Salesforce Aktie: Agentforce mit 1,2 Milliarden Dollar ARR
Salesforce präsentiert Q2-Zahlen: KI-Umsatz verdreifacht, Bewertung günstig. Analysten sehen Potenzial trotz schwachem organischem Wachstum.
Kurz zusammengefasst
- KI-Umsatz verdreifacht sich
- Aktie deutlich unterbewertet
- Analysten sehen Kurspotenzial
- cRPO-Wachstum als Lackmustest
Heute nach Börsenschluss legt Salesforce seine Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor – und für mich ist dieser Termin mehr als eine Pflichtübung. Er entscheidet, ob die These trägt, dass der Markt das Unternehmen unterm Strich zu pessimistisch bewertet.
Die Ausgangslage ist widersprüchlich, und genau das macht den Tag spannend. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von 3,27 US-Dollar, ein Plus von rund zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Umsatz von 11,33 Milliarden Dollar.
Der Optionsmarkt preist für die Aktie eine Kursbewegung von 7,38 Prozent ein – deutlich mehr als die durchschnittliche Reaktion von 3,33 Prozent der vergangenen vier Quartale. Das ist kein Nebengeräusch, das ist ein Signal: Der Markt erwartet keine Routine-Zahlen, sondern eine echte Weichenstellung.
Die Kluft zwischen Konsens und Kurszielen
Was mich an der aktuellen Situation überzeugt, ist die Diskrepanz zwischen der Kursentwicklung und dem, was Analysten für die Zukunft sehen. Die Aktie hat im laufenden Jahr über zwanzig Prozent verloren, notiert aber aktuell bei 176,68 Euro und damit rund drei Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 171,49 Euro – ein Indiz dafür, dass sich der mittelfristige Trend zuletzt gedreht haben könnte.
Gleichzeitig sehen 25 von 36 erfassten Analysten die Aktie als Kauf, bei einem durchschnittlichen Kursziel von 238,94 US-Dollar. Truist-Analyst Terry Tillman bestätigt seine Kaufempfehlung sogar mit einem Kursziel von 280 US-Dollar. Das wäre, sollte es eintreten, eine massive Neubewertung.
Für mich ist entscheidend, worauf sich diese Zuversicht stützt: nicht auf Wachstumsfantasie allein, sondern auf harte Zahlen zur KI-Monetarisierung. Agentforce, die KI-Agentenplattform, hat laut den vorliegenden Quartalsangaben einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar erreicht – ein Plus von 205 Prozent.
Der gesamte KI-ARR liegt bei 3,4 Milliarden Dollar, ebenfalls mit einer Verdreifachung im Jahresvergleich. Das sind keine Pilotprojekte mehr, sondern ein Geschäft mit Substanz, das TTEC Digital mit der ersten Live-Implementierung des Agentforce Contact Centers bei Compass Working Capital gerade praktisch untermauert hat – dort sollen jährlich 6.000 Arbeitsstunden eingespart werden.
Bewertung spricht für mich gegen die Panik
Was mich zusätzlich in meiner Haltung bestärkt, ist die fundamentale Bewertung. Salesforce wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 21 gehandelt – deutlich unter dem Durchschnitt der Softwarebranche von etwa 31 und weit unter der direkten Peer-Gruppe mit über 51. Ein Discounted-Cashflow-Modell kommt auf eine Unterbewertung von mehr als 45 Prozent, gestützt auf einen freien Cashflow der vergangenen zwölf Monate von 14,5 Milliarden Dollar. Das ist die Art von Cash-Generierung, die einem Unternehmen erlaubt, gleichzeitig zu investieren und Kapital an Aktionäre zurückzugeben – Marc Benioff hatte für das vorangegangene Quartal bereits einen Aktienrückkauf von 27 Milliarden Dollar angekündigt, einen der größten seiner Art.
Ich will die Risiken nicht kleinreden. Das organische Wachstum ohne die Informatica-Übernahme liegt Berichten zufolge nur bei sechs bis sieben Prozent, deutlich unter der Gesamtwachstumsrate. Wer glaubt, Salesforce wachse aus eigener Kraft mit zweistelligen Raten, irrt.
Die Bearish-Szenarien mancher Analysten sehen die Aktie sogar um bis zu 29 Prozent überbewertet, sollte die KI-Story nicht liefern. Die für heute Abend erwartete Kennziffer des aktuellen Restumsatzvolumens (cRPO) von rund 33,4 Milliarden Dollar wird zeigen, ob das Neugeschäft mit der nötigen Dynamik nachkommt.
Mein Fazit
Unterm Strich überwiegen für mich die Chancen. Die Kombination aus günstiger Bewertung, robuster Cash-Generierung und einer KI-Sparte, die inzwischen reale Umsatzzahlen statt Ankündigungen liefert, spricht dafür, dass der Markt Salesforce in den vergangenen Monaten zu hart abgestraft hat. Die heutigen Zahlen sind der Lackmustest – fällt das cRPO-Wachstum wie erwartet aus, dürfte die Skepsis der vergangenen Quartale weiter bröckeln.
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