Samsung und TSMC liefern Rekorde, und trotzdem fallen die Chipaktien
Steigende US-Renditen belasten Halbleiterwerte trotz kräftiger Quartalszahlen von Samsung und TSMC.

Kurz zusammengefasst
- Samsung steigert operativen Gewinn deutlich
- TSMC übertrifft eigene Umsatzprognose
- US-Renditen setzen Chipaktien unter Druck
- Kupfer-Kassapreis signalisiert knappes Angebot
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
die Chip-Lieferkette legt heute die stärksten Zahlen ihrer Geschichte vor und erntet fallende Kurse. Samsung verachtfacht den operativen Gewinn, TSMC übertrifft die eigene Prognose, Infineon verliert dennoch fast 4 Prozent.
Dahinter steht kein Zweifel am Geschäft, sondern ein Anleihemarkt, der jede Bewertung neu verhandelt. Wer Halbleiter im Depot hat, sollte heute weniger auf die Quartalszahlen schauen als auf die 30-jährige US-Anleiheauktion um 19 Uhr unserer Zeit.
Halbleiter: Rekordquartal, Verkaufstag
Samsung Electronics meldet für das dritte Quartal einen vorläufigen operativen Gewinn von 107,4 Billionen Won, umgerechnet rund 71,6 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 782,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr, als Nvidia im Vorquartal verdient hat.
Der Umsatz stieg um 127 Prozent auf 195 Billionen Won, etwa 130 Milliarden Euro. Beides blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück, und Samsung plant im vierten Quartal, die Smartphone-Produktion um 20 bis 30 Prozent zu kürzen. Die Samsung-Aktie schloss in Seoul 1,5 Prozent tiefer.
Auch TSMC liefert. Der Konzern setzte im Quartal 1,49 Billionen Taiwan-Dollar um, umgerechnet rund 41,7 Milliarden Euro, ein Plus von 50 Prozent. Das lag über der eigenen Prognose, allein im September wuchs der Umsatz um 54,6 Prozent.
Analysten erwarten für den 15. Oktober einen Nettogewinn, der 64 Prozent über dem Vorjahr liegt. Trotzdem notiert die TSMC-Aktie im Verlauf leichter, Broadcom verliert 2,6 Prozent, Intel fast 4 Prozent, Infineon 3,7 Prozent.
Die Erklärung liegt in der Finanzierung. Broadcom will Berichten zufolge über 50 Milliarden Dollar für Chips von OpenAI und Anthropic am Kreditmarkt aufnehmen, SpaceX plant 40 Milliarden Dollar für Nvidia-Chips.
Dieser Schuldenaufbau trifft auf zehnjährige US-Renditen von rund 5,3 Prozent, den höchsten Stand seit 24 Jahren. Die Pointe des Tages: Der KI-Zyklus ist operativ intakt, aber er wird zunehmend auf Pump bezahlt, und genau jetzt verteuert sich das Kapital, das ihn trägt.
Für Anleger heißt das nicht Ausstieg, sondern Auswahl: Citi hebt das Kursziel für AMD von 575 auf 800 Dollar, Mizuho das für Intel von 92 auf 114 Dollar. Bei Micron droht derweil ein Produktionsrisiko: 99 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder am Standort Taoyuan stimmten für ein Streikmandat, eine Kundgebung ist für den 19. Oktober geplant. In Taoyuan entstehen die Hochleistungs-Speicherchips (HBM) für KI-Server.
Wenn selbst Rekordquartale bei Samsung und TSMC die Kurse nicht tragen, lohnt der Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette hinter dem KI-Boom. Der kostenlose Report „Megatrend KI“ stellt zehn Big-Data-Unternehmen vor und zeigt, wie sich Anleger gezielt an diesem Thema beteiligen können. Top-10-Big-Data-Aktien jetzt herunterladen
Kupfer: Chile wackelt, der Kassamarkt zeigt es
Das zweite Lieferketten-Thema des Tages spielt im Erzgestein. In Chile stehen laut GEM Mining Consulting durchschnittlich 5,2 Prozent der Förderung der Großminen auf dem Spiel, bei El Teniente sind es 9 Prozent.
Die chilenische Kupferproduktion lag von Januar bis Juli 9,3 Prozent unter dem Vorjahr, der Juli war der schwächste Monat seit 2011. Seit gestern streiken bei Centinela über 700 Arbeiter, BHP hat für Escondida eine Mediation beantragt, und auf den Philippinen droht bei Padcal ein Ausstand. Diese drei Minen stehen laut CRU für fast 5,5 Prozent der Weltproduktion.
Der Markt antwortet nicht über den Terminpreis, sondern über die Preisstruktur. Kupfer notiert an der LME knapp unter 14.500 Dollar je Tonne, doch Kassaware kostet 120 Dollar mehr als der Dreimonatskontrakt, am Vortag waren es 89 Dollar. Wenn Käufer für sofortige Lieferung einen so hohen Aufschlag zahlen, ist das Angebot physisch knapp und nicht bloß spekulativ gefragt.
Ivanhoe Mines bestätigt das von der Produzentenseite. Kamoa-Kakula förderte im Quartal 76.401 Tonnen, die Jahresprognose von 290.000 bis 310.000 Tonnen tendiert zum unteren Ende. Für Anleger bleibt Kupfer über Zertifikate oder Minenwerte wie BHP und Ivanhoe eine der wenigen Positionen, die von Angebotsstörungen profitieren, ohne am Ölpreis zu hängen.
