SAP Aktie: 1,17 Milliarden für Prior Labs

SAP investiert Milliarden in KI-Dateninfrastruktur durch Übernahme von Dremio und Beteiligung an Prior Labs. Die Aktie bleibt unter dem Jahreshoch.

Felix Baarz ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Übernahme der Lakehouse-Plattform Dremio
  • Milliarden-Investition in KI-Spezialist Prior Labs
  • Neue KI-Funktionen nur für Cloud-Kunden
  • Aktie notiert 44 Prozent unter Jahreshoch

SAP investiert massiv in die Infrastruktur für agentenbasierte Künstliche Intelligenz. Der Walldorfer Konzern hat zwei Übernahmen angekündigt, die seine neue KI-Plattform mit der notwendigen Datengrundlage ausstatten sollen. Die Aktie handelt derweil knapp zehn Prozent über dem Jahrestief — das Hoch vom Juni 2025 bleibt aber in weiter Ferne.

Lakehouse-Plattform und Tabular-Modelle

SAP plant die Übernahme von Dremio, einer Lakehouse-Plattform für Echtzeit-Analysen. Die SAP Business Data Cloud soll mit Dremio zu einem Apache-Iceberg-nativen Enterprise-Lakehouse werden, das SAP- und Nicht-SAP-Daten zusammenführt.

Parallel dazu hat SAP eine Investitionszusage von 1,17 Milliarden US-Dollar über die nächsten vier Jahre für Prior Labs gemacht. Das Unternehmen ist auf sogenannte Tabular Foundation Models spezialisiert — KI-Modelle, die im Gegensatz zu großen Sprachmodellen effektiv mit Tabellen, Zahlen und Statistiken arbeiten. Sie können Geschäftsergebnisse wie Zahlungsverzögerungen, Lieferantenrisiken oder Kundenabwanderung vorhersagen.

SAP-CTO Philipp Herzig brachte die strategische Logik auf den Punkt: „Enterprise AI scheitert nicht daran, dass die Modelle nicht gut genug sind; sie scheitert daran, dass die Daten nicht bereit für KI-Agenten sind. Dremio beseitigt diesen Engpass.“

Die Dremio-Übernahme soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden, die Prior-Labs-Transaktion im zweiten oder dritten Quartal. Finanzielle Details zu den Transaktionen nannte SAP nicht.

Autonomous Enterprise als Rahmen

Die Akquisitionen sind eingebettet in SAPs übergeordnete KI-Strategie, die der Konzern im Mai auf seiner Jahreskonferenz Sapphire in Orlando vorgestellt hat. Die sogenannte „Autonomous Enterprise“ ist eine Vision, bei der Menschen und KI in den wichtigsten Geschäftsprozessen zusammenarbeiten.

Die SAP Business AI Platform bildet das neue Fundament. Sie vereint die SAP Business Technology Platform, die SAP Business Data Cloud und SAP Business AI in einer einzigen, regulierten Umgebung.

Die SAP Autonomous Suite soll mehr als 50 domänenspezifische Joule-Assistenten in den Bereichen Finanzen, Lieferkette, Beschaffung, Personalwesen und Kundenerfahrung bereitstellen. Diese Assistenten automatisieren Ende-zu-Ende-Prozesse, indem sie über 200 spezialisierte Agenten koordinieren.

Für Partner stellt SAP einen 100-Millionen-Euro-Fonds bereit, um die Einführung von KI-Software bei Kunden zu beschleunigen.

Migration als Druckmittel

Sämtliche neuen KI-Fähigkeiten bleiben exklusiv Cloud-Kunden vorbehalten. Das Management nutzt die Innovationen als Hebel, um On-Premise-Nutzer zur Migration zu drängen, bevor Ende 2027 der Mainstream-Support für ältere ERP-Versionen ausläuft.

Die SAP Domain Models — KI-Modelle, die auf SAP-Code, Kunden-Telemetrie und Prozessdaten trainiert wurden — sind für die allgemeine Verfügbarkeit im dritten Quartal 2026 geplant.

Aktie sucht neue Mitte

Operativ lieferte SAP im ersten Quartal 2026 solide Zahlen. Der Umsatz stieg auf 9,6 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Das Cloud-Geschäft wuchs um 27 Prozent, das Cloud-Backlog legte währungsbereinigt um 25 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro zu.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet SAP einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro. Das operative Non-IFRS-Ergebnis soll zwischen 11,9 und 12,3 Milliarden Euro liegen.

Die SAP-Aktie notiert bei 150,86 Euro — rund zehn Prozent über dem Jahrestief von Mitte Mai. Vom 52-Wochen-Hoch bei 271,60 Euro ist das Papier aber noch 44 Prozent entfernt. Am 23. Juli veröffentlicht SAP die Q2-Zahlen. Dann wird der Markt messen, ob die KI-Transformation in messbare Umsatzbeiträge mündet.

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