RWE glänzt mit Gewinnsprung, Vulcan Energy bangt um Milliarden-Finanzierung

RWE steigert Gewinn deutlich, Verbio kehrt in die Gewinnzone zurück. Vulcan Energy steht vor entscheidender Finanzierungsrunde für Milliardenprojekt.

Dieter Jaworski ·
Siemens Energy Aktie

Kurz zusammengefasst

  • RWE mit 25 Prozent Gewinnplus
  • Verbio dreht Ergebnis ins Positive
  • Siemens Energy hebt Prognose erneut an
  • Vulcan Energy vor Milliarden-Finanzierungsabschluss

Negative Strompreise, KI-Rechenzentren und eine verschärfte THG-Quote — im Grünstrom-Sektor treffen gerade drei Megatrends aufeinander. Die Gewinner stehen fest, die Verlierer auch. Zwischen den Extremen eröffnen sich für Anleger Chancen, die sich in harten Quartalszahlen ablesen lassen.

RWE: Gaskraftwerk-Gesetz und Rechenzentren als doppelter Katalysator

RWE lieferte für das erste Quartal 2026 ein bereinigtes EBITDA von 1,6 Milliarden Euro — ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn erreichte 600 Millionen Euro. Treiber waren vor allem bessere Windverhältnisse im Offshore-Segment und eine einmalige Entschädigungszahlung für das Eemshaven-Kraftwerk in Höhe von 332 Millionen Euro.

Strukturell rücken zwei Themen in den Vordergrund. Der Kabinettsbeschluss zur Förderung neuer Gaskraftwerke eröffnet konkrete Ausschreibungsperspektiven. UBS hält an ihrer Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 65 Euro fest und sieht darin erhebliches Wachstumspotenzial. RBC bestätigt „Outperform“ bei 62,50 Euro und verweist zusätzlich auf das Rechenzentrums-Geschäft als unterschätzten Ergebnistreiber.

Nicht alles läuft rund: Die Supply-&-Trading-Sparte rutschte mit minus 84 Millionen Euro ins Negative, nach einem kleinen Gewinn im Vorjahr. Für das Gesamtjahr bekräftigte das Management die Prognose eines bereinigten EBITDA zwischen 5,2 und 5,8 Milliarden Euro. Das milliardenschwere Rückkaufprogramm und eine geplante Dividende von 1,32 Euro je Aktie für 2026 unterstreichen die Kapitalrückführungsstrategie.

Die Aktie schloss am Freitag bei 55,24 Euro — ein Rückgang von gut 6 Prozent in der vergangenen Woche. JPMorgan belässt das Kursziel bei 65 Euro. Die Kapazitätsauktionen im September und Dezember mit je 4,5 Gigawatt werden zeigen, ob der regulatorische Rückenwind tatsächlich in Aufträge mündet.

Verbio: Produktionsrekorde und eine THG-Quote mit Langzeitwirkung

Nach einem verlustreichen Vorjahr hat Verbio die Kurve gekriegt. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/2026 drehte das Periodenergebnis auf 22,3 Millionen Euro — nach minus 40,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um gut 13 Prozent auf 447 Millionen Euro zu.

Besonders das dritte Geschäftsquartal sticht heraus: Das operative Ergebnis vervielfachte sich auf 60,2 Millionen Euro. Höherer Biomethanabsatz, eine Markterholung und saisonbedingt starke Nachfrage nach THG-Quoten wirkten zusammen. Auch der Free Cashflow drehte ins Positive — 33 Millionen Euro statt eines Abflusses von knapp 108 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Der eigentliche Gamechanger liegt in der Regulierung. Der Bundesrat verabschiedete im Mai die Neuregelung der Treibhausgasminderungsquote:

  • 2027: Anhebung von 12 auf 17,5 Prozent
  • Bis 2040: Schrittweiser Anstieg auf 65 Prozent
  • Neu: Abschaffung der Doppelanrechnung fortschrittlicher Biokraftstoffe
  • Ab 2027: Verbindliche Vor-Ort-Kontrollen zur Betrugsprävention

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand nun ein EBITDA am oberen Ende der Spanne von 100 bis 140 Millionen Euro. Am Standort Bitterfeld entsteht zudem die weltweit erste großtechnische Ethenolyse-Anlage. Dort sollen künftig biobasierte Spezialchemikalien produziert werden — Rohstoffe für Waschmittel, Schmiermittel und Windkraftanlagen.

