Rocket Labs Milliarden-Griff nach Iridium erschüttert die Tech-Landschaft

Rocket Lab kauft Iridium für acht Milliarden Dollar und schafft einen vertikal integrierten Raumfahrtkonzern. Analysten sehen Chancen, aber auch Risiken.

Felix Baarz ·
D-Wave Quantum Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Übernahme von Iridium für acht Milliarden
  • Finanzierung durch Deutsche Bank und Wells Fargo
  • Rocket Lab Aktie steigt um 26 Prozent
  • Abschluss der Transaktion für Mitte 2027 geplant

Wenn ein Raketenbauer einen Satellitenbetreiber für acht Milliarden Dollar schlucken will, horcht die gesamte Branche auf. Rocket Lab hat diese Woche mit der geplanten Übernahme von Iridium Communications den bislang kühnsten Schritt in Richtung vertikal integrierter Raumfahrtkonzern gewagt. Parallel dazu sortieren sich D-Wave Quantum, ServiceNow, TSMC und CrowdStrike mit ganz eigenen Katalysatoren neu — von Staatsgeld über Analystenwenden bis hin zum ersten Aktiensplit der Firmengeschichte.

Rocket Lab: Vom Raketenbauer zum Raumfahrt-Konglomerat

Die Dimension ist bemerkenswert. Rocket Lab hat eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet, sämtliche Iridium-Aktien für 54 Dollar pro Stück zu übernehmen — ein Unternehmenswert von rund acht Milliarden Dollar. Finanziert wird der Deal teilweise über eine 3,6-Milliarden-Dollar-Brückenfinanzierung von Deutsche Bank und Wells Fargo.

Die strategische Logik dahinter: Rocket Lab vereint eigene Startkapazitäten und Satellitenproduktion mit Iridiums globalem Kommunikationsnetzwerk, das über 2,5 Millionen Abonnenten in Verteidigung, Luftfahrt, Schifffahrt und Handel bedient. CEO Peter Beck sprach von einem „definierenden Moment für die Raumfahrtindustrie“. Die meisten Analysten teilen die Einschätzung, dass der Deal über einen reinen Starlink-Wettbewerb hinausgeht. BTIG blieb allerdings neutral — die Ausführungsrisiken rund um das Neutron-Raketenprogramm und die Finanzierungslast wiegen schwer.

Die Aktie notiert bei 89,20 Euro und hat allein in den vergangenen sieben Tagen rund 26 % zugelegt. Seit Jahresanfang steht ein Plus von gut 37 %. Bis zum Abschluss der Transaktion, der für Mitte 2027 angepeilt wird, bleiben regulatorische Hürden und die Zustimmung der Aktionäre als Unsicherheitsfaktoren bestehen. Die annualisierte Volatilität von über 103 % unterstreicht, wie nervös der Markt bei dieser Wette bleibt.

D-Wave Quantum: Washington zahlt, die Börse zögert

D-Wave sammelt weiter staatliche Rückendeckung ein. Die National Science Foundation hat dem Unternehmen einen Zuschuss über knapp 1,57 Millionen Dollar im Rahmen des National Quantum Virtual Laboratory bewilligt. Das Geld fließt in das ERASE-Projekt, das Grundlagentechnologien für fehlertolerantes Quantencomputing entwickelt. Über die Tochtergesellschaft Quantum Circuits in New Haven stellt D-Wave den Forschern dafür supraleitende Gate-Modell-Quantencomputer zur Verfügung.

Dieses Förderprojekt reiht sich in eine größere Offensive ein: Erst kürzlich unterzeichnete D-Wave eine Absichtserklärung über 100 Millionen Dollar aus dem CHIPS and Science Act. Die fundamentale Realität sieht allerdings nüchterner aus. Der Quartalsumsatz brach zuletzt um 81 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. CEO Alan Baratz räumte ein, dass die Ergebnisse aufgrund der episodischen Natur von Komplettsystemverkäufen „klumpig“ bleiben werden.

Die Aktie pendelt bei 20,66 Euro knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresanfang steht ein Minus von knapp 14 % — ein markanter Kontrast zur 211-%-Rally im Vorjahr. Analysten bleiben dennoch überwiegend konstruktiv:

  • Mizuho hob das Kursziel auf 35 Dollar bei einem Outperform-Rating
  • Rosenblatt bekräftigte die Kaufempfehlung mit einem Ziel von 43 Dollar
  • Stifel verwies auf den Übergang zu einem Dual-Plattform-Quantenunternehmen

Die Kluft zwischen staatlicher Validierung und kommerzieller Umsetzung bleibt das zentrale Spannungsfeld.

ServiceNow: Wenn ein Bär die Seite wechselt

Selten sorgt ein einzelnes Analysten-Upgrade für derart viel Aufmerksamkeit. Guggenheim stufte ServiceNow von Neutral auf Buy hoch und vergab ein Kursziel von 125 Dollar. Das Besondere: Seit die Investmentbank die Aktie im Dezember 2025 von Sell auf Neutral angehoben hatte, verlor sie weitere 35 % — deutlich schlechter als der IGV-Software-Index mit minus 16 % und meilenweit entfernt vom S&P 500, der im selben Zeitraum 10 % zulegte.

Analyst John DiFucci rahmte seinen Kurswechsel bewusst als Bewertungsargument. Von KI als bedeutendem Gewinntreiber sei in absehbarer Zeit nicht auszugehen — aber KI werde auch nicht zum „Todesstoß“ für ServiceNow. Eine feine, aber wichtige Unterscheidung.

