Verschnaufpause eines überhitzten Kurses – oder erkennt der Markt gerade, dass Rocket Lab sich mehr vorgenommen hat, als seine Bewertung tragen kann?

Ein Momentum-Trade löst sich auf

Bemerkenswert an diesem Ausverkauf ist der Kontrast zur operativen Realität. Während der Kurs abrutscht, bleibt der Nachrichtenfluss dicht. Erst diese Woche sicherte sich Rocket Lab einen Verteidigungsauftrag über 266 Millionen Dollar – zwölf suborbitale Starts, mit Optionen auf sechs weitere bis 2028. Der Kurs zog kurz an. Die Erleichterung hielt nicht lange.

Die charttechnischen Schäden wiegen schwerer als jede Einzelmeldung. Die Aktie notiert rund 37 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und liegt auch unter der 200-Tage-Linie – ein Bruch, der über eine kurzfristige Delle hinausgeht. Der 14-Tage-RSI von 30,8 rückt den Titel in die Nähe überverkaufter Zonen, während eine annualisierte Volatilität von rund 88 Prozent zeigt, wie heftig die Stimmung in beide Richtungen ausschlägt.

Der Schatten von Iridium

Ein Großteil der Unruhe geht auf den größten Firmendeal in der Geschichte von Rocket Lab zurück: die Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium. Ende Juni einigten sich beide Seiten auf 54 Dollar je Iridium-Aktie in einer Mischung aus Bargeld und Aktien, der Unternehmenswert der Transaktion liegt bei rund acht Milliarden Dollar.

Die Unternehmen verkaufen den Deal als mehr als nur eine Ergänzung. Sie sprechen von einer Verschmelzung, die Raketenstarts, Gerätefertigung und Satellitennetzwerk unter einem Dach vereint – ein vertikal integrierter Weltraumkonzern, der eigene Konstellationen entwirft, baut, startet und betreibt. Der Markt tut sich schwer, diesen Anspruch zu bepreisen.

Rocket Labs Bewertung bleibt hoch. Die Euphorie um wachsende Weltraumkonzerne ist noch nicht ganz verflogen, was einige Beobachter zögern lässt zu kaufen. Schließlich muss das Unternehmen im angestammten Geschäft erst noch beweisen, dass verlässliche Profitabilität möglich ist. Der Deal braucht noch grünes Licht von Aktionären und Regulierern. Er bringt Integrationsrisiken genau in einer Phase, in der Rocket Lab zusätzlich Kapital für seine nächste Raketengeneration verbrennt.

Neutron: Der eigentliche Katalysator steht noch aus

Unter dem Übernahmelärm liegt die riskantere Wette des Unternehmens: Neutron, die teilweise wiederverwendbare Mittelklasse-Rakete, die SpaceX‘ Falcon 9 herausfordern soll. Der Auftragsbestand füllt sich schnell – inzwischen stehen fünf fest gebuchte kommerzielle Missionen vor dem Erstflug. Öffentliche Details zum Hardware-Status blieben seit Januar rar. Rocket Lab hält am vierten Quartal 2026 als Zieltermin für den Erstflug fest.

Ein jüngster Test gibt etwas Zuversicht: Das Unternehmen hat einen vollständigen Langzeit-Heißstart-Test des vakuumoptimierten AVac-Triebwerks abgeschlossen, ein wichtiger technischer Schritt vor dem geplanten Jungfernflug.

Der Vorbehalt bleibt bestehen. Neutron befindet sich noch in der Entwicklung. Der Triebwerkstest reduziert vor allem die technische Unsicherheit beim Antrieb – er beantwortet nicht die Fragen zu Gesamtkosten, Zeitplan und künftiger Kundennachfrage. Auch die Ausführungskapazität ist begrenzt: Kundeninteresse an Neutron, laufende Folgemissionen des VICTUS-HAZE-Programms und die Iridium-Integration könnten zusammen den Kapitalverbrauch beeinflussen, Vertragstermine verschieben und das Risiko künftiger Kapitalerhöhungen erhöhen.

Die aktuelle Diskrepanz einordnen

Das ist die Spannung, die Rocket Lab derzeit prägt: ein Unternehmen, das Ambition auf Ambition häuft – eine transformative Übernahme, eine unerprobte Mittelklasse-Rakete und ein Verteidigungsgeschäft, das Aufträge gewinnt –, während der Chart eine Geschichte der Erschöpfung erzählt. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel von 100,53 Euro impliziert ein theoretisches Aufwärtspotenzial von 78,2 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Das zeigt: Der Glaube an die langfristige These ist unter Analysten nicht verschwunden, auch wenn die kurzfristigen Indikatoren auf überverkauft stehen.

Ob der nächste Auslöser der Quartalsbericht am 10. August wird, ein Hardware-Meilenstein bei Neutron oder neue Details zur Iridium-Integration – die kommenden Wochen dürften zeigen, in welche Richtung sich diese Geschichte auflöst. Für eine Aktie mit dieser Schwankungsbreite wird die Antwort keine leise sein.

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Rocket Lab Aktie

76,00 EUR

– 3,50 EUR -4,40 %
KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 51,44 Mrd. EUR
ISIN: US7731211089 WKN: A419CG

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