Samsung-Deal beflügelt Broadcom, SAP erholt sich stark
Broadcom sichert sich Milliarden-Deal mit Samsung, SAP erholt sich dank Rekord-Cloud-Aufträgen, während Oracle und IBM unter Druck bleiben.

Kurz zusammengefasst
- Broadcom und Samsung vereinbaren Chip-Pakt
- SAP mit Rekord-Cloud-Auftragsbestand
- IBM kämpft mit Kurseinbruch und Untersuchung
- Oracle trotz Pentagon-Auftrag unter Druck
Fünf Namen, fünf völlig unterschiedliche Geschichten: Während Broadcom einen Chip-Pakt im dreistelligen Milliardenbereich einfährt und SAP nach einer turbulenten Bilanzvorlage kräftig zulegt, kämpft Oracle mit der Schuldenlast seines KI-Ausbaus. IBM verdaut noch immer den heftigsten Kurseinbruch seiner jüngeren Geschichte, während SoftBank mit Milliardenwetten auf Roboter und physische KI einen ganz eigenen Weg einschlägt. Der KI-Sektor zeigt gerade, wie unterschiedlich ein und derselbe Boom seine Profiteure behandeln kann.
SAP: Cloud-Auftragsbestand auf Rekordniveau treibt die Erholung
Nach einer volatilen Reaktion auf die Quartalszahlen hat sich die SAP-Aktie kräftig erholt. Am Freitag schoss der Kurs um 9,15 Prozent nach oben und schloss bei 140,80 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 1,40 Prozent, über 30 Tage sind es 4,39 Prozent.
Der Auslöser: ein Rekord-Cloud-Auftragsbestand von 22,9 Milliarden Euro, ein Plus von 27 Prozent. Das zweite Quartal brachte einen Gewinn je Aktie von 1,59 Euro nach 1,50 Euro im Vorjahr, bei einem Umsatz von 9,88 Milliarden Euro gegenüber 9,03 Milliarden Euro. Getragen wurde das Wachstum vor allem von Autonomous Enterprise und Business AI.
Für 2026 rechnet SAP nun mit einem operativen Non-IFRS-Gewinn zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro. Das schließt eine Verwässerung von mehr als 100 Millionen Euro durch die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs ein. Die Prognose für den Cloud-Umsatz von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro bleibt bestehen.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte ein Großkunde: Airbus hat sich für „RISE with SAP“ in Kombination mit einem souveränen Cloud-Betriebsmodell entschieden. Mehr als 100.000 Airbus-Mitarbeiter sollen künftig von der einheitlichen Technologiebasis profitieren. Trotz des Kursanstiegs bleibt die Aktie mit einem Abstand von 44,60 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bei 254,15 Euro noch weit von alten Bestmarken entfernt, notiert aber gut 10 Prozent über dem jüngsten Jahrestief.
IBM: Nach dem Kurssturz bleibt die Nervosität hoch
Kein anderer Name im Sektor sorgte zuletzt für so viel Aufregung wie IBM. Mitte Juli brach die Aktie an einem einzigen Handelstag um mehr als 25 Prozent ein, nachdem das Management vor schwachen vorläufigen Quartalszahlen gewarnt hatte. Es war der schwerste Tagesverlust seit Jahrzehnten. CEO Arvind Krishna räumte ein, das Quartal sei „schlechter als erwartet“ ausgefallen, während steigende Chip-Kosten dem Konzern zusetzten.
Verschärft wurde die Lage durch eine Untersuchung wegen mutmaßlicher Manipulation im Vertriebs-Pipeline-Reporting, die nach dem Kurseinbruch bekannt wurde. Seither hat sich die Stimmung etwas stabilisiert, bleibt aber fragil. Am Freitag legte die Aktie um 3,74 Prozent auf 188,38 Euro zu, nach einem Plus von 1,33 Prozent auf Wochensicht. Über 30 Tage steht allerdings immer noch ein Minus von 18,63 Prozent zu Buche, der RSI von 35,5 signalisiert eine überverkaufte Aktie.
