SAP Aktie: 400 KI-Agenten starten im September

SAP erwartet im Herbst eine breitere KI-Plattform, muss dafür jedoch den Vertrieb umbauen und zugleich regulatorische Risiken im Blick behalten.

Dieter Jaworski ·

Kurz zusammengefasst

  • 400 KI-Agenten für September angekündigt
  • Neue Plattform soll im Herbst starten
  • Vertrieb muss KI-Angebote neu vermarkten
  • Aktie bleibt unter dem 52-Wochen-Hoch

SAP-Chef Christian Klein hat auf der Goldman Sachs Communacopia + Technology Conference einen möglichen „Breakthrough“-Moment im KI-Geschäft in Aussicht gestellt. Die neue Plattform des Konzerns soll im Herbst allgemein verfügbar werden. Zugleich räumte das Unternehmen ein, dass die KI-Transformation erhebliche Ausführungsrisiken birgt und eine grundlegende Umstellung der Vertriebsstrategie erfordert.

Nachfrage stark, Umsetzung schwierig

SAP stellte auf der Konferenz klar, dass die Nachfrage nach seinen Produkten hoch bleibt. Für September kündigte der Konzern den Start von 400 KI-Agenten an, im Herbst soll eine weitere Welle folgen. Diese Ausbaustufen sollen die Plattform-Ankündigung flankieren und den Übergang von klassischer Software zu agentenbasierten Lösungen beschleunigen.

Genau hier liegt aber auch die Herausforderung, die SAP selbst benannte: Der Vertrieb muss sich von etablierten Lizenz- und Abomodellen lösen und neue Wege finden, um KI-Agenten zu verkaufen und einzupreisen. Diese Umstellung ist kein triviales Unterfangen für einen Konzern dieser Größe – sie betrifft Vertriebsteams, Kundenbeziehungen und letztlich die Umsatzstruktur.

Ein Kundensignal aus der Praxis liefert die Zeiss Group: Der Optikkonzern überarbeitete am Montag seine Pläne zur SAP-Cloud-Migration, nachdem die Kosten auf mehr als 200 Millionen Euro gestiegen waren. Auch wenn dieser Fall Zeiss selbst betrifft, zeigt er, dass Cloud-Umstellungen bei SAP-Großkunden teurer und komplexer werden können als ursprünglich geplant – ein Punkt, den Anleger im Blick behalten sollten.

Kartellrechtlicher Präzedenzfall wirkt nach

Parallel zur KI-Debatte bleibt ein juristisches Thema präsent: Reuters berichtete am 1. September, dass die EU-Kommission die Lizenzpraktiken von Oracle prüft. Der Fall wird von der Behörde ausdrücklich mit dem Vergleichsfall SAP verglichen, den der Konzern im Juli mit Zugeständnissen beigelegt hatte, um eine Geldbuße wegen umstrittener Lizenzpraktiken abzuwenden.

SAP dient damit als Referenzpunkt für die aktuelle Antitrust-Prüfung eines Wettbewerbers, was das Thema regulatorischer Risiken für die gesamte Branche neu ins Bewusstsein rückt.

Kurs bewegt sich seitwärts

Die Aktie notiert aktuell bei 177,88 Euro und legte am heutigen Freitag um 0,7 Prozent zu. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Minus von 3,9 Prozent zu Buche, was zeigt, dass die jüngsten Nachrichten aus Barcelona bislang keine durchschlagende Kursreaktion ausgelöst haben.

Der Titel bleibt damit deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro vom 23. Oktober und pendelt in einer Phase, in der Anleger offenbar abwarten, ob sich der angekündigte KI-Durchbruch tatsächlich in Zahlen niederschlägt.

Für Investoren bleibt die Gemengelage ambivalent: Auf der einen Seite die Aussicht auf eine neue, umsatzstarke KI-Plattform, auf der anderen Seite offen eingestandene Risiken bei deren Vermarktung sowie ein regulatorisches Umfeld, in dem SAP als warnendes Beispiel für Wettbewerber dient. Der Herbst dürfte zeigen, ob die Vertriebsstrategie den Sprung tatsächlich schafft.

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