Zinsen und Gewinne: Zwei Rekorde im Widerstreit
Die Fed bleibt auf Straffungskurs, und das Protokoll der September-Sitzung zeigt, wie geschlossen. Alle 19 Ratsmitglieder standen hinter der Erhöhung auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Mehrheit hält einen weiteren Schritt noch in diesem Jahr für angemessen, der Markt preist für Dezember rund 80 Prozent ein.
Gouverneur Christopher Waller sagte in Istanbul, weitere Erhöhungen seien wahrscheinlich nötig, müssten aber nicht auf aufeinanderfolgenden Sitzungen kommen. Die Kerninflation liegt mit 3 Prozent weiter über dem Ziel. Die Laufzeitprämie zehnjähriger US-Anleihen ist laut New York Fed so hoch wie seit 2014 nicht, der 30-jährige US-Hypothekenzins steht bei 7,49 Prozent.
Gleichzeitig erwartet die Deutsche Bank für den S&P 500 im dritten Quartal ein Gewinnwachstum von 34 Prozent, der Konsens liegt bei 26,7 Prozent. Das Forward-KGV des Index ist seit Jahresanfang von 22,2 auf 19,3 gesunken, obwohl der S&P 500 nahe dem Rekord steht.
Die Marktbreite erklärt den Widerspruch: Microsoft, Nvidia, Apple und Meta hoben den Index im dritten Quartal um rund 300 Punkte, die übrigen 496 Werte drückten ihn um 150 Punkte. Der gleichgewichtete Index liegt seit dem 13. August 5 Prozent im Minus.
Die These daraus: Rekordgewinne tragen den Markt, aber nur an seiner Spitze, und sobald Renditen die Bewertung der Spitze angreifen, hat die Breite keinen Puffer. Ein Signal zum Hinschauen liefert der Optionshandel.
Gestern wurden auf den Anleihe-ETF TLT rund 370.000 Kaufoptionen gegen weniger als 100.000 Verkaufsoptionen gehandelt. Große Adressen wetten also auf ein Ende des Anleihe-Ausverkaufs. Die Auktion heute Abend zeigt, ob sie recht behalten.
Eine Handvoll Schwergewichte trägt den Index, doch KI-Chancen gibt es auch abseits von Nvidia und Co. Der Spezialreport „Heimliche KI-Profiteure“ porträtiert vier Titel, darunter einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz, und steht kostenlos bereit. Vier weniger beachtete KI-Aktien entdecken
MDAX und Europa: Wer liefert, wird belohnt
Der MDAX hat in 30 Tagen 8,7 Prozent verloren, und heute liefert er gleich mehrere Einzelgeschichten. Bank of America stuft Jungheinrich auf „Underperform“ ab, also eine Verkaufsempfehlung.
Die Jungheinrich-Aktie fällt im Verlauf 6 Prozent auf ein 52-Wochen-Tief bei 20,62 Euro und liegt seit Jahresanfang 40 Prozent im Minus. Südzucker schreibt im Quartal wieder schwarze Zahlen, das Papier verliert trotzdem 5,5 Prozent, der Markt hatte offenbar mehr erwartet.
Aumovio bricht um 7,9 Prozent ein, nachdem der französische Zulieferer OPmobility seinen Jahresausblick gesenkt hat; OPmobility selbst verliert 13 Prozent auf ein 52-Wochen-Tief. Fresenius gibt nach dem Führungswechsel 3,1 Prozent ab.
Das Gegenbeispiel kommt aus London: Tesco hob die Prognose und legte 5,1 Prozent zu, Imperial Brands kündigte einen Rückkauf über 1,5 Milliarden Pfund an. Wer Zahlen liefert und Kapital zurückgibt, wird belohnt; wer nur den Verlust stoppt, nicht.
Außenhandel: Der China-Anteil hat sich halbiert
Die Bundesregierung hebt ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 1,3 Prozent, doch der Außenhandel zeigt, woher das Wachstum nicht kommt. Die Exporte sanken im August um 0,8 Prozent zum Vormonat auf 137,6 Milliarden Euro.
Nach China gingen von Januar bis August 12,9 Prozent weniger Waren, während die Importe von dort um 10,1 Prozent stiegen; das Defizit beträgt 76 Milliarden Euro. Der China-Anteil an den deutschen Ausfuhren fiel von 8 Prozent im Jahr 2020 auf 4 Prozent im ersten Halbjahr 2026.
Ins Bild passt eine Entscheidung aus Berlin. Der Bund untersagt den Verkauf von 80 Prozent der Hamburger Logistikfirma Zippel an die chinesische Reederei Cosco. Im Mittelstand planen laut Creditreform nur noch 37,3 Prozent der Firmen Investitionen, nach 43,5 Prozent im Vorjahr. Der Aufschwung ist staatlich finanziert und auf Europa und die USA ausgerichtet, nicht auf China; Anleger sollten DAX-Werte mit hohem China-Anteil daran messen.
Unterm Strich
Die Lieferketten für Chips und Kupfer sind so angespannt wie selten, und beides spricht für anhaltend hohe Preise. Was die Kurse heute bremst, ist nicht das Geschäft, sondern der Zins: Die 30-jährige US-Auktion heute Abend und der TSMC-Gewinnausweis am 15. Oktober entscheiden, ob der Markt die Rekordzahlen wieder bezahlt. Bis dahin bleibt der Kupfer-Kassaaufschlag der ehrlichste Indikator dafür, wo echte Knappheit herrscht.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
Stand heute, 8. Oktober: Samsung Electronics – Kaufen, halten oder verkaufen?
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