Samsung-Streik abgewendet, Intel erzwingt Chipwechsel — AMD und Marvell im KI-Rausch
Intel drängt Partner zu 18A-Chips, AMD und Marvell profitieren von KI-Boom. Samsung-Streik abgewendet, Rocket Lab auf Allzeithoch.

Kurz zusammengefasst
- Intel zwingt Partner zu neuer Architektur
- AMD schließt Milliarden-Deals mit OpenAI
- Rocket Lab erreicht neues Allzeithoch
- Samsung einigt sich mit Gewerkschaft
Knapp 47.000 Samsung-Beschäftigte standen heute Morgen vor einem historischen Arbeitskampf. Gleichzeitig drängt Intel seine PC-Partner mit harter Hand zur neuen 18A-Architektur — und AMD sowie Marvell Technology jagen von Rekord zu Rekord. Die Halbleiterbranche erlebt eine Woche, in der KI-Euphorie und handfeste Lieferkettenrisiken frontal aufeinanderprallen. Mittendrin: Rocket Lab, das am Allzeithoch notiert und sich im Rüstungsgeschäft festkrallt.
Intel: Alte Chips rationiert, neue Architektur aufgezwungen
Intel verfolgt eine ungewöhnlich aggressive Strategie, um die Einführung seiner 18A-basierten Prozessoren zu beschleunigen. PC- und Notebook-Hersteller in den USA, China und Taiwan werden faktisch vor die Wahl gestellt: Systeme um 18A herum entwickeln — oder leer ausgehen. Die älteren Intel-7-Chips für den Konsumentenmarkt sind praktisch eingefroren, die verbleibende Kapazität fließt in das margenstärkere Server- und Industriegeschäft.
Wie drastisch die Verknappung ausfällt, zeigt ein Beispiel aus der Branche: Ein OEM bestellte 100 Prozessoren auf Intel-7-Basis und erhielt 30 Stück — davon zehn bereits auf dem neuen 18A-Node. Intels Panther-Lake- und Wildcat-Lake-Familien sollen die Lücke füllen, doch für viele Partner kommt der erzwungene Architekturwechsel zu früh.
Die Q1-Zahlen untermauern zumindest die operative Erholung. Der Umsatz stieg um 7 % auf 13,6 Milliarden Dollar und übertraf die Konsensschätzung deutlich. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,29 Dollar — die Wall Street hatte gerade einmal 0,01 Dollar erwartet. Mit einem YTD-Plus von über 200 % und einem Kurs von zuletzt 102,36 Euro gehört Intel zu den spektakulärsten Comebacks des Jahres.
Die Kehrseite: Im Servermarkt bröckelt Intels Dominanz weiter. Der Marktanteil sank im ersten Quartal um 370 Basispunkte auf 54,9 %, während AMD auf 27,4 % kletterte und ARM-basierte Chips 17,7 % erreichten. Citi erhöhte das Kursziel auf 130 Dollar, Benchmark sogar auf 140 Dollar. Der Konsens von 48 Analysten bleibt allerdings bei „Hold“ mit einem Zwölfmonatsziel von 87,86 Dollar — eine bemerkenswerte Diskrepanz zum aktuellen Kurs.
Parallel sorgt ein möglicher Foundry-Deal mit Apple für Fantasie. Die beiden Unternehmen sollen eine vorläufige Vereinbarung geschlossen haben, wonach Intel Chips im Auftrag Apples fertigen würde. Details fehlen bislang.
AMD: Milliarden-Deals mit OpenAI und Meta befeuern die Rally
AMD hat sich 2026 endgültig als KI-Infrastruktur-Schwergewicht etabliert. Die Aktie notiert nahe ihrem 52-Wochen-Hoch von 389,50 Euro und hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Der Kurs von 385,25 Euro spiegelt eine Bewertung mit dem rund 58-Fachen der erwarteten Gewinne — deutlich über dem Branchenmedian von etwa 37.
Die Q1-Ergebnisse rechtfertigen einen Teil dieses Aufschlags. Der Umsatz erreichte 10,3 Milliarden Dollar bei einer Bruttomarge von 53 %. Das Rechenzentrumsgeschäft explodierte um 57 % auf 5,8 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal peilt AMD rund 11,2 Milliarden Dollar Umsatz an — ein Wachstum von etwa 46 % gegenüber dem Vorjahr.
