Rocket Lab Aktie: 60 Prozent unter 52-Wochen-Hoch

Rocket Lab steigert Umsatz und Auftragsbestand deutlich, bleibt jedoch ohne NASA-Mars-Deal. Neutron-Verzögerung und hohe Bewertung belasten.

Andreas Sommer ·

Kurz zusammengefasst

  • 94. Electron-Mission erfolgreich absolviert
  • NASA vergibt Mars-Aufträge an Blue Origin
  • Umsatz steigt um 62 Prozent
  • Neutron-Erststart bleibt weiterhin offen

Ein perfekter Raketenstart, ein verlorener Milliardenauftrag, eine Aktie im freien Fall seit Wochen – Rocket Lab liefert gerade den Stoff, aus dem sich sowohl Bullen- als auch Bärenszenarien stricken lassen. Für mich überwiegt derzeit die Skepsis, auch wenn das operative Geschäft beeindruckt.

Am gestrigen Donnerstag brachte Rocket Lab mit der Mission „Owl Around The World“ seinen 94. Electron-Start ins All, an Bord ein StriX-Satellit des japanischen Kunden Synspective für eine Umlaufbahn in 575 Kilometern Höhe. Es war bereits der 15. Start des Unternehmens in diesem Jahr und beendete zugleich eine dreitägige Verlustserie der Aktie. Operativ läuft die Fließbandfertigung der kleinen Trägerrakete rund – das muss man Rocket Lab lassen.

Der Wermutstropfen: NASA vergibt an Blue Origin

Genau in dieser Woche verlor Rocket Lab jedoch einen Auftrag, der strategisch weit über eine einzelne Mission hinausgereicht hätte: Die NASA entschied sich für die Mars-Kommunikationsverträge im Volumen von bis zu 700 Millionen Dollar zugunsten von Blue Origin.

Rocket Lab ging leer aus. Die Aktie reagierte mit einem Rückgang von rund zwei Prozent – überschaubar, aber symptomatisch für ein Muster, das sich seit Monaten wiederholt: große Ambitionen, aber die ganz großen Verträge landen woanders.

Das ist für mich der Kern der Geschichte. Rocket Lab hat sich als verlässlicher Nischenanbieter für kleine bis mittlere Nutzlasten etabliert, doch der Sprung in die Liga der großen Raumfahrtkonzerne bleibt aus. Während SpaceX mit der Starship-Testreihe und einem Backlog von 47,5 Milliarden Dollar in völlig anderen Dimensionen operiert, kämpft Rocket Lab noch um jeden großen Vertragsposten.

Die Zahlen sprechen eine zwiespältige Sprache

Die Geschäftszahlen des zweiten Quartals sind auf den ersten Blick stark: Der Umsatz kletterte um 62 Prozent auf 234 Millionen Dollar, der Auftragsbestand wuchs im Jahresvergleich um 137 Prozent auf 2,36 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust von 49,26 Millionen Dollar fiel geringer aus als in Vorquartalen. Das klingt nach Wachstum mit Substanz.

Doch der freie Cashflow bleibt tief rot: minus 110,1 Millionen Dollar im zweiten Quartal, nach minus 77,4 Millionen im ersten. Die Bruttomarge soll im dritten Quartal sogar auf 29 bis 31 Prozent sinken, von 36,1 Prozent im Vorquartal.

Und die für Anleger entscheidende Neutron-Rakete – Rocket Labs Antwort auf größere Nutzlasten und potenziell auch auf Falcon 9 – lässt weiterhin auf ihren Erststart warten. Ein Startfenster für 2026 wird zunehmend unwahrscheinlicher, was auch die verzögerte Venus-Mission des MIT zeigt, die explizit auf die „Neutron-Bereitschaft“ wartet.

Parallel dazu belasten Insiderverkäufe das Sentiment: CFO Adam Spice trennte sich von Aktien im Wert von rund 8,8 Millionen Dollar, Director Saintil übertrug einen sechsstelligen Aktienbestand in einen Trust. Beides ist im Rahmen vorab festgelegter 10b5-1-Pläne erfolgt und daher kein Alarmsignal per se – aber es passt ins Bild einer Führungsriege, die in unruhigen Kurszeiten nicht zusätzlich zukauft.

Bewertung bleibt der wunde Punkt

Hier liegt für mich das eigentliche Risiko. Rocket Lab notiert nach Berechnungen von Marktbeobachtern beim rund 49-fachen des Umsatzes – gegenüber einem fairen Multiple von etwa 11 und einem Branchenschnitt von 4,2. Auch bei einem Enterprise Value von 12,7 Milliarden Dollar und dem 27-Fachen des für 2026 erwarteten Umsatzes bleibt die Aktie ambitioniert bewertet, selbst wenn Analysten der Firma ein Umsatzwachstum mit einer jährlichen Rate von 43 Prozent bis 2028 zutrauen und für 2027 die operative Gewinnschwelle auf EBITDA-Basis in Aussicht stellen.

Der Kursverlauf spiegelt diese Zerrissenheit wider: Mit 54,90 Euro liegt die Aktie fast 60 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, aber immer noch deutlich über dem Jahrestief von 32,60 Euro.

Der 30-Tage-Rückgang von 15 Prozent und ein RSI von 35 zeigen eine überverkaufte Tendenz, die technische Erholungen begünstigen kann – ändern aber nichts am fundamentalen Bewertungsproblem.

Mein Fazit

Rocket Lab bleibt ein operativ starkes Unternehmen mit beeindruckender Startkadenz und wachsendem Auftragsbuch. Doch solange die Neutron-Rakete nicht fliegt und große Aufträge wie der NASA-Mars-Deal an Wettbewerber gehen, bleibt die Wachstumsgeschichte unvollständig. Die hohe Bewertung lässt wenig Spielraum für weitere Enttäuschungen. Wer an die langfristige Story glaubt, muss aktuell viel Geduld und noch mehr Risikotoleranz mitbringen.

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Rocket Lab Aktie

76,00 EUR

Kurs vom 20. Januar 2026
KGV
KUV 56,14
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 42,32 Mrd. USD
Ø Kursziel 112,94 USD
ISIN: US7731211089 WKN: A419CG

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