RWE und Scout24 führen den DAX — SAP kämpft um den Boden
Am Quartalsende zeigt sich eine klare Sektorrotation im DAX. Defensive Versorger und Plattformwerte wie RWE und Scout24 ziehen Kapital an, während ehemalige Tech-Favoriten wie SAP weiter kämpfen.

Kurz zusammengefasst
- Rwe nähert sich Jahreshoch nach Investitionsankündigung
- Scout24 erholt sich dank positivem Geschäftsbericht
- SAP zeigt Erholung nach starkem Ausverkauf
- Commerzbank leidet unter Übernahmeunsicherheit
Öl über 100 Dollar, Krieg im Nahen Osten und ein Favoritenwechsel an den Börsen: Der letzte Handelstag des ersten Quartals offenbart eine klare Spaltung im DAX. Während defensive Versorger und Plattformwerte Kapital anziehen, stecken ehemalige Highflyer in der Korrektur. Fünf Schwergewichte zeigen exemplarisch, wohin das Geld gerade fließt — und woher es abgezogen wird.
RWE: Energieriese nähert sich dem Jahreshoch
RWE gehört heute mit einem Plus von 4,51 % zu den stärksten Werten im gesamten Index. Der Kurs bei 56,52 Euro liegt nur noch knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 58,52 Euro, das Mitte März markiert wurde. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf über 20 %.
Die Gründe für den Lauf sind vielschichtig. Steigende Ölpreise und geopolitische Unsicherheit treiben Kapital in Versorgerwerte — RWE profitiert als klassischer defensiver Hafen. Gleichzeitig wirkt die strategische Offensive als Kurstreiber: Die kürzlich angekündigte 17-Milliarden-Euro-Investition in US-Stromkapazitäten zielt auf den boomenden Bedarf von KI-Rechenzentren. In der Nordsee genehmigte das zuständige Bundesamt Ende vergangener Woche 60 Windenergieanlagen im Projekt Nordseecluster B — ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu 900 Megawatt gesicherter Leistung.
Deutsche Bank Research untermauert den Optimismus. Analyst Olly Jeffery hob das Kursziel vergangene Woche von 55 auf 63 Euro an und stuft die Aktie weiterhin als Kauf ein. Den prognostizierten Gewinnanstieg bis 2031 hält er für konservativ geschätzt. Die Hauptversammlung am 30. April könnte als nächster Katalysator wirken.
Scout24: Geschäftsbericht und Dividende drehen die Stimmung
Scout24 springt um 5,08 % auf 66,20 Euro — eine Reaktion, die nach Wochen der Schwäche überfällig schien. Noch am vergangenen Montag hatte die Aktie mit 63,00 Euro ein neues 12-Monats-Tief erreicht. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von über 22 %.
Den Impuls liefert der integrierte Geschäftsbericht 2025, den das Unternehmen am 26. März veröffentlichte. Die Kernbotschaft: profitabler Kurs bestätigt. Für 2025 wird eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie vorgeschlagen. Der Vorstand wiederholt seine Prognose für das laufende Jahr:
- Umsatzwachstum: 16 bis 18 Prozent, davon 6 bis 7 Prozentpunkte durch die Spanien-Akquisition
- EBITDA-Marge: bis zu 61 Prozent insgesamt, organisch sogar bis zu 64 Prozent
- Aktienrückkäufe: Seit Januar summieren sich die Rückkäufe auf 753.904 Aktien
Zweistelliges Wachstum bei einer Marge über 60 % — Scout24 demonstriert damit die Skaleneffekte seines Plattformmodells. Die EZB-Zinspolitik bleibt der zentrale Hebel. Eine schrittweise Belebung des Immobilienmarkts könnte das Inseratsvolumen auf ImmoScout24 weiter stützen und den Turnaround im Kurs verstetigen.
SAP: Technische Gegenbewegung nach brutalem Ausverkauf
SAP legt heute 4,23 % zu und notiert bei 148,36 Euro. Ein Lichtblick — der allerdings in den richtigen Kontext gehört. In der vergangenen Woche verlor die Aktie mehr als 10 %, im letzten Monat knapp 13 %. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus über 26 %. Am vergangenen Freitag markierte der Kurs bei 142,34 Euro ein neues 12-Monats-Tief.
