Sanofi Aktie: EU macht Werbezusagen bindend
RBC setzt das Kursziel auf 75 Euro herab; Sanofi erweitert Dupixents Zugang und sichert einen Pipeline-Kandidaten.
Vor der Vorlage der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 zeichnet sich bei Sanofi eine zurückhaltende Stimmung ab. Am Freitag passte RBC Capital die Bewertung an: Das Analysehaus reduzierte das Kursziel für den französischen Pharmakonzern auf 75 Euro, behielt die Einstufung jedoch bei „Sector Perform“. Am Markt spiegelt sich diese Vorsicht bereits seit längerer Zeit wider.
Gedämpfte Stimmung an den Märkten
Der Schlusskurs lag am Freitag bei 71,83 Euro. Damit bewegt sich der Titel weiterhin in unmittelbarer Nähe seines Jahrestiefs: Vom 52-Wochen-Tief bei 69,96 Euro trennt die Aktie aktuell ein Abstand von lediglich 2,7 Prozent nach oben.
Für Marktbeobachter stehen bei den anstehenden Geschäftszahlen vor allem die Entwicklung im Kerngeschäft und die Perspektiven der wichtigsten Erlösträger im Mittelpunkt. Operativ versucht das Management unterdessen, die Entwicklungspipeline durch Kooperationen zu stärken und das Anwendungsgebiet etablierter Präparate schrittweise zu erweitern.
Erweiterte Indikationen und Zukauf für die Pipeline
Auf der operativen Seite gab es zuletzt Fortschritte bei wichtigen Schlüsselmedikamenten. Am Donnerstag unterzeichnete Sanofi eine Absichtserklärung mit der pan-Canadian Pharmaceutical Alliance.
Die Vereinbarung zielt darauf ab, den öffentlichen Zugang in Kanada für das umsatzstarke Medikament Dupixent auf vier zusätzliche Indikationen auszuweiten: pädiatrische atopische Dermatitis, Prurigo nodularis, schwere chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen sowie COPD.
Parallel dazu treibt der Konzern die frühe Wirkstoffforschung voran. Ebenfalls am Donnerstag sicherte sich Sanofi über eine Option den ersten Entwicklungskandidaten aus der Kooperation mit Recursion Pharmaceuticals für die eigene Pipeline. Nach Angaben von Recursion löste die Ausübung eine Meilensteinzahlung in Höhe von 10 Millionen Dollar aus. Der Eintritt des Wirkstoffkandidaten in klinische Phase-1-Studien ist für das Jahr 2027 vorgesehen.
Einigung mit der Europäischen Kommission
Auch eine kartellrechtliche Untersuchung auf europäischer Ebene fand in der vergangenen Woche ihren Abschluss. Die Europäische Kommission erklärte am Mittwoch Verpflichtungszusagen von Sanofi für rechtlich bindend. Gegenstand des Verfahrens waren Vorwürfe über angebliche Herabwürdigungen des Grippeimpfstoffs Fluad von CSL Seqirus in Deutschland und Frankreich.
Im Rahmen der Einigung hat sich Sanofi verpflichtet, bis März 2030 bestimmte werbliche Behauptungen zu unterlassen und korrigierende Erklärungen zu veröffentlichen. Damit hat der Konzern vor dem anstehenden Quartalsbericht an dieser regulatorischen Front einen Schlussstrich gezogen.