Die Geschäftszahlen stützen diese Lesart. Für das zweite Quartal peilt ServiceNow Abonnementumsätze zwischen 3,815 und 3,820 Milliarden Dollar an und liegt damit über dem Konsens von 3,75 Milliarden. Langfristig hat das Management mehr als 30 Milliarden Dollar Abonnementumsatz bis 2030 als Ziel ausgegeben. Das Wall-Street-Sentiment ist breit aufgestellt: 41 Kaufempfehlungen stehen fünf Übergewichtungen, drei Halteempfehlungen und lediglich einem Verkauf gegenüber. Der Mediankurs der Analysten liegt bei rund 135 Dollar.

Bei aktuell 91,70 Euro hat die Aktie in den vergangenen sieben Tagen gut 16 % zugelegt — ein erstes Lebenszeichen nach der langen Durststrecke.

TSMC: Rekordmargen, aber das Wachstumstempo wackelt

TSMC liefert weiter Quartalsergebnisse, die in fast jeder anderen Branche als sensationell gelten würden. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz in Dollar-Rechnung um 40,6 % auf 35,9 Milliarden Dollar. Nettoergebnis und Gewinn je Aktie stiegen jeweils um 58,3 %. Die Bruttomarge lag bei 66,2 %, die operative Marge bei 58,1 %.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management ein Umsatzwachstum von über 30 % in Dollar. Die Investitionsausgaben dürften am oberen Ende der Spanne von 52 bis 56 Milliarden Dollar landen. Die Marktkapitalisierung hat sich auf etwa 1,7 Billionen Dollar vorgeschoben — fast doppelt so viel wie Samsung Electronics.

Trotzdem wächst die Skepsis einzelner Investoren. Die kombinierten April-Mai-Umsätze legten „nur“ um 24 % gegenüber dem Vorjahr zu und blieben damit unter den Wall-Street-Erwartungen von rund 35 % für das Quartal. Vor der Ergebnispräsentation am 16. Juli steht damit die Frage im Raum, ob die Wachstumsrate normalisiert oder tatsächlich ins Stocken gerät.

Die Aktie notiert bei 391,50 Euro und hält sich stabil über dem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresanfang beträgt das Plus über 43 %. Der RSI bei 54 signalisiert weder Über- noch Unterbewertung aus technischer Sicht.

CrowdStrike: Aktiensplit vollzogen, Insider verkaufen

Am 2. Juli wurde CrowdStrikes erster Aktiensplit wirksam. Der 4-zu-1-Split senkte den nominalen Kurs mechanisch auf ein Viertel des vorherigen Niveaus. Vorausgegangen war eine beeindruckende Rally: Am letzten Handelstag vor dem Split schloss die Aktie bei 742,91 Dollar — ein Tagesplus von knapp 6 % und eine Verdopplung gegenüber dem 52-Wochen-Tief.

Getrieben wurde die Dynamik von starken Quartalszahlen. Der Umsatz wuchs um 26 % auf 1,39 Milliarden Dollar, die Falcon-Plattform erreichte einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 5,51 Milliarden Dollar. Die Ankündigung des Splits folgte direkt auf diese Ergebnisse.

Allerdings dämpfen zwei Faktoren die Euphorie. Erstens: SEC-Meldungen vom 25. und 26. Juni zeigen, dass CEO George Kurtz und Chief Accounting Officer Anurag Saha am 23. und 24. Juni Aktien am offenen Markt verkauften. Insiderverkäufe in dieser Größenordnung und Frequenz machen Anleger hellhörig.

Zweitens bleibt die Bewertung ambitioniert — das Verhältnis von Unternehmenswert zu erwartetem EBITDA liegt bei 98, das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Vorwärtsschätzungen bei rund 142. Bernstein-Analyst Peter Weed bekräftigte ein Market-Perform-Rating mit einem Kursziel von 413 Dollar und warnte, das Wachstum der wiederkehrenden Erlöse könnte in den kommenden Quartalen unter 25 % fallen.

Zwischen Substanz und Spekulation — eine gespaltene Branche

Die fünf Titel dieser Woche offenbaren eine klare Zweiteilung im Tech-Sektor:

  • Bewährte Wachstumswerte: TSMC und CrowdStrike liefern reale Umsatzstärke und Margen, die ihre Premiumbewertungen tragen — auch wenn Investoren über nachlassendes Wachstumstempo debattieren
  • Bewertungs-Comeback: ServiceNow besetzt eine Mittelposition als profitables Softwareunternehmen, dessen Kursverfall selbst Skeptiker zum Umdenken bringt
  • Narrative Wetten: Rocket Lab und D-Wave Quantum leben von Corporate Actions und Regierungsgeldern mehr als von aktuellen Finanzkennzahlen. Rocket Labs Iridium-Deal ist eine schuldenfinanzierte Wette auf Skalierung, D-Waves kommerzielle Erlöse bleiben klein und volatil

Diese Spaltung zwischen etablierten Cashflow-Generatoren und wachstumsgetriebenen Narrativ-Titeln dürfte die Kapitalrotation innerhalb des Sektors bis Jahresende bestimmen. TSMCs Ergebnispräsentation am 16. Juli und ServiceNows Quartalsbericht werden die nächsten konkreten Prüfsteine liefern. Für Rocket Lab beginnt mit dem Iridium-Deal ein Integrations-Marathon, dessen Ausgang noch mindestens ein Jahr offen bleibt.

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D-Wave Quantum Aktie

23,50 USD

– 0,49 USD -2,04 %
KGV 0,00
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 8,89 Mrd. USD
ISIN: US26740W1099 WKN: A3DSV9

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