RWE: 35 Milliarden für 11 Gigawatt Gaskraftwerke

Nach dem Sabotageverdacht speisen drei RWE-Blöcke wieder Strom ein. Zugleich genehmigt die EU bis zu 35 Milliarden Euro für Gaskraftwerke.

Andreas Sommer ·
Moderne Erdgaskraftwerksanlage bei Sonnenuntergang als Symbol für Energieinvestitionen (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Drei Braunkohleblöcke wieder am Netz
  • Ermittler finden sechs Abschussvorrichtungen
  • EU bewilligt bis zu 35 Milliarden
  • Rwe-Aktie seit Jahresbeginn 29 Prozent höher

Nach einem mutmaßlichen Sabotageakt am Umspannwerk Bergheim in Nordrhein-Westfalen kehrt bei RWE wieder Normalität im Kraftwerksbetrieb ein. Drei der fünf am Dienstagvormittag kurzzeitig ausgefallenen Braunkohleblöcke speisen seit Mittwoch wieder Strom in das öffentliche Netz ein.

Betroffen waren die Standorte Neurath und Niederaußem mit einer Gesamtkapazität von 4.200 Megawatt, wobei zum Zeitpunkt des Vorfalls etwa 3.000 Megawatt eingespeist wurden.

Wie das Unternehmen mitteilte, befinden sich die Blöcke Neurath G und F sowie Niederaußem H bereits wieder im regulären Betrieb. Die verbleibenden Einheiten Niederaußem G und K sollen Medienberichten zufolge bis zum kommenden Wochenende wieder hochgefahren werden. Trotz des massiven Kapazitätsausfalls blieb die Stromversorgung in der Region stabil, da Netzbetreiber wie Amprion sofortige Gegenmaßnahmen einleiteten.

Ermittlungen nach Angriff auf Energieinfrastruktur

Hintergrund des Vorfalls war ein gezielter Angriff auf ein Umspannwerk bei Bergheim, der zu einem schweren Kurzschluss führte. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul sprach von einem Anfangsverdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage.

Ermittler fanden am Tatort sechs Abschussvorrichtungen, die offenbar für den Anschlag genutzt wurden. Parallel dazu gab es Berichte über einen ähnlichen Vorfall am Kraftwerksstandort Jänschwalde in Brandenburg, was in der Branche Sorgen über die Sicherheit der kritischen Energieinfrastruktur auslöst.

Die wirtschaftlichen Folgen des Ausfalls zeigten sich unmittelbar an den Handelsplätzen. Fachmedien berichteten, dass der Intraday-Strompreis infolge der Verknappung kurzzeitig auf bis zu 4.500 Euro pro Megawattstunde (MWh) anstieg, während die Minutenreserve sogar Spitzenwerte von bis zu 15.000 Euro pro MWh erreichte.

Branchenverbände wie der BDEW und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) forderten daraufhin einen besseren staatlichen Schutz für Umspannwerke und Strommasten, unter anderem durch Drohnenabwehr und verschärfte Strafrechte.

Milliardenförderung für neue Gaskraftwerke genehmigt

Abseits der akuten Störung erhielt die langfristige Strategie von RWE am Mittwoch positiven Rückenwind aus Brüssel. Die EU-Kommission genehmigte staatliche Förderungen in Höhe von bis zu 35 Milliarden Euro für den Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland.

Diese Anlagen sollen eine Gesamtkapazität von 11 Gigawatt umfassen und ab 2031 schrittweise auf den Betrieb mit wasserstoffbasierten Brennstoffen umgestellt werden, um bis 2045 klimaneutral zu agieren.

Die Bundesnetzagentur plant bereits für den 8. September die erste entsprechende Ausschreibung. Für RWE ist diese Entscheidung von zentraler Bedeutung, da der Konzern den Umbau seines Portfolios vorantreibt.

Erst am 21. August sprengte das Unternehmen ein altes Kesselhaus am Standort Voerde, um dort Platz für eine moderne, wasserstofffähige Gas-und-Dampf-Anlage (GuD) mit 850 Megawatt Leistung zu schaffen, die frühestens im Jahr 2030 in Betrieb gehen könnte.

Aktie behauptet sich im Marktumfeld

Im deutschen Handel zeigte sich der Anteilsschein am Mittwoch relativ unbeeindruckt von den technischen Störungen in NRW. Die Aktie schloss den Handelstag bei 58,22 € ab. Damit notiert der Wert weiterhin in Schlagdistanz zu seinem 52-Wochen-Hoch von 62,00 €.

Trotz der jüngsten Volatilität durch die Berichte über die Energieinfrastruktur bleibt die langfristige Tendenz positiv. Seit Jahresbeginn konnte das Papier einen Zuwachs von 29 % verzeichnen, was die Zuversicht der Anleger in den Transformationskurs des Essener Energiekonzerns widerspiegelt. Die kommenden Ausschreibungen für Gaskraftwerke dürften nun der nächste wichtige Impulsgeber für die weitere strategische Einordnung des Unternehmens sein.

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