Bei RWE rückt ein Termin in den Vordergrund, der gleich mehrere Baustellen zusammenführt: Am 12. März legt der Konzern die Jahreszahlen 2025 vor. Auf dem Tisch liegen dann nicht nur Ergebnis und Cashflow, sondern auch die Frage, wie gut sich Wachstum im Ausland und zunehmender Regulierungsdruck in Deutschland gleichzeitig stemmen lassen.
Denn während RWE in Großbritannien an einem Offshore-Großprojekt baut, bescheinigt das Bundeskartellamt dem Konzern eine dominante Rolle im deutschen Strommarkt. Genau dieses Spannungsfeld dürfte den Ton im Earnings Call setzen.
Jahreszahlen als Gradmesser für Finanzierung und Tempo
Am 12. März geht es für Anleger weniger um kosmetische Details, sondern um harte Stellschrauben: Segment-EBITDA, Trading-Ergebnisse und vor allem der Blick auf die Investitionspläne. Diese Punkte bestimmen, wie viel finanzieller Spielraum kurzfristig bleibt – und ob der Zeitplan der Erneuerbaren-Projekte hält.
An der Börse zeigt sich dabei ein gemischtes Bild: Der Schlusskurs am Freitag lag bei 52,68 Euro. Damit notiert die Aktie nur rund 3,9% unter dem 52‑Wochen-Hoch von 54,82 Euro (vom 02.03.2026) – nach einer etwas schwächeren Vorwoche (7 Tage: -2,84%).
Regulierungsdruck: Kartellamt sieht „pivotal hours“
Das Bundeskartellamt attestiert RWE im aktuellen Marktmachtbericht eine dominante Position. Der Hintergrund ist laut Bericht nicht eine aggressive Kapazitätsausweitung, sondern vor allem der Wegfall von Konkurrenz: Viele alte Kohlekraftwerke sind vom Netz gegangen. Dadurch wird RWE in bestimmten Stunden für die Versorgung unverzichtbar.
Konkret geht es um die sogenannten „pivotalen Stunden“. In bis zu 11,1% der Jahresstunden gilt RWE als notwendig, um die Stromnachfrage zu decken – und liegt damit klar über der kritischen Schwelle von 5%. Für den Konzern ist das heikel, weil eine solche Einstufung politische und regulatorische Folgedebatten wahrscheinlicher macht.
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Offshore-Wachstum und Kapitaldisziplin: Norfolk, KKR, Rückkauf
Auf der Wachstumsseite steht in Großbritannien der Offshore-Windpark Norfolk Vanguard West (1,38 GW). RWE hat dafür einen Vertrag mit Vestas über 92 Turbinen abgeschlossen. Die geplante Inbetriebnahme liegt bei 2029, der Windpark soll dann rechnerisch rund 1,5 Millionen Haushalte versorgen.
Wichtig für die Wirtschaftlichkeit: In der britischen Allocation Round 7 hat sich RWE einen Contract for Difference gesichert, hinterlegt mit 91,20 GBP/MWh. Die finale Investitionsentscheidung ist für den Sommer 2026 angekündigt.
Zur Strategie passt auch die Kapitalstruktur: KKR hält 50% an den Norfolk‑Vanguard‑Projekten. RWE betont damit die „Capital-Light“-Ausrichtung über Partnerschaften. Zusätzlich läuft eine Non-Recourse-Projektfinanzierung, deren Abschluss noch in diesem Jahr erwartet wird.
Parallel bleibt der Konzern beim Kurs der Kapitaldisziplin: Nach der gedämpften Stimmung im Renewables-Sektor hatte RWE den Investitionsplan 2025–2030 im März 2025 um 25% reduziert. Ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Mrd. Euro läuft noch bis Mai 2026. Im März wurden zudem über einen Treuhänder 1.321 Aktien im Rahmen laufender Rückkäufe erworben (Abwicklung über Frankfurt). Auf der Hauptversammlung am 30. April steht außerdem ein Dividendenvorschlag von 1,20 Euro je Aktie zur Abstimmung.
Bei der Bilanz dürfte der Fokus auf der Verschuldung liegen: Die Nettoverschuldung lag zuletzt bei 15,7 Mrd. Euro. Gleichzeitig plant RWE bis 2030 Investitionen von 35 Mrd. Euro – die Jahreszahlen müssen also zeigen, wie robust das operative Ergebnis diese Kombination trägt.
Am 12. März wird damit vor allem eines entschieden: Ob RWE die Erzählung „Wachstum mit Partnerschaften und kontrollierten Investitionen“ mit Zahlen untermauert – trotz des Gegenwinds durch die Marktmacht-Debatte in Deutschland.
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