SANDISK Aktie: Rechenzentren erreichen 50 Prozent

SanDisk bestätigt mit Kioxia ein bedingtes Milliardenprogramm, während Quartalszahlen und Rechenzentrumsnachfrage den AI-Kurs stützen.

Andreas Sommer ·

Kurz zusammengefasst

  • Kioxia-Programm über 31 Milliarden Dollar
  • NAND-Ausbau bis 2032 vorgesehen
  • Rechenzentren gewinnen im NAND-Markt
  • Quartalsumsatz steigt um 372 Prozent

Ein Konzern, der gleichzeitig 31 Milliarden Dollar in neue Fabriken pumpt und Mitarbeiter in Israel entlässt – das klingt nach Widerspruch. Für mich ist es genau das Gegenteil: ein Symptom für eine Aktie, die gerade den Übergang vom Speicherhersteller zum AI-Infrastruktur-Player vollzieht, und zwar mit aller Härte, die so ein Umbau mit sich bringt.

Die Kioxia-Allianz als Kern der Geschichte

Am Montag sprang die SanDisk-Aktie um 4,7 Prozent, nachdem das Unternehmen gemeinsam mit Kioxia Holdings Corporation ein Investitionsprogramm von über 31 Milliarden Dollar – umgerechnet rund fünf Billionen Yen – bis 2032 bestätigt hat. Das Geld soll in die Erweiterung der NAND-Flash-Fertigung an den Standorten Yokkaichi und Kitakami fließen.

Bemerkenswert: Die Summe steht unter dem Vorbehalt staatlicher Unterstützung aus Japan, und sie baut auf der im Januar verlängerten Werksvereinbarung am Standort Yokkaichi auf, die nun bis Dezember 2034 läuft. Wer hier nur die große Zahl sieht, übersieht die Bedingtheit – und die sollte man bei der Einordnung nicht unter den Tisch fallen lassen.

Ich lese diese Investition als Wette auf strukturell steigende Nachfrage, nicht als kurzfristigen Kurstreiber. Und genau diese Wette scheint der Markt aktuell mitzugehen: Der Kurs notiert derzeit bei 1.350,00 Euro, ein Plus von 21 Prozent auf Monatssicht. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 2.060,00 Euro fehlen allerdings noch 34 Prozent – die Erholung ist real, aber von einer Rückkehr auf altes Niveau ist die Aktie noch ein gutes Stück entfernt.

Zahlen, die die These stützen

Was die Kioxia-Wette fundamental untermauert, ist die Aussage von SanDisk-Finanzchef Luis Visoso, der Ende August erklärte, der Anteil von Rechenzentren am gesamten adressierbaren NAND-Markt solle von rund 30 Prozent im Jahr 2025 auf 50 Prozent im Jahr 2026 steigen. Das ist keine vage Hoffnung, sondern eine konkrete Verschiebungsthese – und sie deckt sich mit dem, was das Unternehmen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 in Aussicht stellt: einen Umsatz zwischen 10,3 und 10,8 Milliarden Dollar sowie ein Non-GAAP-Ergebnis je Aktie zwischen 44 und 46 Dollar.

Zum Vergleich: Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das Anfang August gemeldet wurde, lag der Umsatz bei 8,97 Milliarden Dollar, ein Plus von 372 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während das Non-GAAP-Ergebnis je Aktie mit 39,25 Dollar deutlich über der Konsensschätzung von 34,59 Dollar lag.

Für mich ist dieser Sprung der eigentliche Beleg dafür, dass die AI-getriebene Nachfrage nach Speicherkapazität keine Analystenfantasie ist, sondern bereits in den Büchern steht.

Die Entlassungen relativieren die Euphorie nicht

Dass SanDisk parallel Stellen am israelischen Entwicklungsstandort abbaut und die NVMe-SSD-Entwicklung für Cloud- und AI-Server nach Indien verlagert, während der israelische Standort künftig an einer neuen Chipplattform namens „Stargate“ arbeiten soll, passt ins Bild eines Unternehmens, das seine Ressourcen konsequent auf das AI-Geschäft ausrichtet. Das ist hart für die Betroffenen, aus Anlegersicht aber eher ein Zeichen von Priorisierung als von Schwäche.

Auch die Kapitalseite spricht eine klare Sprache: Jane Street hat seine Beteiligung an SanDisk deutlich aufgestockt, sodass der Speicherhersteller mittlerweile zu einer der größten Einzelaktienpositionen des Handelshauses zählt – übertroffen nur vom eigenen SPDR-S&P-500-ETF. Das ist kein Beweis für steigende Kurse, aber ein Indiz dafür, dass professionelle Marktteilnehmer die strukturelle Nachfragegeschichte für belastbar halten.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente, die für eine fortgesetzte Neubewertung von SanDisk als AI-Infrastrukturwert sprechen: eine milliardenschwere, wenn auch bedingte Kapazitätsoffensive mit Kioxia, eine belegte Verschiebung der Nachfrage hin zu Rechenzentren und Quartalszahlen, die die Erzählung bislang bestätigt haben.

Die hohe Volatilität von 127 Prozent auf 30-Tage-Sicht und der weiterhin deutliche Abstand zum Jahreshoch zeigen aber, dass die Story noch längst nicht ausgepreist ist – Rückschläge dürften dabei die Regel bleiben, nicht die Ausnahme.

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