Saab Aktie: Airbus sucht Partner nach FCAS-Bruch
Nach dem FCAS-Aus sucht Airbus einen neuen Partner für den Kampfjet der Zukunft. Saab in Schweden gilt als vielversprechender Kandidat für die Kooperation.
Kurz zusammengefasst
- FCAS-Programm nach neun Jahren beendet
- Airbus führt Gespräche mit Saab
- Schweden besitzt eigene Kampfjet-Kompetenz
- Saab-Aktie trotz starkem Auftragsbestand schwach
Nach neun Jahren ist das europäische Prestigeprojekt FCAS gescheitert. Deutschland und Frankreich haben das 100-Milliarden-Euro-Programm im Juni 2026 beendet. Jetzt sucht Airbus einen neuen Partner für die nächste Kampfjet-Generation — und schaut dabei zunehmend nach Stockholm.
Neun Jahre, null Ergebnis
Das Future Combat Air System sollte Frankreichs Rafale und den Eurofighter ersetzen. Gestartet 2017, zerbrach das Programm an dauerhaften Konflikten zwischen Dassault Aviation und Airbus. Douglas Barrie vom IISS bringt es auf den Punkt: Das Scheitern zeige, wie schwer es sei, militärische, politische und industrielle Prioritäten in Einklang zu bringen. Die Entscheidung darüber, was als Nächstes kommt, wird die europäische Luftmacht für Jahrzehnte prägen.
Airbus dreht sich Richtung Norden
Airbus und Saab führen seit mindestens sechs Monaten Sondierungsgespräche. Bisher blieben die Kontakte bewusst vage — um das laufende FCAS-Projekt nicht zu gefährden. Mit dem offiziellen Bruch zwischen Airbus und Dassault, der auf der Berlin Airshow besiegelt werden soll, fällt diese Rücksicht weg.
Airbus Defence & Space CEO Michael Schoellhorn bestätigte Saab als möglichen Partner, ließ aber andere Optionen offen. Saab selbst formulierte es diplomatisch: Man habe eine offene Tür und sei grundsätzlich zu Zusammenarbeit bereit. Eine formale Vereinbarung gibt es bislang nicht.
Saab bringt echte Kampfjet-Kompetenz mit. Während Europa den Eurofighter entwickelte, baute Schweden eigenständig den Gripen. Für die nächste Generation forscht Saab an einem Gripen-Nachfolger. Im Oktober 2025 erhielt das Unternehmen einen Vertrag über rund 276 Millionen Dollar für konzeptionelle Studien — inklusive bemannter und unbemannter Lösungen. Politische Entscheidungen über das weitere Vorgehen fallen frühestens 2030.
GCAP als Alternative — mit Haken
Airbus hat noch eine zweite Option: das britisch-italienisch-japanische GCAP-Programm. Leonardo-Chef Lorenzo Mariani bezeichnete Berlin als besonders wertvollen potenziellen Partner. Allerdings läuft GCAP auf einen engen Zeitplan zu — Fertigstellung bis 2035, abgestimmt mit Japan. Deutschland käme dort wohl nur eine Nebenrolle zu.
Analysten zweifeln außerdem, ob deutsche und schwedische Anforderungen tatsächlich kompatibel sind. Das ist keine Kleinigkeit. Ohne Anforderungskonvergenz bleibt jede Partnerschaft Theorie.
Starkes Auftragsbuch, schwacher Kurs
Saabs Aktie hat in den vergangenen 90 Tagen rund 22 Prozent verloren. Das steht im Kontrast zur operativen Stärke: Der Auftragsbestand liegt bei rund 197 Milliarden schwedischen Kronen. Allein in den vergangenen Tagen kamen neue Verträge über mehr als 16 Milliarden Kronen hinzu.
Die strategische Dimension geht weit über das Tagesgeschäft hinaus. Sollte Airbus Saab tatsächlich als Hauptpartner für die nächste Kampfjet-Generation wählen, würde das die europäische Rüstungslandschaft neu ordnen. Bis dahin bleiben politische Weichenstellungen — in Berlin, Stockholm und Brüssel — der entscheidende Faktor.
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