Die Analystenreaktionen fallen gespalten aus. Susquehanna senkte das Kursziel von 303 auf 225 US-Dollar, Citigroup von 255 auf 245 Dollar und Goldman Sachs von 335 auf 270 Dollar. Auf der optimistischen Seite hob Wedbush-Analyst Dan Ives sein Ziel auf 350 Dollar an, Barclays startete die Coverage mit „Overweight“ und ebenfalls 350 Dollar. Der Konsens aus 22 Analysten liegt bei „Moderate Buy“ mit einem Kursziel von durchschnittlich 297,77 Dollar.
Oracle: Pentagon-Auftrag kann die Schuldensorgen nicht überdecken
Oracle hat einen prestigeträchtigen Auftrag an Land gezogen, doch die Aktie honoriert das kaum. Das Pentagon vergab einen Vertrag über fast 7 Milliarden Dollar für ein Jahrzehnt, der Oracle-Software in lokalen Rechenzentren des Militärs, der Geheimdienste und der Küstenwache absichert. Die Basisvereinbarung beläuft sich über fünf Jahre auf 3,31 Milliarden Dollar, mit Option auf eine Verlängerung.
Der Kurs blieb davon unbeeindruckt: Am Freitag rutschte die Aktie um 4,08 Prozent auf 101,20 Euro ab, nur knapp über dem jüngsten 52-Wochen-Tief von 101,06 Euro. Über sieben Tage summiert sich der Verlust auf 8,42 Prozent, über 30 Tage auf 27,11 Prozent. Der RSI von 27,6 zeigt eine deutlich überverkaufte Lage.
Der Grund für den Abverkauf liegt im massiven Investitionsprogramm für die KI-Infrastruktur. Die Investitionsausgaben erreichten im Geschäftsjahr 2026 rund 55,66 Milliarden Dollar, was den freien Cashflow auf minus 23,69 Milliarden Dollar drückte. Das Management plant, im Geschäftsjahr 2027 zusätzlich rund 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen.
Ein Lichtblick bleibt das Cloud-Geschäft: Während der Softwareumsatz insgesamt leicht rückläufig war, wuchs der Cloud-Umsatz um 47 Prozent, getrieben von der Auslastung durch OpenAI und andere Großkunden. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Oracle einen Umsatz von rund 90 Milliarden Dollar an, ein Wachstum von etwa 34 Prozent.
SoftBank: Wette auf Roboter statt reine Software
SoftBank schlägt einen deutlich anderen Kurs ein als die übrigen Namen im Sektor. Der Konzern prüft eine Übernahme des deutschen Robotik-Spezialisten Gravis Robotics und plant, die Beteiligung über eine neu gegründete Gesellschaft namens Roze zu bündeln. Das passt zu einem Muster: Innerhalb eines Jahres hat Masayoshi Sons Konzern ein Robotik-Portfolio aufgebaut, von einer möglichen Investition über 800 Millionen Dollar bei Agile Robots bis zu kleineren Wetten auf Autonomie-Technik für bestehende Maschinen.
Parallel treibt SoftBank ein nationales KI-Projekt voran. Gemeinsam mit Sony und Honda führt der Konzern ein Konsortium aus 44 japanischen Unternehmen an, das seit dem 16. Juli an einem souveränen KI-Basismodell arbeitet. Japans Regierung stellt dafür über fünf Jahre bis zu 1 Billion Yen bereit, umgerechnet rund 6,2 Milliarden Dollar.
