Salesforce Aktie: Schulden für Rückkäufe

Salesforce finanziert sein massives Rückkaufprogramm mit einer Rekordanleihe, während Analysten die Aktie abwerten und Ratingagenturen die Verschuldungspolitik kritisieren.

Eduard Altmann ·
Salesforce Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Größte Anleiheemission der Unternehmensgeschichte geplant
  • Mehrere Analysten senken ihre Kursziele deutlich
  • Operative Geschäftszahlen zeigen weiteres Wachstum
  • KI-Produkt Agentforce entwickelt sich zum Wachstumstreiber

Salesforce plant die größte Anleiheemission seiner Unternehmensgeschichte – bis zu 25 Milliarden Dollar, um ein massives Aktienrückkaufprogramm zu finanzieren. Gleichzeitig häufen sich die Analystenabstufungen, und die Aktie notiert rund 22 Prozent unter ihrem Jahresanfangsniveau. Starke Geschäftszahlen und ein wachsendes KI-Geschäft stehen damit einer wachsenden Skepsis über die neue Finanzstrategie gegenüber.

Die Anleihe und ihre Folgen

Ende Februar hatte Salesforce ein 50-Milliarden-Dollar-Rückkaufprogramm sowie eine Dividendenerhöhung von 5,8 Prozent angekündigt. Nun soll ein erheblicher Teil davon über Fremdkapital finanziert werden. Geplant ist eine US-Anleihe von mindestens 20 Milliarden Dollar, möglicherweise noch diese Woche. Beauftragt wurden JPMorgan Chase, Bank of America, Barclays, Citigroup und Wells Fargo.

Die Ratingagenturen reagierten kritisch. Moody’s stufte Salesforce um eine Stufe auf A2 herab und bezeichnete den Schritt als „wesentliche Verschiebung in der Finanzpolitik“ mit einer höheren Toleranz für Verschuldung. S&P Global setzte den Ausblick auf negativ. Zuletzt hatte Salesforce 2021 den Anleihemarkt angezapft – damals mit 8 Milliarden Dollar für die Slack-Übernahme.

Analysten senken Kursziele

Northland Securities stufte die Aktie am Dienstag auf „Market Perform“ herab und senkte das Kursziel von 267 auf 229 Dollar – mit Verweis auf Bedenken zur Wachstumsdynamik und Bewertung. TD Cowen und DA Davidson folgten mit Kurszielsenkungen auf 250 beziehungsweise 200 Dollar.

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 liegt deutlich unter dem historischen Dreijahresdurchschnitt von 132 – ein Hinweis darauf, wie stark sich die Markterwartungen an das Unternehmen verändert haben.

Starkes Geschäft, wachsendes KI-Segment

Operativ lieferte Salesforce im Geschäftsjahr 2026 Rekordwerte: Der Gesamtumsatz stieg um 10 Prozent auf 41,5 Milliarden Dollar. Das vierte Quartal wuchs mit 12 Prozent so schnell wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen – ein Indikator für künftige Umsätze – summierten sich auf 72,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 14 Prozent.

Das KI-Produkt Agentforce entwickelt sich zum zentralen Wachstumstreiber. In den ersten 15 Monaten nach dem Launch schloss Salesforce mehr als 29.000 Deals ab. Der jährlich wiederkehrende Umsatz des Produkts wuchs um 169 Prozent auf 800 Millionen Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 45,8 und 46,2 Milliarden Dollar – ein weiteres Wachstum von 10 bis 11 Prozent.

Hinzu kommt eine Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic, die im vierten Quartal einen Bewertungsgewinn von 811 Millionen Dollar beisteuerte.

Agentforce bei der Formel 1

Als prominentes Praxisbeispiel für Agentforce-Deployments hat die Formel 1 ihre Zusammenarbeit mit Salesforce bis 2030 verlängert. Auf F1.com wurde ein KI-gestützter Fan-Assistent eingeführt, der Nutzern die neuen 2026er-Regularien erklärt. Im Kundenservice sank die durchschnittliche Reaktionszeit durch Agentforce-Unterstützung um 80 Prozent; im Marketing stiegen die Klickraten um 22 Prozent.

Das Spannungsfeld zwischen soliden Fundamentaldaten und der wachsenden Skepsis gegenüber KI-getriebenen SaaS-Bewertungen dürfte die Kursentwicklung von Salesforce in den kommenden Quartalen prägen – zumal die Ratingagenturen die erhöhte Verschuldung nun genau beobachten werden.

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