RWE Aktie: Fusionsreaktor-Wette
RWE beteiligt sich mit 25 Millionen Euro an Proxima Fusion. Das Start-up plant einen kommerziellen Reaktor auf einem ehemaligen AKW-Gelände.

Kurz zusammengefasst
- 25 Millionen Euro Beteiligung von Rwe
- Start-up Proxima Fusion wird zum Unicorn
- Reaktor auf altem AKW-Gelände geplant
- Demonstrator "Alpha" in Garching entsteht
RWE wagt sich auf ein Terrain vor, das bislang vor allem Forschungslaboren und Milliardärs-Start-ups vorbehalten war: die Kernfusion. Der Essener Energiekonzern beteiligt sich an einer Finanzierungsrunde für das Münchner Start-up Proxima Fusion – ausgerechnet am Standort eines ehemaligen eigenen Atomkraftwerks soll dort ein kommerzieller Fusionsreaktor entstehen.
Proxima Fusion hat in der aktuellen Runde 411 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wurde sie von XTX Ventures und East X Ventures, RWE selbst steuerte 25 Millionen Euro bei. Mit dieser Summe erfüllt das Start-up eine Bedingung aus einer im Februar getroffenen Vereinbarung mit dem Freistaat Bayern: Weitere 400 Millionen Euro Fördergeld werden nun freigegeben. Das Unternehmen wird durch die Runde mit über 2,4 Milliarden Euro bewertet und steigt damit zum Unicorn auf.
Altes Kraftwerksgelände, neue Technologie
Besonders bemerkenswert ist der geplante Standort: Im schwäbischen Gundremmingen, wo bis vor einigen Jahren ein RWE-Atomkraftwerk stand, soll bis Ende der 2030er Jahre ein kommerzieller Fusionsreaktor Strom ins Netz einspeisen. Vorher entsteht in Garching bei München der Demonstrationsreaktor „Alpha“ – veranschlagte Kosten: zwei Milliarden Euro. Erste Bauteile werden bereits gefertigt, der erste Magnet soll Ende 2027 fertig sein.
Proxima Fusion setzt dabei auf die Stellarator-Bauweise statt auf den verbreiteteren Tokamak-Ansatz. Komplex geformte Magnetspulen sollen das Plasma verzwirbeln und einen Dauerbetrieb erleichtern – konstruktiv allerdings deutlich anspruchsvoller als klassische Donut-Reaktoren. Das Start-up ist ein Spin-out des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik und kooperiert bei dem Projekt direkt mit RWE und dem Land Bayern.
RWE-Vorstandschef Markus Krebber sieht in dem Engagement einen strategischen Baustein für die künftige Energieversorgung. Deutschland könne dank starker Forschung und Start-ups wie Proxima Fusion zur Schlüsselnation der Kernfusion werden, erklärte er – vorausgesetzt, Bund und Länder schaffen die richtigen Rahmenbedingungen für eine beschleunigte Entwicklung.
Für RWE bleibt das Investment überschaubar. Verglichen mit dem Milliardenaufwand für Offshore-Windparks oder Netzbeteiligungen ist die Summe klein, das strategische Signal aber deutlich: Der Konzern positioniert sich früh in einer Technologie, die frühestens Ende der 2030er Jahre erste kommerzielle Erträge liefern könnte – falls sie sich gegen internationale Konkurrenz aus den USA und China durchsetzt.
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