Rolls-Royce sorgt in London nicht nur wegen der beeindruckenden Kursentwicklung für Diskussionen. Im Zentrum steht derzeit ein deutlich aufgestocktes Vergütungspaket für CEO Tufan Erginbilgic, das ihn mit einem Gesamtpaket von mehr als 13 Millionen Pfund im Jahr ausstatten könnte. Die Frage, die nun den Markt bewegt: Passt ein solcher Gehaltssprung zur bisherigen Wertschaffung – und wie werden die Aktionäre reagieren?
Deutlich höhere Anreize für den CEO
Der Aufsichtsrat von Rolls-Royce will die erfolgsabhängige Vergütung des Vorstandschefs spürbar ausweiten. Nach den am Wochenende bekannt gewordenen Plänen soll der maximale Jahresbonus von bislang 200 % auf 300 % des Grundgehalts steigen.
Noch stärker fällt der Sprung bei den langfristigen Incentive-Plänen (LTIP) aus: Die Obergrenze soll sich auf bis zu 750 % des Gehalts verdoppeln. Damit rückt ein Gesamtvergütungspaket von über 13 Millionen Pfund pro Jahr in den Bereich des Möglichen – allerdings klar gekoppelt an ambitionierte Leistungsziele.
Die Begründung des Boards: Erginbilgic gilt als Architekt der jüngsten Unternehmenswende. Seit Anfang 2023 hat sich der Aktienkurs von rund 93 Pence auf aktuell über 1.280 Pence vervielfacht. Für das Geschäftsjahr 2025 stellt Rolls-Royce einen operativen Gewinn von 3,1 bis 3,2 Milliarden Pfund in Aussicht – ein Niveau, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar schien.
Bewertung spiegelt hohe Erwartungen wider
An der Börse wird diese operative Erholung bereits kräftig eingepreist. Rolls-Royce kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 107 Milliarden Pfund. Für 2026 liegt das prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 39,7 – ein klarer Hinweis darauf, dass Investoren mit weiterem Wachstum rechnen und bereit sind, dafür einen Aufschlag zu zahlen.
Parallel dazu bleibt die Ausschüttungspolitik eher moderat. Die Dividendenrendite wird aktuell auf etwa 1,1 % geschätzt. Analystenprognosen sehen eine Dividende von rund 9 Pence je Aktie für 2025 und 10,6 Pence für 2026. Der Schwerpunkt liegt damit klar auf Wertsteigerung durch steigende Gewinne und Cashflows, nicht auf möglichst hohen laufenden Ausschüttungen.
Zur Einordnung der Dynamik: In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. Zuletzt schloss sie am Freitag bei 14,96 Euro, was einem Plus von gut 118 % gegenüber dem 52‑Wochen-Tief entspricht. Trotz dieser starken Rally liegt der Kurs noch rund 6,5 % unter dem jüngsten Jahreshoch – ein Hinweis darauf, dass nach der Aufholjagd erste Konsolidierungsphasen eingesetzt haben.
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Wesentliche Kennzahlen im Überblick:
- Marktkapitalisierung: ca. 107 Mrd. Pfund
- Erwarteter operativer Gewinn 2025: 3,1–3,2 Mrd. Pfund
- Forward-KGV 2026: ca. 39,7
- Geschätzte Dividendenrendite: ca. 1,1 %
- Potenzielles CEO-Gesamtpaket: > 13 Mio. Pfund jährlich
Referenzfall für Turnaround-Stories
Die Entwicklung von Rolls-Royce dient inzwischen als Referenz für gelungene Restrukturierungen im FTSE 100. Marktbeobachter nutzen den Konzern als Vergleichsmaßstab für mögliche „Recovery-Werte“, die einen ähnlichen Weg gehen könnten.
Hervorgehoben wird dabei vor allem der konsequente Schuldenabbau und die deutliche Verbesserung des Cashflows. Diese Kombination gilt derzeit als Blaupause für britische Blue Chips, die sich aus einer Phase struktureller Schwäche herausarbeiten wollen. In diesem Kontext wird etwa die Mediengruppe Informa immer wieder als möglicher „nächster Rolls-Royce“ genannt, wenn es um das Potenzial für eine mehrjährige Erholung geht.
Die fundamentale Unterstützung für diese Sichtweise kommt auch von Analystenseite. Große Häuser wie Goldman Sachs und die Deutsche Bank haben Rolls-Royce zuletzt mit Kaufempfehlungen versehen. Im Vordergrund steht dabei die Erwartung, dass der Konzern seine Profitabilität weiter steigern und zusätzliche Effizienzreserven heben kann.
Fazit: Zwischen Erfolgsprämie und Akzeptanzfrage
Operativ präsentiert sich Rolls-Royce so stark wie seit Jahren nicht mehr, der Aktienkurs hat diese Wende mit einer außergewöhnlichen Rally nachvollzogen. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass der Aufsichtsrat den CEO langfristig binden und seine Vergütung stärker an ambitionierte Erfolgsziele knüpfen will.
Entscheidend wird nun die Reaktion der Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung sein. Akzeptieren sie das deutlich aufgestockte Paket als konsequente Erfolgsprämie, könnte dies den aktuellen Kurs der Unternehmensstrategie bestätigen. Kommt es hingegen zu spürbarem Widerstand, dürfte der Vergütungsplan zu einem zentralen Streitpunkt werden – und damit zum Test, wie weit die Bereitschaft der Investoren reicht, außergewöhnliche Wertsteigerung auch außergewöhnlich zu honorieren.
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