Rocket Lab USA Aktie: FAA-Antrag für Neutron

Rocket Lab beantragt FAA-Genehmigung für Neutron-Erstflug. Die mittelschwere Trägerrakete soll ab Juli 2026 starten und mit SpaceX konkurrieren.

Andreas Sommer ·
Rocket Lab USA Aktie

Kurz zusammengefasst

  • FAA-Genehmigung für Neutron beantragt
  • Startfenster von Juli bis Dezember 2026
  • Neuer Treibstofftank nach Drucktest-Panne
  • Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar

Rocket Lab hat bei der US-Luftfahrtbehörde FAA die Startgenehmigung für Neutron beantragt. Das Zeitfenster: 1. Juli bis 31. Dezember 2026. Aus einem seit Jahren verschobenen Versprechen wird damit ein Termin mit Behördensiegel.

Für ein Programm, das mehrfach ins Rutschen geriet, ist das mehr als reine Bürokratie. Es ist das bislang deutlichste Zeichen, dass die mittelschwere Rakete tatsächlich näher rückt.

Ein Tank, der zweimal gebaut werden musste

Der Weg dorthin war holprig. Im Januar scheiterte der Treibstofftank der ersten Stufe am Drucktest. Rocket Lab ersetzt ihn jetzt durch ein Bauteil aus einer automatisierten Faserlegemaschine. Die neue Fertigung soll genau jene Fehlerklasse ausschließen, die den ursprünglichen Riss verursacht hat.

CEO Peter Beck verkauft die Verzögerung als Vorsicht, nicht als Krise. Rocket Lab nehme kleinere Designänderungen vor, um Margen und Fertigbarkeit zu verbessern, sagte er. Die Priorität bleibe eine zuverlässige Rakete – auch wenn dafür ein paar Monate mehr nötig seien.

Angriff auf den Platzhirsch

Was Neutron besonders macht, ist die schiere Größe des Ziels dahinter. Rocket Lab positioniert die Rakete als Alternative zur Falcon 9. SpaceX startete sie 2025 genau 165 Mal – sechsmal öfter als alle übrigen US-Anbieter zusammen.

Branchenanalystin Carissa Christensen von BryceTech bringt es auf den Punkt: Neutron trete gegen „eine der erfolgreichsten Trägerraketen aller Zeiten“ an. Das Unternehmen müsse sich klar definierte Nischen erobern, so ihre Einschätzung.

Ganz ohne Rückendeckung tritt Rocket Lab allerdings nicht an. Ein Mehrfachstart-Vertrag sichert dem Unternehmen fünf feste Neutron-Starts und drei feste Electron-Starts zwischen 2026 und 2029.

Zum Ende des ersten Quartals 2026 stand der Gesamtauftragsbestand bei rund 2,2 Milliarden Dollar, wie Finanzchef Adam Spice mitteilte. 41,5 Prozent davon entfallen auf Starts.

Der Preis der Verzögerung

Neutron ist nur ein Baustein einer größeren Neuausrichtung. Das Management beschreibt die Vision eines vollständig integrierten Raumfahrtkonzerns – aus Satellitenbau, Komponentengeschäft und wachsenden Kommunikationsambitionen. Diese Erzählung wirkt glaubwürdig, weil das Kerngeschäft längst über die reine Startdienstleistung hinausgewachsen ist.

Im ersten Quartal knackte Rocket Lab erstmals die 200-Millionen-Dollar-Marke beim Umsatz. Konkret waren es 200,3 Millionen Dollar, ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Zahlen erklären zugleich, warum Neutron zum entscheidenden Faktor für die nächste Kursphase wird. Die Verschiebung von Ende 2025 ins laufende Jahr hat einen Preis. Bis Ende 2025 dürfte Rocket Lab rund 360 Millionen Dollar in Neutron gesteckt haben, sagt Spice. Eine stattliche Summe für eine Rakete, die noch nie geflogen ist.

Beck dämpft die Erwartungen an den Erstflug bewusst. Er wolle keine halben Erfolge feiern: „Ich glaube nicht an das Prinzip: Wir sammeln heute gute Daten, auch wenn es kurz nach dem Start oder auf halber Strecke explodiert. Das ist für uns kein Erfolg. Erfolg heißt, die Umlaufbahn zu erreichen.“

Bis zum Startfenster im vierten Quartal 2026 zählen keine Ankündigungen mehr, sondern Hardware-Meilensteine. Beck nennt als Maßstab das „Platzieren von Bauteilen auf Testständen“ – nach seinen Worten verfolgt Rocket Lab einen „aggressiven Zeitplan“ bis zur Startrampe.

Reicht dieser Zeitplan, um Neutron nach Jahren der Verzögerung tatsächlich pünktlich vom Boden zu bekommen? Jeder statische Zündtest, jeder Stufentest bis zum Jahresende wird als Fieberkurve für diese Frage gelesen. Rocket Lab hat bewiesen, dass sich ein breites Raumfahrtgeschäft aufbauen lässt. Ob daraus auch ein zweiter, ernstzunehmender Startanbieter neben SpaceX wird, entscheidet sich an einer einzigen unfliegenden Rakete.

Die FAA-Papiere setzen die Uhr in Gang. Bis zum Jahresende entscheidet sich, ob Neutron beim ersten Versuch die Umlaufbahn erreicht – für Beck der einzig akzeptable Ausgang.

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Sektor Industrieunternehmen
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