SanDisk Aktie: Evercore hebt Ziel auf 3.100 Dollar
Trotz massiver Kurszielerhöhung durch Evercore bricht die SanDisk-Aktie zweistellig ein. Grund ist ein branchenweiter Ausverkauf bei Speicherchip-Werten.

Kurz zusammengefasst
- Evercore hebt Kursziel auf 3.100 Dollar
- Aktie fällt um 13 Prozent
- Ausverkauf durch SK Hynix ausgelöst
- Mehrheit der Analysten bleibt optimistisch
Ein Analyst verdoppelt sein Kursziel für SanDisk fast. Die Aktie fällt trotzdem zweistellig. Diese Diskrepanz zeigt, wie stark der Speicherchip-Sektor gerade unter Druck steht — unabhängig von der Story einzelner Unternehmen.
Evercore sieht Kurse bis 4.000 Dollar
Evercore-ISI-Analyst Amit Daryanani hob sein Kursziel für SanDisk am Montag von 1.400 auf 3.100 Dollar an. Das entspricht einem Plus von mehr als 120 Prozent. Sein Rating „Outperform“ bleibt bestehen.
Daryanani sieht die Widerstandsfähigkeit von SanDisks Gewinnen und Cashflow als unterschätzt an. Neue langfristige Lieferverträge würden Anlegern deutlich mehr Planbarkeit bei den Erträgen geben. In seinem optimistischen Szenario hält Evercore einen Gewinn von über 300 Dollar pro Aktie für möglich — das würde einen Kurs von rund 4.000 Dollar stützen.
Der Optimismus stützt sich vor allem auf neue Kundenverträge. SanDisk unterschrieb im dritten Geschäftsquartal drei Deals mit einem Gesamtvolumen von etwa 42 Milliarden Dollar an noch zu erfüllenden Leistungsverpflichtungen. Zwei weitere Verträge kamen zu Beginn des vierten Quartals hinzu, deren Volumen SanDisk nicht offenlegte.
Evercore schätzt den Wert aller fünf Verträge zusammen auf rund 62 Milliarden Dollar an garantierten Mindesteinnahmen für die kommenden Jahre. Mehr als 11 Milliarden Dollar davon seien durch Finanzgarantien und Vorauszahlungen abgesichert. Mehr als ein Drittel der SanDisk-Bits im Geschäftsjahr 2027 sollen laut Evercore an diese Verträge gebunden sein — bei Bruttomargen von über 80 Prozent.
Der Kurs bricht trotzdem ein
Die positive Analystenstimme half nichts. SanDisk-Aktien stürzten am Montagnachmittag um 13 Prozent auf etwa 1.669 Dollar ab.
Der Ausverkauf begann bereits vor Börsenöffnung mit einem Minus von rund 5 Prozent. Auslöser war ein breiter Rückzug aus Speicherchip-Aktien, nachdem SK Hynix an der südkoreanischen Börse den stärksten Tagesverlust seit fast 20 Jahren verzeichnet hatte.
SK Hynix traf es aus zwei Richtungen gleichzeitig. Nach dem prominenten Nasdaq-Listing am Freitag sicherten Investoren ihre Gewinne ab. Zusätzlich deutete eine koreanische Brokerage-Analyse darauf hin, dass die Betriebsgewinne im zweiten Quartal rund 8 Prozent unter den Markterwartungen liegen könnten.
Andere Banken blieben trotz des Ausverkaufs bei ihrer positiven Einschätzung. Citi bestätigte sein Kursziel von 2.500 Dollar und bezeichnete Speicherchip-Werte wie SanDisk, Seagate und Western Digital als die Titel mit der „größten Überzeugung“ im Portfolio — begründet mit einem günstigen Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Susquehanna ging noch weiter und hob sein Kursziel auf 3.250 Dollar an.
Zwischen Vertragswert und echtem Cashflow
Nicht jede Stimme war uneingeschränkt bullisch. Eine Analyse von Barron’s wies auf die Lücke zwischen dem Gesamtwert der Verträge und dem tatsächlich kurzfristig verbuchbaren Umsatz hin.
SanDisks Einreichung vom 3. April listete 41,6 Milliarden Dollar an offenen Leistungsverpflichtungen. Nur etwa 15 Prozent davon, umgerechnet 6,24 Milliarden Dollar, sollen in den kommenden zwölf Monaten als Umsatz erfasst werden. Diese Zahl schließt zudem einige kürzere Verträge unter einem Jahr Laufzeit gar nicht ein.
Die Banken rechnen zudem mit völlig unterschiedlichen Bewertungsgrundlagen. Goldman Sachs kalkuliert mit einem normalisierten Gewinn von 110 Dollar pro Aktie für das Kalenderjahr 2026 und einem Multiplikator von 20. Evercore setzt dagegen auf einen Gewinn von 212,78 Dollar für das Geschäftsjahr 2027 bei einem Multiplikator von etwa 15. Bernstein wiederum kalkuliert im Basisszenario mit 243 Dollar für denselben Zeitraum.
Was als Nächstes zählt
Der nächste wichtige Termin ist der Quartalsbericht im August. Direkt danach folgt eine Investorenpräsentation, bei der das Management Gelegenheit hat, die aktuellen Marktsorgen direkt anzusprechen.
Die Analystenstimmung bleibt trotz der heftigen Kursschwankungen mehrheitlich positiv. 79 Prozent der Analysten, die SanDisk abdecken, vergeben ein Kaufrating — der höchste Anteil seit der Abspaltung von Western Digital im Februar 2025.
Die Ausschläge in beide Richtungen bleiben dabei extrem. Vor dem Kurseinbruch am Montag hatte die Aktie in nur drei Handelstagen bereits 18 Prozent zugelegt. Käufer, die auf Rücksetzer warten, scheinen bei SanDisk weiterhin aktiv zuzugreifen.
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