Die Aktie notierte am Freitag bei 39,76 Euro. Trotz eines Wochenplus von über 15 Prozent liegt der RSI bei 30,5 — ein Signal, das auf kurzfristige Übertreibungen nach unten hindeutet. Die annualisierte Volatilität von rund 99 Prozent zeigt allerdings, wie nervös der Markt bei diesem Titel bleibt.

Siemens Energy: Rekordaufträge, aber die Börse zuckt zusammen

Siemens Energy hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 erneut Bestmarken gesetzt und die Jahresprognose zum zweiten Mal angehoben. Im zweiten Quartal stieg der Nettogewinn kräftig auf 835 Millionen Euro. Der Boom bei KI-Rechenzentren treibt die Auftragseingänge auf Rekordniveau.

Trotzdem reagierte die Börse mit Kursverlusten. Der Rücksetzer um knapp 5 Prozent am Freitag brachte die Aktie auf 169,18 Euro. Auf Wochensicht beträgt das Minus gut 5 Prozent. Die annualisierte Volatilität liegt bei über 52 Prozent — ein Wert, der selbst für Technologietitel ungewöhnlich hoch ist. Nach einer Verdopplung des Kurses innerhalb von zwölf Monaten nehmen Anleger offensichtlich Gewinne mit.

CEO Bruch präzisierte den Fahrplan für die Windsparte Gamesa: Der Durchbruch zur schwarzen Null erfolgt erst im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, nicht linear über das gesamte zweite Halbjahr. Beim Free Cashflow strebt das Management inzwischen bis zu 8 Milliarden Euro an.

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Unter 25 Analysten lautet der Konsens „Kaufen“. JP-Morgan-Analyst Phil Buller hält an seiner Kaufempfehlung fest und hob das Kursziel auf 200 Euro an. Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei 169,16 Euro — praktisch auf dem aktuellen Niveau. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Gamesa-Wende operativ hält oder ob die Volatilität neue Einstiegschancen schafft.

Vulcan Energy: 2,2 Milliarden Euro und ein enger Zeitplan

Vulcan Energy hat eine entscheidende regulatorische Hürde genommen. Die LiThermEx-Lizenz ist erteilt — die erste kommerzielle Genehmigung für Lithiumproduktion aus geothermalen Solen im Rheintal. Damit wandelt sich das Unternehmen vom Projektierer zum Bauherrn. Im April fiel der Grundstein für die zentrale Lithiumchemieanlage im Frankfurter Industriepark Höchst, im Beisein von Hessens Ministerpräsident.

Die erste Phase des Lionheart-Projekts zielt auf eine jährliche Produktion von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid ab, mit kommerziellem Start 2028. Rund 72 Prozent der geplanten Produktion sind bereits unter Fest- oder Mindestpreisvereinbarungen mit Abnehmern wie Stellantis, LG Energy Solution und Glencore kontrahiert.

Alles hängt jetzt am Financing-Close. Das Finanzierungspaket von 2,2 Milliarden Euro — getragen von 13 Institutionen einschließlich europäischer Exportkreditagenturen und der Europäischen Investitionsbank — soll im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Bis dahin finanziert Vulcan den Bau aus eigener Bilanz und verbrannte allein im ersten Quartal 76 Millionen Euro.

