Rolls-Royce belohnt seinen Architekten des Turnarounds mit einem deutlich aufgebohrten Vergütungspaket. Der Aufsichtsrat will CEO Tufan Erginbilgic spürbar besser stellen – ein Schritt, der die außergewöhnliche Erholung des Konzerns seit 2023 widerspiegelt. Doch wie stark ist dieser Aufschwung operativ wirklich unterlegt?
Deutlich höheres Gehaltspaket
Laut Berichten vom Montag hat der Vorstand von Rolls-Royce die Abstimmungen mit den größten Aktionären zur Neugestaltung der Vergütungspolitik abgeschlossen. Im Zentrum steht eine kräftige Ausweitung der Anreize für Erginbilgic.
Konkret sieht das neue Modell vor:
– Der jährliche Bonusrahmen soll von bisher maximal dem Doppelten auf das Dreifache des Grundgehalts steigen.
– Die langfristige aktienbasierte Vergütung (LTIP) könnte sogar von bislang 375 % auf bis zu 750 % des Grundgehalts verdoppelt werden.
– Wird der volle Rahmen ausgeschöpft, könnte das Gesamtpaket mehr als 13 Millionen Pfund pro Jahr erreichen.
Die Pläne sollen nach Unternehmensangaben bei den wichtigsten Investoren auf Unterstützung gestoßen sein. Ein Sprecher begründete den Schritt mit einem „Quantensprung in der Performance von Rolls-Royce“ und dem verschärften Wettbewerb um Spitzenkräfte im Industriebereich. Im Kern geht es darum, einen CEO zu halten, dem der Markt die Wende des Traditionskonzerns klar zurechnet.
Kursseitig zeigte sich zuletzt eher Konsolidierung: Gestern schloss die Aktie bei 14,52 Euro und liegt damit rund 9 % unter ihrem 52‑Wochen‑Hoch, aber mehr als 100 % über dem Tief der vergangenen zwölf Monate. Nach einem kräftigen Anstieg über das Jahr hinweg hat der Titel kurzfristig etwas Luft abgelassen.
Hintergrund: Vom „brennenden Plattform“ zur Erfolgsgeschichte
Als Tufan Erginbilgic Anfang 2023 das Ruder übernahm, bezeichnete er Rolls-Royce intern als „brennende Plattform“ – ein drastisches Bild für einen Konzern in ernsthaften Schwierigkeiten. Seitdem hat sich das Bild grundlegend gewandelt.
Der Börsenwert ist nach Unternehmensangaben mehr als verzwölffacht. Der Aktienkurs sprang von etwas über 93 Pence auf die aktuellen Niveaus und ließ damit viele andere Titel im FTSE 100 deutlich hinter sich. Die nun diskutierte Vergütung ist somit direkt an eine Wertschaffung gekoppelt, die in dieser Größenordnung selten ist.
Operativ basiert die Erholung auf mehreren Säulen:
– Deutlich bessere Ergebnisse in den Kernsparten
– Ambitionierte Zielsetzungen für operativen Gewinn und freien Cashflow
– Ein strenger Fokus auf Profitabilität und Cash-Generierung
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Gerade diese Kennziffern haben es dem Management ermöglicht, die eigene Story als echten Turnaround zu verkaufen – nicht nur als zyklische Erholung.
Strategische Erfolge als Treiber
Die höhere Bezahlung ist auch eine Reaktion auf konkrete Erfolge in wichtigen Geschäftsbereichen.
Im Verteidigungsgeschäft hat Rolls-Royce einen großen Vertragscoup gelandet: Ein Auftrag über 9 Milliarden Pfund zur Unterstützung der nuklearen U-Boot-Flotte der Royal Navy stärkt Planungssicherheit und Margenpotenzial. Solche Langfristverträge gelten als stabile Ertragssäulen und erhöhen die Visibilität der künftigen Cashflows.
Parallel dazu hat sich das zivile Flugzeugtriebwerksgeschäft erholt. Mit der globalen Rückkehr des Luftverkehrs nach der Pandemie steigen Flugstunden und damit auch die hochmargigen Wartungs- und Serviceerlöse. Diese Entwicklung war ein zentraler Hebel für den operativen Hebel im zivilen Bereich.
Die Kombination aus:
– Großaufträgen im Defence-Segment und
– anziehender Nachfrage in der zivilen Luftfahrt
hat die Grundlage dafür gelegt, dass Rolls-Royce ambitionierte Ziele für Ergebnis und freien Cashflow kommunizieren konnte – und damit den Spielraum, den CEO stärker zu vergüten.
Ausblick: Wichtige Wegmarken 2026
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Rolls-Royce den eingeschlagenen Kurs bestätigen kann. Ende Februar stehen die Zahlen für das Gesamtjahr an. Dann wird sich konkret nachvollziehen lassen, inwieweit die angekündigten Verbesserungen bei Profitabilität und Cashflow bereits im Zahlenwerk ankommen.
Parallel dazu soll die neue Vergütungspolitik auf der Hauptversammlung 2026 den Aktionären zur Abstimmung vorgelegt werden. Damit hängt die Umsetzung des Pakets nicht nur an der aktuellen Stimmung, sondern auch an der Frage, ob die kommenden Ergebnisse den Eindruck eines nachhaltigen Turnarounds untermauern.
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