Rwe Aktie: Investitionsoffensive nach Amprion-Deal
RWE stockt Investitionen auf bis zu 11 Milliarden Euro auf. Halbjahreszahlen übertreffen Erwartungen, Analysten sehen weiteres Kurspotenzial.

Kurz zusammengefasst
- Investitionsrahmen auf 11 Milliarden erhöht
- Operativer Gewinn steigt um 44 Prozent
- Jefferies bestätigt Kaufempfehlung mit 68 Euro
- Kohleausstieg 2030 bleibt unverändert
RWE dreht am Kapital-Rad kräftig auf. Durch den Einstieg beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion plant der Energiekonzern für 2026 nun Nettoinvestitionen von 9 bis 11 Milliarden Euro – bislang standen 6 bis 8 Milliarden Euro im Plan. Bis 2031 sollen insgesamt 42 Milliarden Euro netto fließen, rund 7 Milliarden Euro davon in den Netzausbau.
Die Zahlen zum ersten Halbjahr untermauern den Kurs. Das bereinigte Ebitda kletterte um 44 Prozent auf gut 3 Milliarden Euro, das bereinigte Nettoergebnis legte um fast 60 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro zu. Für das Gesamtjahr rechnet das Management inzwischen mit einem operativen Gewinn zwischen 5,75 und 6,35 Milliarden Euro – die Ziele für 2026 und 2027 waren bereits vor rund zwei Wochen angehoben worden.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Jefferies bestätigte sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 68 Euro und verweist darauf, dass die Prognosen noch auf Rohstoffpreisen von Ende Juni basieren – angesichts der aktuellen Marktlage bleibe da Luft nach oben. Zusätzliche Fantasie liefern zwei kurz vor dem Abschluss stehende Vereinbarungen mit Rechenzentrumsbetreibern zur Grundstücksvermarktung. Goldman Sachs sieht im Halbjahresbericht „die Saat für eine weitere Wachstumsbeschleunigung“, etwa durch die geplante Beteiligung an der Ausschreibung neuer Gaskraftwerke.
Die DZ-Bank nennt den Fokus auf den US-Markt, Batteriespeicher und die Offshore-Wind-Pipeline in Großbritannien als weitere Kurstreiber. Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Eine steigende Volatilität im Stromangebot eröffne zusätzliche Ertragsmöglichkeiten.
Kohleausstieg bleibt Fixpunkt
Auf der operativen Seite hält RWE-Chef Markus Krebber trotz verzögerter Prüfung durch den Bund am Ausstieg aus der Braunkohleverstromung zum 31. März 2030 fest. Die Bundesregierung habe sich bislang nicht zu einem möglichen dreijährigen Reservebetrieb geäußert – das Bundeswirtschaftsministerium will zunächst die diesjährigen Ausschreibungsergebnisse für neue Kraftwerkskapazitäten abwarten. Krebber signalisierte, ein Zuwarten sei „noch in einem gewissen Zeitraum darstellbar“, brauche aber bald Klarheit, da Betriebspläne und Wartungskonzepte entsprechend angepasst werden müssten.
An der Börse kam das Zahlenpaket gut an: Die Aktie legte am Donnerstagmorgen rund ein Prozent zu und kostete zuletzt 58,20 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursplus von mehr als 25 Prozent, nachdem das Papier im April bei 62 Euro sein Jahreshoch markiert hatte und danach bis unter 55 Euro zurückgefallen war. Mit dem Jefferies-Kursziel von 68 Euro läge noch gut ein Fünftel Luft nach oben.
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