Die Aktie notiert bei 2,27 Euro, rund 43 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Canaccord Genuity bekräftigte Ende April eine Kaufempfehlung. Das Konsens-Kursziel von 4,45 Euro impliziert ein Aufwärtspotenzial von über 90 Prozent. Eine fristgerechte Unterzeichnung würde das Risikoprofil transformieren. Jede Verzögerung hingegen lenkt den Fokus auf den beschleunigenden Mittelabfluss — eine Baukette ohne Spielraum für Fehler. Am 28. Mai informiert CEO Cris Moreno die Aktionäre auf der Hauptversammlung in Perth über den aktuellen Stand.

ABO Energy: Restrukturierung ohne Finanzvorstand

Der Absturz ist beispiellos. Zwischen Juli 2025 und Februar 2026 brach der Kurs von 45,20 Euro auf 4,25 Euro ein — ein Wertverlust von über 90 Prozent. Der prognostizierte Jahresfehlbetrag für 2025 beläuft sich auf rund 170 Millionen Euro bei einer erwarteten Gesamtleistung von 230 Millionen Euro.

Das Management will den Konzern vom reinen Projektentwickler zum unabhängigen Stromproduzenten umbauen. Anlagen sollen künftig selbst betrieben, der Strom direkt vermarktet werden. Die Geschäftsführung räumt offen ein, dass diese Transformation ohne den Einstieg neuer Investoren nicht zu stemmen ist.

Immerhin wächst die operative Pipeline. Neue Baugenehmigungen im Saarland und in Nordrhein-Westfalen erweitern das deutsche Portfolio auf rund 650 Megawatt. Insgesamt umfasst die Projektpipeline etwa 30 Gigawatt an Wind-, Solar- und Batterieprojekten. Die Inhaber der bis 2029 laufenden Unternehmensanleihe stimmten den Sanierungsplänen fast einstimmig zu.

Ausgerechnet in dieser kritischen Phase fehlt ein Finanzvorstand. Alexander Reinicke verließ das Unternehmen im März überraschend. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei nur noch rund 42 Millionen Euro. Das Transformationsprogramm zielt darauf ab, bereits im Geschäftsjahr 2026 wieder ein positives Konzernergebnis zu erreichen. Der Jahresabschluss am 22. Juni und die Hauptversammlung am 13. August werden zeigen, ob die Sanierung tatsächlich greift.

Grünstrom-Sektor zwischen KI-Boom und negativen Strompreisen

Ein Muster hat sich in den vergangenen Quartalen verfestigt: Infrastruktur-Schwergewichte wie RWE und Siemens Energy profitieren direkt vom Doppeltrend aus Energiewende und KI-Stromhunger. Kleinere Spezialisten kämpfen mit unternehmensspezifischen Risiken — ob Finanzierungslücken bei Vulcan Energy, Restrukturierungsdruck bei ABO Energy oder die extreme Volatilität bei Verbio.

Im ersten Quartal 2026 wurden in der EU 1.223 Stunden mit negativen Strompreisen registriert, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Überschüsse aus erneuerbaren Energien in Spanien, Portugal und Griechenland erhöhen den Bedarf an kurzfristig steuerbaren Kapazitäten — und damit die strategische Bedeutung von Gaskraftwerken und Speichern. RWE plant, im Jahr 2026 mehr als 4 Gigawatt neue Erzeugungskapazität hinzuzufügen.

Für Anleger kristallisieren sich drei Beobachtungsfelder heraus: die deutschen Kapazitätsauktionen im Herbst als Gradmesser für RWE, der Financing-Close bei Vulcan Energy als binäres Ereignis und die Frage, ob ABO Energy den Turnaround ohne Finanzvorstand und ohne frisches Kapital glaubhaft umsetzen kann. Bei Verbio entscheidet die konkrete Umsetzung der verschärften THG-Quote, ob der aktuelle Kursanstieg nachhaltig ist oder ein Strohfeuer bleibt.

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Siemens Energy Aktie

169,18 EUR

– 8,92 EUR -5,01 %
KGV 66,80
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,39 %
Marktkapitalisierung 143,79 Mrd. EUR
ISIN: DE000ENER6Y0 WKN: ENER6Y

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