Die eigentliche Dimension der KI-Wette zeigen die Hyperscaler-Verträge:
- OpenAI sicherte sich eine mehrjährige Kapazitätszusage über 6 Gigawatt AMD-GPUs. Die erste Gigawatt-Tranche mit MI450-Chips soll im zweiten Halbjahr 2026 starten. Der Deal umfasst auch einen Warrant über bis zu 160 Millionen AMD-Aktien.
- Meta verpflichtete sich zu bis zu 6 Gigawatt an Custom-AMD-Instinct-MI450-Deployments. Der geschätzte Vertragswert: rund 60 Milliarden Dollar über die Laufzeit.
- AMD beziffert den adressierbaren CPU-Markt bis 2030 auf 120 Milliarden Dollar.
Die Analystenreaktionen fielen entsprechend euphorisch aus. Bernstein stufte auf „Outperform“ hoch mit einem Ziel von 525 Dollar, Barclays und Cantor Fitzgerald gingen auf 500 Dollar, Goldman Sachs wechselte von „Hold“ auf „Buy“ und verdoppelte das Kursziel nahezu auf 450 Dollar. Bank of America verwies auf AMDs noch immer niedrigen Marktanteil von 6 % in einem Markt, der bis 2030 auf 1,5 Billionen Dollar anwachsen könnte.
Rocket Lab: Allzeithoch, Rekord-Backlog und der Neutron-Countdown
Rocket Lab notiert mit 115,60 Euro exakt am 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus knapp 78 %, die Volatilität liegt bei annualisierten 123 %. Die Aktie hat sich seit ihrem Tief bei 22,00 Euro im Juni 2025 mehr als verfünffacht.
Ausgelöst wurde die jüngste Kursexplosion durch Q1-Zahlen, die alle Erwartungen übertrafen. Der Umsatz kletterte um 63,5 % auf 200,3 Millionen Dollar — ein Unternehmensrekord. Der Auftragsbestand verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr auf 2,2 Milliarden Dollar. Am Tag der Ergebnisse schoss die Aktie um 34 % nach oben, der stärkste Tagesanstieg in der Firmengeschichte.
Strategisch baut Rocket Lab sein Profil konsequent aus. Die Übernahme von Mynaric AG ist abgeschlossen, der Kauf von Motiv Space Systems — Anbieter Mars-erprobter Robotik und Solarantriebssysteme — soll teure externe Abhängigkeiten beseitigen. Im Verteidigungsbereich wächst das Geschäft rasant: Verträge mit Anduril (30 Millionen Dollar für HASTE), ein 190-Millionen-Dollar-Auftrag des US-Verteidigungsministeriums und Arbeiten am Space Based Interceptor der U.S. Space Force verankern das Unternehmen im nationalen Sicherheitsapparat.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Intel?
Die Bewertung bleibt ambitioniert. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt über 100, die EBIT-Marge bei rund -33,6 %, der freie Cashflow bei etwa -77 Millionen Dollar. Allerdings sitzt Rocket Lab auf 1,21 Milliarden Dollar Cash. CFRA bestätigte „Strong Buy“ mit einem Ziel von 140 Dollar, Deutsche Bank erhöhte auf 120 Dollar, Clear Street startete die Coverage mit „Buy“ und einem Ziel von 150 Dollar.
Der entscheidende Katalysator steht noch aus: Die Mittelklasserakete Neutron soll ihren Erstflug noch 2026 absolvieren. Die Integration der Hardware für den Erststart läuft, die Archimedes-Triebwerke durchlaufen die Qualifizierung. Gelingt der Erstflug planmäßig, könnte die ohnehin steile Bewertungskurve noch einmal Schub bekommen.
Marvell Technology: Analysten erhöhen vor den Q1-Zahlen die Messlatte
Marvell Technology markiert ebenfalls ein neues Allzeithoch bei 160,50 Euro. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt — getrieben von der Nachfrage nach Custom-KI-Chips und optischen Connectivity-Lösungen. Ein milliardenschweres Investment von Nvidia hat das Vertrauen der Investoren zusätzlich gestärkt.
Am 27. Mai stehen die Q1-Zahlen des Geschäftsjahres 2027 an. Die Erwartungen sind hoch: Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 2,40 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 0,79 Dollar je Aktie. Das Rekordquartal zuvor (Q4 FY2026) brachte 2,219 Milliarden Dollar Umsatz bei 22 % Wachstum. Im Gesamtjahr FY2026 erreichte der Rechenzentrumsbereich erstmals über 6 Milliarden Dollar — ein Plus von 46 %.