Am Aktienmarkt bleibt SoftBank ein Nervenkitzel. Am Freitag fiel der Kurs um 5,65 Prozent auf 29,30 Euro, nach einem Rückgang von 3,30 Prozent über sieben Tage und 17,46 Prozent über 30 Tage. Der RSI von 39,2 deutet auf nachlassenden Verkaufsdruck hin, die annualisierte Volatilität von knapp 64 Prozent zeigt aber weiterhin starke Kursausschläge. Deutsche Bank stufte die Aktie zuletzt von „Buy“ auf „Hold“ zurück, erhöhte das Kursziel aber leicht auf 8.700 Yen.
Broadcom: Samsung-Pakt bestätigt die Sonderrolle im Sektor
Broadcom lieferte die strukturell bedeutsamste Nachricht der Woche. Samsung Electronics vereinbarte mit dem Chip-Konzern eine Ausweitung der Zusammenarbeit bei Speicherchips, Auftragsfertigung und fortschrittlicher Packaging-Technik, die bis 2030 ein Volumen von mehr als 200 Milliarden Dollar erreichen soll. Im Zentrum steht Samsungs Fertigung im 2-Nanometer-Bereich für Broadcom-Produkte.
Der Deal reiht sich in eine breitere Welle koreanischer Chip-Zusagen ein: Zusammen mit einer separaten Vereinbarung von SK Hynix über 750 Milliarden Dollar mit US-Partnern wie Nvidia summiert sich das kombinierte US-koreanische Halbleiterpaket auf rund 950 Milliarden Dollar.
Am Markt zeigt sich Broadcom robust. Die Aktie schloss am Freitag bei 335,50 Euro, ein Minus von 2,78 Prozent zum Vortag, liegt aber über sieben Tage mit 3,53 Prozent im Plus. Seit Jahresanfang steht ein Zuwachs von 12,72 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sogar 36,60 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro fehlen noch rund 22 Prozent, zum Jahrestief liegt der Abstand bereits bei über 36 Prozent.
Sektordynamik im Vergleich
Die fünf Werte stehen für fünf unterschiedliche Phasen des KI-Zyklus:
- Broadcom profitiert als Zulieferer von kundenspezifischen Chips von der Nachfragewelle und wird dafür mit einer Bewertungsprämie belohnt.
- Oracle trägt die Kostenseite desselben Infrastrukturbooms und häuft Schulden an, während das Cloud-Geschäft gleichzeitig beschleunigt.
- SAP zeigt, wie ein europäischer Softwarekonzern die KI-Transformation über Zukäufe und Großkundenverträge wie Airbus meistert, auch wenn die Übernahmen kurzfristig auf der Marge lasten.
- IBM bleibt das Mahnmal des Sektors: Ein einzelner Gewinnschock reichte, um Milliardenwerte an der Börse zu vernichten.
- SoftBank verlagert sein Engagement zunehmend von reiner Software hin zu physischer KI und Robotik.
Ausblick: Diese Punkte entscheiden über die nächsten Wochen
Bei Oracle wird entscheidend sein, wie schnell sich der Pentagon-Auftrag in konkrete Bestellungen übersetzt und ob die geplante Kapitalaufnahme reibungslos gelingt. IBM muss beweisen, dass die Auftragsverschiebungen im zweiten Quartal ein einmaliges Ereignis waren und nicht der Beginn eines strukturellen Problems – die laufende Untersuchung dürfte dabei zusätzliche Aufmerksamkeit auf jede Aussage des Managements lenken.
SAP steht vor der Aufgabe, das Wachstum im Cloud-Auftragsbestand zu halten und gleichzeitig die frischen Zukäufe profitabel zu integrieren. Bei SoftBank wird sich zeigen, ob die Robotik-Wette samt möglichem Gravis-Deal tatsächlich Wert für Aktionäre schafft. Und bei Broadcom hängt viel davon ab, ob Samsung die versprochenen Fertigungskapazitäten im vereinbarten Zeitrahmen liefern kann. Der Sektor bleibt damit ein Feld extremer Gegensätze – zwischen Rekordaufträgen auf der einen und Vertrauenskrisen auf der anderen Seite.
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