SanDisk Aktie: 42,23 Prozent unter Hoch

SanDisk verliert trotz starkem Quartalswachstum massiv an Börsenwert. Analysten sehen Potenzial für eine Erholung.

Dieter Jaworski ·
SANDISK Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzplus von 97 Prozent
  • Kursverlust von 29 Prozent in einer Woche
  • Sektorweiter Ausverkauf belastet
  • KGV nach Absturz auf 6,4 gefallen

SanDisk hat in den vergangenen Wochen einen der schärfsten Kurseinbrüche im Speicherchip-Sektor erlebt – ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen operativ so stark dasteht wie selten zuvor. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.190,00 Euro, ein Minus von 4,03 Prozent auf Tagesbasis. Damit liegt der Titel nun 42,23 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 22. Juni 2026. Der Ausverkauf traf SanDisk härter als weite Teile der Halbleiterbranche und wirft die Frage auf, ob der Markt hier fundamentale Risiken einpreist oder schlicht Gewinne aus einer der stärksten Kursrallyes des Jahres mitnimmt.

Starke Quartalszahlen, harte Reaktion

Der Auslöser für die jüngste Talfahrt lag nicht in enttäuschenden Unternehmenszahlen. Im dritten Geschäftsquartal steigerte SanDisk den Umsatz um 97 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 5,95 Milliarden US-Dollar. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs sogar um 233 Prozent auf 1,47 Milliarden US-Dollar, die Bruttomarge kletterte auf 78,4 Prozent. Für das vierte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden US-Dollar sowie ein Ergebnis je Aktie von 30 bis 33 US-Dollar in Aussicht. Untermauert wird diese Prognose durch einen Auftragsbestand an Leistungsverpflichtungen von 41,6 Milliarden US-Dollar. Das Management sprach von einem „fundamentalen Wendepunkt“ für das Geschäft. Die Zahlen zum vierten Quartal werden am 5. August veröffentlicht, am 13. August folgt ein Investorentag.

Trotz dieser Kennziffern verlor die Aktie binnen einer Woche rund 29 Prozent an Wert und büßte damit einen Marktwert von schätzungsweise 88 Milliarden US-Dollar ein. Im Vergleich zu Wettbewerbern fiel der Rückgang überdurchschnittlich aus: Western Digital verlor im gleichen Zeitraum 18,1 Prozent, Micron 13,3 Prozent, der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) insgesamt 10 Prozent. Auch gegenüber dem Konkurrenten Seagate, dessen Aktie im Monatsvergleich um rund 19 Prozent nachgab, fiel SanDisk mit einem Minus von etwa 23 Prozent stärker zurück – bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 60, während Seagate mit einer Bruttomarge von 47 Prozent und einem freien Cashflow von 953 Millionen US-Dollar deutlich konservativer bewertet wird.

Sektorweiter Ausverkauf als Verstärker

Der Kursrutsch bei SanDisk lässt sich kaum losgelöst vom Gesamtmarkt betrachten. Der SOX ist seit seinem Hoch am 22. Juni um 20 Prozent gefallen und damit offiziell in einen Bärenmarkt gerutscht. Ausgelöst wurde die Verunsicherung unter anderem durch das neue chinesische KI-Modell Kimi K3 des Anbieters Moonshot AI, das Zweifel an der Dauerhaftigkeit der KI-Investitionswelle nährte. Verstärkt wurde die Bewegung durch gehebelte Single-Stock-ETFs in Südkorea, die laut Marktbeobachtern zeitweise ein Vielfaches ihres eigentlichen Volumens umschlugen und die Kursausschläge bei Speicherherstellern wie SK Hynix zusätzlich befeuerten. Goldman-Sachs-Chef David Solomon brachte die Stimmung auf die Formel, es herrsche derzeit „mehr Gier als Angst“ im Markt.

Parallel diskutiert die Branche, ob der massive Kapazitätsausbau bei Samsung, SK Hynix, Micron und dem chinesischen Hersteller CXMT zu einem Überangebot führen könnte. Analysten sehen dieses Risiko derzeit jedoch als begrenzt an, da die Nachfrage nach Speicherchips durch den Ausbau von KI-Infrastruktur weiterhin das Angebot übersteigt. Auch Take-or-Pay-Vereinbarungen und Kundenanzahlungen, wie sie etwa Micron mit 16 strategischen Verträgen und rund 22 Milliarden US-Dollar an Vorauszahlungen abgeschlossen hat, gelten als Schutzmechanismus gegenüber früheren Abschwungphasen der Branche.

Bewertung nach dem Ausverkauf

Der starke Kursrückgang hat die Bewertung von SanDisk deutlich verändert. Das auf den erwarteten Gewinn bezogene Kurs-Gewinn-Verhältnis ist von 13,6 auf 6,4 gefallen. Die Analysten von The Motley Fool bezeichnen die Aktie trotz eines Kursanstiegs von 580 Prozent seit Jahresbeginn weiterhin als kaufenswert und verweisen auf die Einschätzung von Micron, wonach der Speicherchipmarkt bis über das Jahr 2027 hinaus angebotsknapp bleiben dürfte. Sollte SanDisk mittelfristig wieder ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 erreichen, sehen die Analysten Potenzial für eine Verdreifachung des Aktienkurses gegenüber dem Niveau vor dem jüngsten Ausverkauf.

Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Operative Stärke trifft auf ein volatiles Marktumfeld, in dem makroökonomische Sorgen und sektorweite Risikoreduzierung kurzfristig stärker wiegen können als Unternehmenskennzahlen. Der bevorstehende Quartalsbericht am 5. August dürfte zeigen, ob sich der operative Rückenwind auch im weiteren Kursverlauf niederschlägt.

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