Das Management hat die Umsatzprognose für FY2027 auf annähernd 11 Milliarden Dollar angehoben. Für FY2028 wird ein Wachstum der Rechenzentrumserlöse von nahezu 50 % avisiert. Im April kam mit der Übernahme von Polariton Technologies ein weiterer Baustein hinzu, der die optische Performance auf 3,2T und darüber skalieren soll.
Die Analysten positionieren sich vor dem Quartalsbericht bullish. RBC Capital erhöhte das Kursziel auf 200 Dollar, Bank of America zog auf denselben Wert nach und nannte Marvell neben Nvidia, Broadcom, Micron und AMD als Top-Pick. Der Konsens von 22 Kaufempfehlungen bei vier „Hold“-Ratings spricht eine deutliche Sprache. Auch bei Marvell gilt allerdings: Mit einem Forward-KGV von 85 ist die Bewertung mehr als doppelt so hoch wie der US-Halbleiter-Durchschnitt.
Samsung Electronics: Einigung in letzter Minute — Strukturkonflikt bleibt
Heute sollte der größte Arbeitskampf in der Geschichte der Halbleiterindustrie beginnen. Rund 47.000 Samsung-Beschäftigte — etwa 40 % der südkoreanischen Belegschaft — waren bereit, für 18 Tage die Arbeit niederzulegen. Am Mittwochnachmittag dann die Wende: Management und Gewerkschaft verkündeten eine vorläufige Einigung. Die Abstimmung darüber soll zwischen dem 22. und 27. Mai stattfinden.
Kern des Konflikts ist die Bonusdeckelung bei 50 % des Jahresgehalts. Die Gewerkschaft fordert stattdessen 15 % des jährlichen Betriebsgewinns als Bonusmasse. Hinter dieser Forderung steckt eine breitere Frage: Wem gehören die Gewinne des KI-Booms?
Die potenziellen Auswirkungen eines Streiks wären enorm gewesen. Samsung hält 36 % der globalen DRAM-Produktion und 28 % der NAND-Fertigung. Analysten schätzten, dass ein 18-tägiger Ausstand 3 bis 4 % des weltweiten DRAM-Angebots und 2 bis 3 % der NAND-Kapazität hätte entfernen können — in einem Markt, in dem die DRAM-Vertragspreise im ersten Quartal bereits um 90 bis 95 % gestiegen sind. Für das zweite Quartal wird ein weiterer Anstieg von 58 bis 63 % prognostiziert.
TrendForce relativierte die unmittelbaren Produktionsrisiken: Aufgrund der hohen Automatisierung in den vorderen Fertigungsstufen dürfte die DRAM- und NAND-Produktion bei voller Kapazität weiterlaufen. Betroffen wären eher die Nicht-Speichergeschäfte. Samsungs Marktkapitalisierung überschritt im Mai erstmals die Marke von einer Billion Dollar — ein Beleg für die KI-getriebene Neubewertung des Konzerns.
Halbleitersektor zwischen Euphorie und Engpass
Die fünf Aktien zeichnen ein geteiltes Bild innerhalb eines gemeinsamen Megatrends:
- AMD und Marvell verkörpern die reinste Form der KI-Infrastrukturnachfrage. Beide wachsen zweistellig, beide handeln zu Premiumbewertungen, die keinen Raum für Enttäuschungen lassen.
- Intel kämpft an zwei Fronten gleichzeitig: die Foundry-Glaubwürdigkeit wiederherstellen und gleichzeitig Partner zum Architekturwechsel zwingen. Die 18A-Ausbeuten reichen für die Versorgung, aber noch nicht für gesunde Margen — diese werden erst 2027 erwartet.
- Rocket Lab surft auf der Welle der weltraumnahen Rüstungsausgaben. Die SpaceX-IPO-Fantasie treibt die gesamte Branche, der Neutron-Erstflug ist der zentrale Risiko- und Chancenfaktor.
- Samsung hat die akute Krise entschärft. Der strukturelle Konflikt um die Verteilung der KI-Gewinne zwischen Kapital und Arbeit wird mit einer einzelnen Abstimmung aber nicht verschwinden.
Der nächste große Impuls kommt am 27. Mai mit Marvells Quartalsbericht. Für Intel bleibt die 18A-Transition der definierende Test des Jahres. Und bei Samsung wird die Abstimmung über das Tarifpaket zeigen, ob die Ruhe von Dauer ist — oder nur eine Atempause vor dem nächsten Kräftemessen.
Intel-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Intel-Analyse vom 21. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Intel-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Intel-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Intel: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...