Das heutige Plus ist als Erleichterungsrally zu werten. Die Aktie war zuletzt überverkauft, Momentumindikatoren signalisierten eine Gegenreaktion. Der fundamentale Hintergrund bleibt komplex: JPMorgan hatte zuletzt skeptischere Töne zum Cloud-Wachstum angeschlagen. Die aggressive Migration der Bestandskunden von On-Premise-Systemen in die Cloud — über Programme wie „RISE with SAP“ und „GROW with SAP“ — bildet das Rückgrat der Konzernstrategie. Gleichzeitig hat der Walldorfer Konzern einen langen Rechtsstreit beigelegt und ein milliardenschweres Rückkaufprogramm aufgelegt.
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Ob aus der heutigen Gegenbewegung ein echtes Trendwechselsignal wird, hängt maßgeblich von den Q1-Zahlen ab. Diese werden für den 23. April erwartet und dürften die Richtung für das zweite Quartal vorgeben. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 271,60 Euro beträgt über 45 % — die Fallhöhe der vergangenen Monate war enorm.
Siemens Energy: Konsolidierung nach 160-Prozent-Rally
Während die Gewinner kräftig zulegen, gibt Siemens Energy heute 0,80 % auf 141,85 Euro nach. Das Minus wirkt gering. Im größeren Bild zeigt sich jedoch ein deutlicher Tempoverlust: Seit dem Allzeithoch bei knapp 170 Euro im Februar hat das Papier rund 16 % eingebüßt. Auf Zwölfmonats-Sicht steht dennoch ein Plus von über 160 %.
Gewinnmitnahmen nach einer derart außergewöhnlichen Rally sind nachvollziehbar. Ein entscheidender Baustein für das weitere Kurspotenzial bleibt die Sanierung der Windkrafttochter Siemens Gamesa. Das Management hält am Ziel fest, im Geschäftsjahr 2026 den Break-even zu erreichen. Das laufende Aktienrückkaufprogramm — Anfang März mit einem Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro angekündigt — stützt den Kurs zusätzlich.
Besonders heute könnte noch Bewegung aufkommen: Um 18 Uhr hält Siemens Energy einen Pre-Close-Call ab, bei dem Analysten Hinweise erhalten, ob ihre Schätzungen zum Geschäftsverlauf in die richtige Richtung weisen. Konkrete Zahlen dürfen dabei nicht genannt werden — ein Signal zur Tendenz reicht aber oft, um die Nachbörse in Bewegung zu setzen.
Commerzbank: Übernahmechaos überschattet Rekordergebnis
Die Commerzbank verliert 0,62 % auf 30,22 Euro und verharrt in einem Konsolidierungsmuster, das seit Wochen von einem einzigen Thema dominiert wird: dem Übernahmeangebot der UniCredit. Die italienische Großbank hält bereits knapp 30 % der Anteile und hat ein freiwilliges Tauschangebot vorgelegt — 0,485 UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Aktie, rechnerisch rund 30,80 Euro.
Der Markt preist offenbar ein höheres Angebot ein. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat das bisherige Angebot als nicht werthaltig zurückgewiesen. Bundesregierung, Betriebsrat und Gewerkschaft stellen sich ebenfalls gegen die Übernahme. Seit Jahresbeginn hat die Aktie über 17 % verloren — die Unsicherheit wiegt schwerer als die operative Stärke.
Und operativ läuft es so gut wie nie. Das letzte Geschäftsjahr brachte ein operatives Ergebnis von 4,5 Milliarden Euro — 18 % mehr als im Vorjahr und ein historischer Bestwert. Trotzdem kreuzte der Kurs am 26. März die 20-Tage-Linie nach unten. Solange die UniCredit-Frage offen bleibt, dürfte die Aktie weiter in einer engen Spanne pendeln.
Sektor-Rotation zum Quartalswechsel — und was jetzt zählt
Öl, Krieg und KI-Skepsis haben das erste Quartal 2026 geprägt. Der letzte Handelstag liefert ein bezeichnendes Bild: Wer auf defensive Versorger wie RWE oder kapitalleichte Plattformmodelle wie Scout24 gesetzt hat, steht deutlich besser da als Anleger in hochbewerteten Tech- oder Industriewerten.
SAPs heutige Erholung ist charttechnisch interessant, aber kein belastbares Trendwechselsignal nach einem derart tiefen Einbruch. Siemens Energy und Commerzbank stehen stellvertretend für Werte, die nach starken Vorjahresläufen in Konsolidierungsphasen eingetreten sind. Bei Siemens Energy entscheidet der Gamesa-Turnaround über den nächsten Schub, bei der Commerzbank das Ergebnis des UniCredit-Pokerspiels. Die nächsten Richtungsmarken: der Pre-Close-Call von Siemens Energy heute Abend und SAPs Q1-Zahlen am 23. April.
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